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Katrin und Christoph haben vor ein paar Jahren ihren Betrieb Wagyu Sauerland gegründet und dafür den Newbie-Award für Hofnachfolge und Neugründungen bekommen. Mara hat Katrin auf den Zahn gefühlt, wie das mit der Hofgründung lief und welche Tipps sie hat.

Wagyu Sauerland: So gründeten Katrin und Christoph ihren Betrieb

Katrin und Christoph haben vor ein paar Jahren ihren Betrieb Wagyu Sauerland gegründet und dafür den Newbie-Award für Hofnachfolge und Neugründungen bekommen. Mara hat Katrin auf den Zahn gefühlt, wie das mit der Hofgründung lief und welche Tipps sie hat.

Mara, die stellvertretende Bundesvorsitzende des BDL.

Mara, die stellvertretende Bundesvorsitzende des BDL.

Liebe Hofhelden!

Wir als Bund der Deutschen Landjugend sind auch Teil des Newbie-Projektes. Ich habe Euch schon öfter davon berichtet, es geht um Hofnachfolge und Neugründungen und das Projekt ist europaweit aufgestellt. Hierbei verleihen wir auch den Newbie-Award. Der Award des Jahres 2019 wurde, durch Corona leider erst später, erst Anfang 2021 beim Online-IGW-Junglandwirtekongress verliehen.

Da ich Katrin Schütz und Christoph Willeke schon länger folge (sie waren 2019 auch im Finale des Ceres-Awards in der Kategorie Geschäftsidee), habe ich die Chance nun gern genutzt und Katrin zum Online-Interview gebeten. Dabei liegt der Fokus auf der Neugründung eines landwirtschaftlichen Betriebs.

Liebe Katrin, kannst Du uns bitte alle abholen, wie Ihr zu Eurem heutigen Betrieb kamt?

Die Idee, Wagyu-Rinder zu züchten, entstand während Christophs Erntehelferjobs in Australien, wo er die Tiere kennenlernte und erfuhr: Wagyubeef ist mit seiner einzigartigen Marmorierung das beste Fleisch der Welt. Wieder im Sauerland stand fest: Wir züchten Wagyu-Rinder! Im Sommer 2018 kamen dann die ersten Tiere auf die Welt, zu Beginn konnten wir Altstallgebäude von Christophs elterlichem Milchvieh-Betrieb nutzen. Der Betrieb wird von seinem Vater und seinem älteren Bruder geführt. Nach einem halben Jahr starteten wir die Hofsuche und bekamen über einen Zeitungsartikel, in welchem wir u.a. von unserer Hofsuche erzählten, ein Angebot. Im Oktober 2019 haben wir den Betrieb dann gepachtet mit Wohnhaus, Gebäuden und 30 Hektar Fläche. Langfristig suchen wir einen eigenen Betrieb.

Gab es für Euch einen ausschlaggebenden Moment, in welchem Ihr Euch für ein eigenes Business und die Selbstständigkeit entschieden habt?

Nach dem ersten Fleischverkauf, noch auf dem elterlichen Betrieb von Christoph, hat sich herauskristiallisiert, dass wir großen Spaß haben, unser erzeugtes Produkt zu vermarkten. Die positive Resonanz hat uns gleich zu Anfang motiviert weiter, zu machen. Gleichzeitig haben wir uns dazu entschieden, nebenberuflich zu starten. Gerade der eigene Hof hat uns viel Unabhängigkeit geschenkt und wir sind sehr glücklich, unser eigenes Ding zu machen.

War es für Euch am Anfang schwierig, z.B. einen Schlachter zu finden?

Genau, da wir nun eine Stunde von Christophs Heimat weg sind, mussten wir uns neue Strukturen aufbauen und zum Beispiel einen neuen Lohnunternehmer und Metzger finden. Da wir viele japanische Cuts machen, kennt sich der Standard-Metzger hier nicht so gut aus und wir mussten viel testen. In der Heimat kennt man die Kollegen, das fiel hier weg. Christoph kommt durch seinen Job als Rinderzüchter der Firma PrismaGen und Wagyu.DE aber viel rum und wusste so, welche Kollegen man um Rat fragen kann.

Wie war es mit den direkten Landwirten in der Umgebung?

Wir sind in einer totalen Alleinlage, der Nachbar ist rund einen Kilometer weg. Er hält auch Rinder und war hilfsbereit und offen. Gleich sechs Monate nach unserem Start hier begann Corona und so konnten wir uns noch nicht so ins Vereinsleben einbringen, wie wir das dachten. Da wir viel über Instagram machen, kennen uns die Kollegen schon und wenn man sich dann besucht, weiß man schon etwas übereinander.
Katrin und Christoph haben vor ein paar Jahren ihren Betrieb Wagyu Sauerland gegründet und dafür den Newbie-Award für Hofnachfolge und Neugründungen bekommen. Mara hat Katrin auf den Zahn gefühlt, wie das mit der Hofgründung lief und welche Tipps sie hat.

