Trennung mit System

Michael Fröhlin hat einen Weg gefunden, die Vaterpflanzen bei der Erzeugung von Maissaatgut sinnvol zu nutzen.


Gleichmäßig ratternd frisst sich das Gebiss des Häckslers durch den Vatermais. Das Häckselgut spuckt der Arm des Claas Jaguar in einen der zwei speziell angefertigten, 1,60 m breiten Kippanhänger mit 9 m³ Volumen, den ein Schmalspurschlepper zieht. Zwischen Häcksler und Transportgespann: vier Reihen Mutterpflanzen zur Maissaatgutproduktion.

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Nachdem die Vaterpflanzen ihre positiven Eigenschaften an die Kolben der Mutterpflanzen weitergegeben haben, werden sie geerntet. Foto: Deutsch

„Nach der Bestäubung müssen wir die Vaterpflanzen entfernen, damit deren Kolben nicht in das Erntegut gelangen“, erklärt Maissaatguterzeuger Michael Fröhlin. Die Vaterkolben weisen Eigenschaften auf, die im späteren Saatgut nicht erwünscht sind. Die Vaterpflanzen sollen lediglich ihre positiven Eigenschaften an die Kolben der Mutterpflanzen vererben. Dafür werden immer jeweils zwei bis drei Reihen Vater- und vier Reihen Mutterpflanzen angebaut.

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Die Räder des Häckslers mit 1,85 m Außenmaß stellte Michael schmal, damit die Fahrbreite genau der Fahrspur der Vaterpflanzen entspricht. Foto: Fischer

Früher haben Michael und seine Kollegen die Vaterpflanzen gemulcht. Dann baute der lokale Energieversorger eine Biogasanlage mit 2,2 MW und er und seine Kollegen überlegten, wie sie diese in das vorhandene landwirtschaftliche Umfeld integrieren können. Denn die landwirtschaftliche Fläche im baden-württembergirschen Buggingen im Rheintal ist besonders begrenzt: Im Westen von der französische Grenzen und den Vogesen, im Osten von den Winzergenossenschaften mit Weinbau in Terrassen. „Ich kam auf die Idee, die Vaterpflanzen der Saatmaisproduktion für die Biogasanlage zu nutzen.“

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Für sein Konzept gewann Michael den Landwirtschaftspreis für Unternehmerische Innovationen (LUI-Preis) des Bunds Badischer Landjugend. Foto: Deutsch

Er kaufte sich einen Claas Jaguar-Häcksler mit 1,85 m Außenmaß, stellte die Räder schmal, damit die Fahrbreite genau der Fahrspur der Vaterpflanzen entspricht, und fertigte für die Häckslerfront einen Abweiser an, der auch die Vorderräder abdeckt. Er drückt während des Häckselns die Kolben der Mutterpflanzen sanft zur Seite, das wertvolle Saatgut soll schließlich nicht beschädigt werden.

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Die Mutterpflanzen drückt der Häcksler sanft zur Seite, damit deren Kolben während der Ernte der Vaterpflanzen nicht beschädigt werden. Foto: Fischer

Um schlagkräftiger und effizienter zu arbeiten, kultivieren die zwanzig Landwirte der Gemarkung Buggingen ihre 200 ha zur Maisvermehrung  gemeinsam, ohne auf Schlaggrenzen zu achten. „Bei der Vaterpflanzenernte halte ich das genauso“, erklärt Michael, der den Einsatz des Häckslers und der Transportfahrzeuge koordiniert. Seine Landwirtskollegen packen bei der Ernte selbst mit an und ziehen die zwei speziellen Erntewägen mit ihren eigenen Schmalspurschleppern.

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Die besonderen Erntewägen hat Michael eigens anfertigen lassen. Foto: Fischer

Diesen Einsatz vergütet ihnen der Maschinenring Markgräferland. Die Landwirte verdienen also zweimal: mit dem Einsatz ihrer Maschinen und Arbeitszeit sowie mit dem Verkauf des Häckselguts an die badenova. Dieser Erlös wird am Ende der Erntezeit nach Hektar abgerechnet. Für sein Konzept gewann Michael 2012 den Landwirtschaftspreis für Unternehmerische Innovationen (LUI-Preis) des Bunds Badischer Landjugend in der Kategorie Unternehmenskooperation.

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