Marokko ist der weltweit größte Exporteur für Marihuana. Welche Besonderheiten der Landwirtschaft im Norden Marokkos sie außerdem entdeckt hat, erzählt Dir unsere Weltenbummlerin Janne.

Wo Trecker über Äcker bleiern

Marokko ist der weltweit größte Exporteur für Marihuana. Welche Besonderheiten der Landwirtschaft im Norden Marokkos sie außerdem entdeckt hat, erzählt Dir unsere Weltenbummlerin Janne.

Janne Richling

Hofheldin Janne berichtet für Dich aus der ganzen Welt.

Hallo liebe Hofhelden,

damit ihr eine Vorstellung von dem bekommt, was ich nach meiner Ankunft in Marrakesch in Marokko sonst nocht gesehen und erlebt habe, möchte ich Euch einen kleinen Einblick in die Landwirtschaft geben. Marokko ist ein Land mit unterschiedlichsten Facetten. Landschaftlich, landwirtschaftlich und strukturell. Über jede Region könnte man unglaublich viel erzählen, aber ich möchte mich versuchen kurz zu halten.

Marokko ist der weltweit größte Exporteur für Marihuana. Welche Besonderheiten der Landwirtschaft im Norden Marokkos sie außerdem entdeckt hat, erzählt Dir unsere Weltenbummlerin Janne.

Meine Reiseroute. Foto: privat

Das muslimische Land gilt als fortgeschrittenes Entwicklungsland. Es gibt Autobahnen und moderne Städte mit westlichem Einfluss und Porsche sieht man überall. Ok, also den Berber-Porsche jedenfalls.

Berber ist eine Ethnie Nordafrikas zu der unter anderem die Tuareg gehören. Sie haben ihre eigene Sprache und einen simplen Lebensstil, der sich mit den Schlagworten Kasbah (Lehmhütten), Esel, Minztee, Familie und Religion am kürzesten umschreiben lässt. Diese Dinge haben in ihrem Alltag und im Leben einen sehr hohen Stellenwert.

Wenig Mechanisierung

Der Berber-Porsche ist ein Eselkarren, mit dem sie alle möglichen Dinge von A nach B transportieren, wie zum Beispiel das Obst und Gemüse zum Markt in der Stadt. Auch ist der Esel ein wichtiges Arbeitstier, denn die Landwirtschaft ist nicht großartig mechanisiert. Obwohl die Regierung 50 % der Kosten eines Treckers übernimmt, wie mir erzählt wurde, setzen die meisten Landwirte ihren Esel zum Pflügen ein. Teilweise ist es gar nicht möglich die Flächen mit einem Trecker zu bewirtschaften, da sie sehr steil sind. Nein, natürlich nicht alle Flächen. Dann kommt aber das mangelnde technische Verständnis (Bedienung, Wartung, Pflege) hinzu und auch die Infrastruktur, die in den ländlichen Regionen nicht gut ist (Ersatzteile). Die Anbaugeräte müssen natürlich zusätzlich zu dem Trecker gekauft werden, was in der Summe einen großen kapitalen Einsatz erfordert.

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In Marokko ist viel Handarbeit in der Landwirtschaft angesagt. Foto: privat

Die Ernten der letzten Jahre waren zudem auch gering, da der Niederschlag in den letzten fünf Jahren sehr unregelmäßig war oder sogar ganz ausgeblieben ist. Normalerweise regnet es im Winter, also zwischen November und März. Die Erträge liegen im Weizen übrigens zwischen 1,1 und 2,4 t/ha (zum Vergleich im dt. Schnitt bei 8 t/ha).

Da im Norden, dort wo der Boden am fruchtbarsten ist, der meiste Niederschlag fällt und die Landwirtschaft am intensivsten ist, könnte man denken, man würde vielen landwirtschaftlichen Maschinen begegnen. Es gibt große Felder, der Weizen wunderbar bestockt, Hügel in verschiedenen Grüntönen, zwischendurch Olivenhaine, dann eine Ackerfläche die gerade bearbeitet wird, um eine Sommerung wie Hafer oder Gerste auszusäen nehme ich an, und ich bin schon gespannt mit welcher Art von Trecker und Arbeitsgerät sie das hier machen. Ah, ich sehe was. Es ist ein Ross. Nein, kein Dieselross, sondern wirklich ein Pferd mit einem Einschaar-Pflug. Oder soll ich eher sagen einem Zinken?! Die Fläche war nun wirklich nicht klein und ich war etwas verwundert. Ein Trecker hätte sich gelohnt. Ein Foto konnte ich leider nicht machen, denn ich saß im Bus, der mich weiter in den Norden bringen sollte.

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Trecker habe ich in Marokko nicht so viele gesehen… Foto: privat

Auf der weiteren Fahrt habe ich mehrere Landwirte gesehen die mit Pferd oder Esel auf dem Acker waren. Und dann endlich habe ich doch mal einen Trecker gesehen (Größenordnung 75 – 90 PS), der mit einer Scheibenegge, Arbeitsbreite vielleicht 3 Meter, den Boden bearbeitet hat. Neugierig gucke ich weiter über den Acker und sehe am anderen Ende drei Menschen, die Saat ausstreuen. Hmm. Ich hatte eigentlich eine Drillmaschine erwartet, aber okay.

Im weiteren Vorbeifahren habe ich Landwirte gesehen, die mit der Rückenspritze über den Acker gelaufen sind oder mit einem Eimer in der Hand Dünger gestreut haben. Ich habe aber auch Getreideflächen mit Reifenspuren gesehen. Spuren eines Trecker mit Spritze, wie ich dann gesehen habe, der über den Acker gebleiert ist und die Pflanzen platt gefahren hat, denn richtige Fahrgassen waren nicht da. Auch beim Drillen, wenn sie es denn mit einer Maschine gemacht haben, waren die Spuren nie auch nur einigermaßen gerade. Aiaiai. Ob das nur ich schrecklich fand aufgrund der deutschen strukturierten Art, oder ob denen das wirklich egal ist?!

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Ob denen wirklich egal ist, dass das alles so schief ist? Foto: privat

Wer weiß. Jedenfalls erkennt auch der Laie, dass hier in der Landwirtschaft noch großes Potenzial für mehr Effizienz steckt. Es kann natürlich auch gut sein, dass ich die modernen Betriebe gar nicht auf meiner Route hatte und sie sich irgendwo im Rifgebirge verstecken, aber größtenteils wird Landwirtschaft so wie beschrieben betrieben.

Gras aus dem Gebirge

Übrigens wird im Rifgebirge sehr viel Hanf angebaut. Legal. Denn wusstest du, dass Marokko der weltweit größte Exporteur für Marihuana ist? Im Land selber ist das Rauschmittel allerdings illegal, die Strafen sind sehr hoch, hält jedoch nicht viele davon ab trotzdem zu kiffen.

Gesät wird Hanf Mitte – Ende Dezember. Die Pflanze wächst je nach Wasserversorgung und Qualität 6 bis 7 Monate bevor sie weiter verarbeitet wird. Da es im Rifgebirge kühler ist als im Landesinneren und allgemein mehr Niederschlag fällt, kann teilweise zwei Mal im Jahr Hanf angebaut und geerntet werden.

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In der Wüste, im Süden, sind die Bedingungen Landwirtschaft betreiben zu können ganz andere. Wie man sich das dort vorstellen kann, erfahrt ihr im nächsten Teil meiner Reise.

Bleibt gespannt,

Eure Janne

Was Janne im Ausland alles erlebt, findest Du hier heraus!

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