fleisch

Weil ich esse stirbst du

Um Fleisch essen zu können, müssen Tiere sterben. Kann man das mit seinem Gewissen vereinbaren? Gastbloggerin Elisabeth macht sich Gedanken.

Der Mensch ist ein Omnivore, ein Allesfresser. Fleisch ist bei vielen fester Bestandteil des Speiseplans und das war schon immer so. Als Adam und Eva noch nackt durch den Wald huschten, aßen sie es vermutlich auch schon. Bereits in der Steinzeit verzehrte der Mensch in seiner Eigenschaft als Jäger und Sammler Fleisch. Beeren und Pflanzen reichten nicht aus, um den Bedarf an lebensnotwendigen Nährstoffen und Proteinen zu decken.

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Fleisch war schon immer Bestandteil der menschlichen Ernährung. Foto: pixabay

Ich esse, also bin ich

Ich esse Fleisch. Ich esse sogar sehr gerne Fleisch. Mit anderen Worten: Nachts kann es durchaus passieren, dass ich von einem schönen Steak träume. Was mir aber zugegebenermaßen schwer fällt, ist der Gedanke, dass die Kühe in unserem Stall, die wir melken, die ich streichle und die mich mit großen Augen anschauen, später einmal zu meinem Essen verarbeitet werden.

Ich kann mir nicht vorstellen, Vegetarier zu werden. Mit Sicherheit könnte ich zwar auf Fleisch verzichten, aber mir würde dann ein Stück Lebensqualität fehlen. Essen bedeutet für mich Kultur, die ich bewusst genießen möchte.

Aber wenn mir jemand erzählt, dass er aus moralischen Gründen kein Fleisch isst,  kann ich das gut verstehen. Vegetarier und Veganer haben eine schwierige Stellung in der Gesellschaft. Es gibt sie ja auch, diejenigen, die missionieren wollen und alle verteufeln, die Fleisch essen. Oder diejenigen, die den Fleischverzicht nutzen, um im Mittelpunkt zu stehen, da bei Familienfeiern oder beim Essen mit Freunden oft Ausnahmen gemacht werden müssen. Aber die meisten halten einfach ihre Klappe und entscheiden für sich, dass sie es mit sich nicht vereinbaren können, dass ihretwegen Tiere sterben müssen. Dagegen kann man ja wohl nichts sagen. Jeder Mensch hat schließlich das Recht, das zu essen, was er möchte.

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Jeder nach seinem Gusto. Foto: pixabay

Dass der Akt des Tötens für keinen normalen Menschen etwas Schönes darstellt, ist klar. Der Beruf des Metzgers hat ein großes Imageproblem. Viele halten Metzger für herzlose Killer, die ohne mit der Wimper zu zucken, im Akkord Leben vernichten. Tatsächlich lernen sie in ihrer Ausbildung aber, das Tier zu schätzen und es auf die schonendste Art zu töten, um es in qualitativ hochwertige Lebenmittel zu veredeln. Schwarze Schafe gibt es überall, so natürlich auch in dieser Branche. Das ist aber nicht die Regel. Schlachthöfe, gut ausgebildete Fleischer und eine tierproduzierende Landwirtschaft sind nötig, um die Gesellschaft zu ernähren.

Ganz schön viel Meinung für so wenig Ahnung

Das Problem ist doch, dass der Verbraucher oft sein Schnitzel oder seinen Braten auf dem eigenen Teller nicht mit den Tieren, den Metzgern und den Schlachthöfen in Verbindung bringt. Wenn das Tier in Form von Wurst- und Fleischwaren in der Theke ausliegt, hat es bereits jegliche Ähnlichkeit mit süßen Kälbchen und Schweinen verloren. Viele, die schimpfen und gegen Massentierhaltung wettern, konsumieren aber trotzdem genau die daraus entstehenden Produkte und haben dann an der Kühltheke plötzlich kein Problem mehr damit. Hauptsache billig.

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Eine Frage des Gewissens

Im Studium mussten wir in Anatomie unter fachlicher Aufsicht selbst ein Tier töten und sezieren. Keiner wurde dazu gezwungen und es gab dann auch Kommilitonen, die beim Tötungsakt nicht im Raum anwesend sein wollten.

Ich habe ein Huhn und einen Hasen getötet. Ich sage das nicht, weil ich stolz darauf bin. Mir hat das wirklich leid getan und ich muss gestehen, dass ich danach eine zeitlang kein Fleisch brauchte. Ich habe mir auch freiwillig angesehen, wie ein Schwein geschlachtet wird. Ich wollte wissen, ob ich es aushalte und verantworten kann, wenn wegen mir ein Tier stirbt.

Was habe ich daraus gelernt? Ja, ich kann es verantworten und ich werde weiterhin Fleisch essen. Aber mir ist bewusst geworden, welchen Wert das Essen auf meinem Teller hat. „So ist das Leben“ heißt es immer und ich finde, dass das stimmt. Es existiert eine Nahrungskette und in diese ist der Mensch, genau wie auch alle anderen Lebewesen, eingegliedert. Im Unterschied zum Tier können wir uns aber Gedanken über unsere Lebensweise machen und dementsprechend Alternativen wählen. Jeder muss am Ende selbst entscheiden, was er für richtig hält.

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Essen ist Luxus. Foto: pixabay

Wenn ich esse, dann esse ich bewusst. Die Herkunft von Lebensmitteln ist mir wichtig. Genießen hat immer etwas mit Luxus zu tun und Luxus bedeutet für mich in dem Fall, dass ich in Maßen konsumiere und somit wertschätze. Eine ausgewogene Ernährung sollte oberste Priorität besitzen. Man muss nicht an sieben Tagen die Woche, morgens, mittags und abends Fleisch essen. Das ist auch für die Gesundheit schädlich – Gicht macht, glaube ich, keinen Spaß.

Man kann alles vom Tier verwerten. Im Supermarkt sind wir es gewohnt, dass zu jedem Zeitpunkt alles verfügbar ist. Wir wollen nur das Beste vom Tier: Filet, Entrecôte usw. Da ein Tier aber nicht nur daraus besteht, müssen dementsprechend viele geschlachtet werden. Und so muss leider auch oft der ungeliebte Rest weggeworfen werden. Aber man kann auch aus den anderen Teilen wunderbare Gerichte zaubern.

Man sollte im Supermarkt nicht das billigste Hackfleisch aus dem Kühlregal kaufen. Man soll zum Metzger fahren und regionales Fleisch kaufen, damit unterstützt man im Übrigen auch den Einzelhandel. Wenn man sich das nicht leisten kann: Man braucht nicht fünfmal pro Woche ein Schnitzel. Wenn der Verzicht schwer fällt, hilft ja vielleicht der Gedanke an süße kleine Ferkel gegen die Fleischsucht.

Lasst uns nachdenken bevor wir essen. Wenn wir Fleisch oder Fisch zu uns nehmen, muss uns bewusst sein, dass hierfür Lebewesen sterben. Das muss man schätzen und das darf dann auch ruhig etwas mehr kosten.

 

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