Ein Treffen von Landwirten und Veganern auf einem Betrieb kann nur interessant sein. Dachte sich auch Hofheld-Bloggerin Janne und nahm teil. Und als Ex-Veganerin kennt die Landwirtin ja beide Perspektiven.

Wenn sich Landwirte mit Veganern treffen

Ein Treffen von Landwirten und Veganern auf einem Betrieb kann nur interessant sein. Dachte sich auch Hofheld-Bloggerin Janne und nahm teil. Und als Ex-Veganerin kennt die Landwirtin ja beide Perspektiven.

Janne berichtet für Dich über Landwirtschaft aus aller Herren Länder.

Janne berichtet für Dich über Landwirtschaft aus aller Herren Länder.

Hallo Hofhelden,

nein, ihr hab Euch nicht verlesen. Landwirte und Veganer Treffen sich. Man könnte auch sagen, zwei Welten haben sich zu einer offenen Diskussion getroffen. Auf einem Betrieb. Initiiert wurde das Treffen vom Bauernverband Schleswig-Holstein. Warum? Weil ein ewiges Gegeneinander, Unverständnis und Abblocken von den jeweils anderen Sichtweisen niemals zu einem gegenseitigen Verständnis oder Akzeptanz führt.

Ein Treffen von Landwirten und Veganern auf einem Betrieb kann nur interessant sein. Dachte sich auch Hofheld-Bloggerin Janne und nahm teil. Und als Ex-Veganerin kennt die Landwirtin ja beide Perspektiven.

Wir haben uns auf einem Betrieb mit Veganern getroffen, um offen zu diskutieren. Foto: privat

Was bedeutet vegane Ernährung überhaupt?

Veganer verzichten zum Beispiel auf Fisch, Fleisch, Honig, Eier, Joghurt, Sahne, Milch, -pulver, Laktose (vorkommend in z.B. Schokoriegeln, Eis, best. Pharmazeutika, Kuchen, Kekse, einige Tiefkühlgerichte, Kartoffelpüreepulver etc.). Aber sie verzichten auch auf Waren aus Leder, Wolle und Seide.

Mittlerweile gibt es eine große Palette an Alternativprodukten und es ist ein großer Trend geworden, dass Firmen ihre Produkte extra mit der Aufschrift „vegan“ deklarieren, z.B. Wasser. Interessant, dass Wasser plötzlich vegan geworden ist. Naja, ist eben Marketing.

Veganer/in zu sein bedeutet also mehr, als nur auf bestimmte Produkte zu verzichten. Vielmehr ist es ein Lebensstil mit dem Fokus auf Umwelt, Nachhaltigkeit und Ethik. Ethik besonders in Bezug auf Mensch und Tier. Dinge wie Schlachtung, Freiheit, Fremdbestimmung werden kritisch hinterfragt.

Tierschützer oder Tierrechtler. Wo ist der Unterschied?

Tierschützer wollen unnötiges Leiden von Tieren abwenden und möchten die Tierhaltung ändern. Ihr Fokus liegt im Thema „artgerecht“.

Tierrechtler fordern Grundrechte für Tiere und stellen sie gleichwertig mit dem Menschen. Die Nutztierhaltung wird nicht akzeptiert – Veganismus ist die einzig akzeptable Ernährungsform.

Ein Treffen von Landwirten und Veganern auf einem Betrieb kann nur interessant sein. Dachte sich auch Hofheld-Bloggerin Janne und nahm teil. Und als Ex-Veganerin kennt die Landwirtin ja beide Perspektiven.

Veganern liegt besonders die Ethik in Bezug auf Mensch und Tier am Herzen. Foto: privat

Was aus dem Treffen besonders hervorgegangen ist, ist einen Eindruck und einen Einblick, wie Veganer denn ticken. Hier eine kleine Auflistung zum Verständnis über die allgemeine Lebenseinstellung:

  •   Veganer verachten das Schlachten von Tieren, denn Tiere werden vom Menschen fremdbestimmt und können nicht selbst entscheiden, ob sie leben oder sterben wollen.
  • Tierrechtler lehnen die Nutztierhaltung komplett ab. Die Wildform ist die einzig wahre und artgerechte Form von Freiheit und Leben.
  • Statt Getreide dem Menschen zu geben, wird er den Tieren gegeben. So kann Welthunger nie bekämpft werden. Die Tiere essen unser Essen weg.
  • Für den Anbau von Soja für Massentierhaltung werden Regenwälder gerodet. Durch Fleischverzicht und Verzicht tierischer Erzeugnisse wird dies nicht Unterstützt.
  • Sehr viele Handlungen und Handlungsbeziehungen werden hinterfragt.
  • Ein nachhaltiger Lebensstil hat höchste Priorität.
  • Der Einkauf von Lebensmitteln nimmt mehr Zeit in Anspruch (Kleingedrucktes lesen) und erhält somit mehr Wertschätzung.
  • Sie sind bereit, viel Geld für Lebensmittel auszugeben. Vorwiegend werden Bio-Produkte oder Produkte strengerer Auflagen wie z.B. Demeter gekauft.
  • Regionalität hat einen großen Stellenwert, sowie Unabhängigkeit / Vermeiden großer Konzerne.
  • Vegane Ernährung ist die gesündeste Form.

