Die Kühe von Patrick Kübler kriegen nur bestes Grundfutter, Heu ad libitum und Massagen – fast wie in einem Wellness-Hotel. Seine Tiere danken es ihm: Sie sind selten krank und geben viel Milch.

Wellness für Kühe

Die Kühe von Patrick Kübler kriegen nur bestes Grundfutter, Heu ad libitum und Massagen – fast wie in einem Wellness-Hotel.
Seine Tiere danken es ihm: Sie sind selten krank und geben viel Milch.

Originalbeitrag von Amelie Grabmeier, agrarheute.

Destany kann es kaum erwarten. Ungeduldig trippelt die Kuh von einem Bein aufs andere. Mit ihrem weichen Flotzmaul stupst sie Patrick Kübler an. Der Landwirt steht im Stall und säubert Liegeboxen. „Gleich bist du dran“, sagt der 28-Jährige. Er beendet seine Arbeit und zieht eine Bürste aus der Tasche seiner Fließjacke. Voller Elan beginnt er, Kuh Destany zu striegeln.

„Unsere Kühe bekommen oft Massagen als kleine Wellness-Behandlung“, sagt er. Das tut den Kühen gut, stärkt das Vertrauen und steigert die Milchleistung. Auch sonst tut der Landwirt alles für das Wohlbefinden seiner Kühe. Das Liegeplatz-Tier-Verhältnis beträgt 1:1. Im Stall befinden sich auch zwei Ventilatoren und eine Kuhdusche – als Vorsorge gegen Hitzestres

Die Kühe von Patrick Kübler kriegen nur bestes Grundfutter, Heu ad libitum und Massagen – fast wie in einem Wellness-Hotel. Seine Tiere danken es ihm: Sie sind selten krank und geben viel Milch.

Der 1990 gebaute Boxenlaufstall besteht zu 90 Prozent aus Tiefboxen. Foto: Pötter

Viel Milch ohne Silomais

„Nur gesunde Kühe geben viel Milch“, sagt Patrick Kübler. Der Landwirt hält 55 Fleckviehkühe in Tettnang am Bodensee. Dass sein Konzept aufgeht, zeigt die durchschnittliche Herdenleistung. Sie liegt bei 10.571 l pro Kuh und Jahr.

Auch die lange Nutzungsdauer – im Schnitt leben seine Kühe fast sechs Jahre – spricht dafür, dass der gelernte Landwirtschaftsmeister etwas richtig gemacht hat. Ein wichtiger Baustein seines Erfolgs ist die Fütterung. „Unsere Ration besteht zu 75 Prozent aus Grassilage“, sagt er. Patrick Kübler mäht das Wiesengras mit hohem Kleeanteil sechsmal im Jahr. So erreicht er im Schnitt eine Energiedichte von 6,5 MJ NEL/kg in der Grassilage. Weitere Bestandteile der Ration sind Luzerne, Lieschkolbensilage, Körnermais, Stroh, Graspellets und Wasser. Alles gentechnikfrei.

Auf Silomais verzichtet er bewusst. „Ich habe mich schon immer gefragt, warum man die ganze Maispflanze füttert, obwohl die Energie im Kolben steckt“, sagt er. „Die Restpflanze ist nichts anderes als Sägemehl, das den Platz im Pansen versperrt.“ Deshalb häckselt er seit drei Jahren nur noch den Lieschkolben – mit einem Feldhäcksler und dem Pflückvorsatz von einem Maisdrescher. Viele haben ihm abgeraten, doch er machte es trotzdem. Mit Erfolg.

Die Kühe von Patrick Kübler kriegen nur bestes Grundfutter, Heu ad libitum und Massagen – fast wie in einem Wellness-Hotel. Seine Tiere danken es ihm: Sie sind selten krank und geben viel Milch.

Der 28-Jährige Patrick Kübler verfüttert 22,2 kg TM pro Kuh und Tag. Foto: Pötter

Weniger Harnstoff, mehr Milch

„Seitdem haben wir eine enorm hohe Energiedichte im Futter“, sagt er. So kann er über 6.000 kg Milch aus dem Grundfutter erzeugen. Den Trockenmassegehalt der Ration kontrolliert er wöchentlich. Auch die Eiweißversorgung seiner Kühe prüft er regelmäßig. Das macht er mithilfe des Harnstoffwerts. „Wir haben im Schnitt Harnstoffwerte von 13 bis 15 mg/dl.“ Sein Prinzip: weniger Harnstoff, mehr Milch.