Und was nimmt man aus solch einem Treffen mit?

Die Betriebsleiter, auf deren Betrieb wir den Hofrundgang gemacht haben, sagten, sie hatten vor dem Treffen Bauchschmerzen. Man weiß schließlich nie in welche Richtung ein solches Treffen geht, ob beleidigt wird, ob Drohungen folgen oder gar Stalleinbrüche. Auf der anderen Seite muss ich meinen Respekt den Veganern aussprechen, denn sie haben sich quasi „in die Höhle des Löwen“ getraut und eine mehrstündige Anreise auf sich genommen.

Ein Treffen von Landwirten und Veganern auf einem Betrieb kann nur interessant sein. Dachte sich auch Hofheld-Bloggerin Janne und nahm teil. Und als Ex-Veganerin kennt die Landwirtin ja beide Perspektiven.

Auch die tierischen Teilnehmer standen dem Treffen offen gegenüber. Foto: privat

Die Gespräche blieben die ganze Zeit auf einer respektvollen Ebene, es gab Kritik, klar, aber keine persönlichen Anfeindungen von beiden Seiten.

Das Fazit von einem der Betriebsleiter: „Verstehen und nachvollziehen kann ich Veganer durch das Treffen nicht mehr als vorher, aber es war interessant verschiedene Gedankengänge zu diskutieren. Mein Bauchkneifen ist geschwunden und ich stehe einem weiteren Treffen solcher Art positiv gegenüber.“

Gibt es Veganer unter den Lesern von Hofheld? Würde euch solch ein Treffen interessieren? Wenn ja, dann meldet euch einfach bei mir.

Bis dahin,

Eure Janne

Was Janne im Ausland alles erlebt, findest Du hier heraus!

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4 Comments

  • Jan

    17. Mai 2018 at 0:07

    Hey Janne,

    danke für den spannenden Beitrag. Ich bin bei der Recherche für einen neuen Blogartikel auf deinen Beitrag hier gestoßen und möchte kurz berichten, was mir beim Lesen durch den Kopf gegangen ist.
    Mir ist nochmal bewusst geworden, was ich letztens schonmal bemerkt habe. Ich habe eine Artikel über Milch geschrieben und zwar ob Milch gesund ist oder nicht. Beim Schreiben und der Recherche habe ich viel über die positiven und negativen Effekte durch den Milchkonsum beschäftigt. (Den Artikel habe ich mal im Feld „Website“ angegeben, schau gern mal rein und schreib mir in die Kommentare, wie du ihn findest.) Was mir aber dabei aufgefallen ist, ist die Beschäftigung mit den Argumenten von anderen Meinungsträgern. Ich liebe Milch, aber wusste nicht was an den Argumenten der Milchgegnern dran ist. Das habe ich erst jetzt verstanden.
    Genauso ist so ein Treffen zwischen Landwirten und Veganern eine tolle Sache, die evtl. ein paar Vorurteile bei den Teilnehmern des Treffens verblassen lies.

    Viele Grüße
    Jan

    Antworten
    • Janne

      18. Mai 2018 at 14:52

      Lieber Jan,
      zu erst einmal die Interessenfrage; Kommst du aus der Landwirtschaft?
      Leider wird deine Website nicht öffentlich angezeigt. Magst du sie in die Kommentare schreiben? Dann lese ich mir den Beitrag gerne durch.
      Ich finde es toll, dass du bestimte Dinge hinterfragst und jeden Blickwinkel dazu betrachtest. Was für einen persönlich dann die richtige Entscheidung ist, muss jeder selbst wissen und verantworten.
      Liebe Grüße Janne

      Antworten
    • Janne

      18. Mai 2018 at 17:38

      Liebe Angela,
      Vielen Dank für diesen Kommentar. So macht es doch spaß zu kommunizieren!
      Zu den Formulierungen.. es gibt eben nicht den einen Veganer, sondern es gibt solche und solche. Bei dem Treffen waren unter anderem, und das ist nicht wertend gemeint, die „hardcore“ Veganer. Vor veröffentlichung haben sie den Artikel zugeschickt bekommen, und ihn unverändert abgenicht. Daraus schieße ich, dass ihnen die Formulierungen so entsprachen.
      Boykott schließt meiner Meinung nach Verzicht nicht aus. Wenn ich die verwendung von Palmöl boykottiere, muss ich dadurch natürlich auf gewisse Produkte verzichten, die ich sonst eigentlich ganz gerne esse. Das wird dann natürlich willigend in kauf genommen. Aber es ist doch schön, wenn du diese Lebensform nicht als Verzicht siehst. Dann vermisst du ja nichts.
      Und hinsichtlich des letzten Punktes, klar gibt es die „Hipster-Veganer“ und die, die aus Überzeugung und voll dahinter stehen. Eben solche und solche. Das muss jeder für sich selbst entscheiden und verantworten.
      Danke für deinen Kommentar, respektvoll kann man immer wieder gerne miteinander reden. Solch ein Treffen hat auch sicherlich nicht zum letzten Mal statt gefunden. Vielleicht hättest du auch intreresse zu solch einem Austausch mit Landwirten?
      Liebe Grüße Janne

      Antworten
  • Angela

    17. Mai 2018 at 15:58

    Moin, ich finde diese Aktion wirklich gut. Es war auch gar nicht zu erwarten, dass sich nachher alle einig sind, wie denn auch. Aber dass diese negativen Emotionen abgebaut werden konnten, halte ich für sehr wertvoll.

    Bei dieser Aufzählung, „wie vegane Menschen ticken“ würde ich aber das eine oder andere anders formulieren.

    – Ich „verachte“ Schlachtungen nicht. Auch nicht die Menschen, die im Schlachthof leben. Ich möchte nur nicht mit meinem Konsum dazu beitragen. Diese Wortwahl hat stark damit zu tun, dass sich gefühlt Gräben zwischen den Menschen befinden und ich würde mir wünschen, dass da alle Beteiligten im Zweifel einen Gang runter schalten 🙂

    – Es geht mir nicht um die „einzig wahre“ Lebensform, sondern um meine Ethik und dass ich mein Leben danach ausrichte. Natürlich sehe ich, dass das System in dem wir leben, aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wenn wir uns angucken, wie viele Nutztiere es gibt und wie wenige wilde Tiere, dann ist so eine „einzige wahre“ absolute Formulierung irgendwie merkwürdig. Sehen Menschen, die das jetzige Nahrungssystem für richtig halten, die wenigen Nutztierzuchtrassen als die „einzige wahre Lebensform“ an? Ich glaube, wir machen es uns allen mit weniger plakativen Formulierungen leichter, aufeinander zuzugehen.

    – Ich sehe veganes Leben auch nicht als Verzicht, deswegen empfand ich es als sehr seltsam, wie oft in diesem Blogartikel der Begriff Verzicht/verzichten vorkommt. Es ist eher ein Boykott. Wenn Menschen sagen, sie nehmen nicht bei jedem Einkauf eine neue Plastiktüte, dann verzichten die ja auch nicht auf Plastiktüten, sie brauchen einfach keine. Oder die Menschen, die keinen SUV haben, verzichten nicht darauf. Auch das ist in meinen Augen ein Missverständnis, dass veganes Leben extremer scheinen lässt als es ist 🙂

    – Mein Einkauf nimmt heute weniger Zeit in Anspruch als früher, weil ich ganze Gänge im Supermarkt auslassen kann. Das Lesen von Zutatenlisten ist vielleicht am Anfang interessant, irgendwann weiß der Mensch aber, welche Produkte uninteressant sind.

    – Ich gebe auch nicht viel Geld aus, das ist ein weiteres Klischee. Natürlich kann sich der Mensch dauernd teure Tofushrimps kaufen. Aber Gemüse, Hülsenfrüchte und Getreideprodukte, also die Grundnahrungskomponenten sind nicht teuer, auch nicht in der Bioversion. Und das bestätigen mir viele, dass sie zu nichtveganen Zeiten eher mehr ausgegeben haben.

    – Den veganen Menschen, die vegane Ernährung pauschal für die gesündeste halten, stimme ich nicht zu. Es kann sehr gesund sein, aber es ist auch locker möglich, sich vegan ungesund zu ernähren mit viel Fett und Fertigprodukten. Und diejenigen, die es aus Gesundheitsgründen machen und nicht aus ethischen, sind dann auch diejenigen, die am wahrscheinlichsten wieder mit dem veganen Leben aufhören, weil der nächste Gesundheitstrend aufkommt.

    Ich hoffe, das ist okay so, dass ich diese Anmerkungen dazu schreibe. Wie gesagt, an sich bin ich froh über jeden Austausch auf einer höflichen und offenen Ebene 🙂

    Antworten

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