Doch seine Fütterungsberater sehen das anders. „Die sagen, alles was unter 20 mg/dl ist, führt zu weniger Milch“, sagt Patrick Kübler. „Aber das konnten wir nicht feststellen – im Gegenteil.“ Zusätzlich füttert er Heu ad libitum und Grummet, einmal täglich vor der Ration. Kraftfutter setzt Patrick Kübler nur sparsam ein, im Schnitt 1.600 kg pro Kuh und Jahr.

Einmal am Tag füttert er. Zusätzlich animiert ein Futterroboter von Lely die Kühe zum Fressen. „Der Roboter fährt mehrmals täglich und schiebt das Futter an“, sagt er. Das restliche Kraftfutter wird über den Melkroboter gefüttert – bis zu 6 kg pro Kuh und Tag. „Wir haben dadurch mehr Besuche beim Melkroboter.“ Und mehr Milch.

Die Kühe von Patrick Kübler kriegen nur bestes Grundfutter, Heu ad libitum und Massagen – fast wie in einem Wellness-Hotel. Seine Tiere danken es ihm: Sie sind selten krank und geben viel Milch.

Schaschlikspieß und heißer Beifuß: So behandeln die Küblers kranke Kühe. Foto: Pötter

Gesunde Kühe mit Moxa-Zigarren

Patrick Kübler nennt einen weiteren Vorteil der grünlandlastigen Fütterung: „Unsere Kühe haben viel seltener die Mortellaro’sche Krankheit.“ Maximal zwei bis drei Fälle hat er pro Jahr. Wird eine Kuh doch einmal krank, dann versucht er es zunächst mit Homöopathie. Die alternative Behandlung übernimmt Patricks Mutter Johanna.

Liegt etwa eine Kuh fest, dann setzt sie unter anderem auf eine Zigarette aus getrocknetem Beifuß. Dazu schneidet die 61-Jährige ein Stück von der sogenannten Moxa-Zigarre ab und steckt es auf einen Schaschlikspieß. „Dann zünde ich die Moxa-Kugel an und halte sie mit etwas Abstand an die betroffene Stelle“, sagt Johanna Kübler. „Der Wärmereiz löst die Blockade.“ Hat ein Kalb Durchfall, bekommt es Globuli wie Aconitum, Arsenicum und Nux Vomica. Tritt ein schwer zu behandelnder Fall auf, etwa eine Nabelentzündung beim Kalb, wird Antibiotika eingesetzt. Auch die Hygiene im Stall trägt zur Gesundheit der Kühe bei. So reinigt Patrick Kübler die Liegeboxen zweimal am Tag. Die Einstreu besteht aus Pferdemist, Schilf und Kräutern. „Deshalb riecht es bei uns im Stall oft nach Tee“, sagt er.

Steinmehl gegen Güllegeruch

Damit die Gülle nicht stinkt, verwendet der Landwirt Steinmehl und effektive Mikroorganismen (EM). Der Vorteil ist, dass sie Giftstoffe und Ammoniak in der Gülle binden. „Die Grundkrankheiten der Kühe züchtet man in der Gülle“, sagt er. Seinen Kühen mischt er die EM beim Silieren ins Futter, mindestens einen Liter pro Tonne. Einen weiteren Liter EM pro Kubikmeter rührt er in die Güllegrube. Die Folgen: ein gesunder Pflanzenbestand und gesunde Kühe.

Eigentlich perfekt. Doch die neue Düngeverordnung ab 2025 für Grünland macht alles zunichte. „Die bodennahe und reihenförmige Ausbringung der Gülle ist fatal für uns“, sagt er. „Unsere Kühe fressen dann den eigenen Kot.“ Mit gesundem Grundfutter und Tierwohl wäre es dann vorbei. „Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt.“

Hier gelangst Du zur Online-Bildergalerie des Originalbeitrags.

Den gesamten Beitrag sowie weitere spannenden Beiträge aus den Bereichen Pflanze, Technik, Politik, Managament, Markt und Land und Leben findest Du in der aktuellen Ausgabe der agrarheute.

Cover-agrarheute-Februar-2020

Instagram-LogoFolge uns auch auf Instagram und werde Teil der Hofheld-Community!

Schreibe einen Kommentar