Christoph und Katrin sind mit Herzblut Wagyu-Züchter. Foto: Kirsten Gierse-Westermeier

Welche Herausforderungen, auch unerwartet, gab es bei Euch bei der Suche nach einer Hofstelle?

Der Ablauf der Pacht war bei uns relativ problemlos. Die Ausstattung mit Maschinen und die Renovierung der Gebäude war für uns die Herausforderung, da wir früher die Maschinen von Christophs Eltern mitnutzen konnten und die Ställe ja komplett vorhanden waren. Je länger man nachdenkt, desto mehr muss angeschafft werden: Trecker, Anbaugeräte, Tränken, Gitter, … . Das haben wir dann peu a peu gemacht, aber man unterschätzt es schon. Die Buchhaltung für die Landwirtschaft und das Fleischgewerbe war auch neu, aber man lernt unglaublich viel einfach beim Machen.

Habt Ihr Euch bei Geräten, die man selten benötigt, dann auch für Lohnunternehmer entschieden?

Christoph ist nicht so treckerbegeistert, sodass wir viel von Lohnunternehmern machen lassen. Das passt gut für uns und wir können uns auf die Wagyu-Zucht und Fleischvermarktung konzentrieren.

Welche Pläne habt Ihr für die kommenden fünf Jahre?

Unser neuer Onlineshop ist Anfang März online gegangen, das war das erste Projekt für 2021. Dazu wollen wir ein weiteres Unternehmen gründen, welches Wagyu-Genetik vertreibt, Embryonen und Zuchttiere, und Beratung für Neueinsteiger in die Wagyu-Zucht anbietet. Außerdem sollunsere eigene Herde auf 200 Tiere wachsen. Hier sind wir auch auf der Suche nach einem Mitarbeiter, also wenn jemand von euch jemanden kennt… Wir würden gern auch im Winter-Tasting-Events anbieten, dazu brauchen wir die passenden Räumlichkeiten am Hof, vielleicht auch mit Übernachtung.

Ihr habt in den zweieinhalb Jahren viel aufgebaut. Wie haltet Ihr es mit dem Ausgleich von Arbeit und Privatleben?

Das Wichtigste: Wagyu Sauerland gibt uns sehr viel Freiheit. Wir lieben es, selbstbestimmt arbeiten zu können. Wir haben beide sehr viel Leidenschaft für das ganze Thema Wagyu, deshalb fühlt es sich die meiste Zeit nicht nach Arbeit an. Gleichzeitig hat jeder seinen eigenen Bereich. Christoph hat sehr viel Spaß an der Wagyu-Zucht, ich am Marketing, auch die Stallarbeit haben wir uns aufgeteilt, das kann man gut planen und jeder hat feste Tage. Und die Arbeit draußen ist der perfekte Ausgleich zum Büro. Wir machen viel zusammen, reden über unsere Zukunftspläne und machen jeden Montag ein Wochen-Meeting, in dem wir die nächsten Aufgaben planen. Genauso wichtig sind uns der Austausch mit Berufskollegen und Züchterreisen in die ganze Welt, um immer wieder neue Ideen zu erhalten und mit anderen im Gespräch zu bleiben. Seit kurzem haben wir einen Hundewelpen, der auch immer wieder Pausen fordert, das ist gut.

Was würdet Ihr anderen jungen, motivierten Menschen mitgeben, die auch eine Neugründung planen?

Was bei uns gut war: Einfach im Kleinen starten, ohne jahrelang darüber nachzudenken! Vielleicht auch nebenberuflich anfangen, dann ist der Druck raus. Dabei immer prüfen, ob es einem Spaß macht und den Perfektionismus etwas hintenanstellen. Wenn es dann mal kompliziert wird, trotzdem dranbleiben. Manche Fehler korrigieren einen auch auf dem Weg. Für unser Unternehmen war es auch gut, dass wir das zusammen aufgebaut haben, denn Christoph hat andere Stärken als ich, teilt aber trotzdem dieselbe Leidenschaft zu den Wagyu-Rindern und dem Unternehmertum mit mir, was sich super ergänzt.

Liebe Katrin, herzlichen Dank für das Interview und euch weiterhin viel Erfolg! Solcher Austausch inspiriert mich selbst immer wieder und so kann man auch für den eigenen Betrieb neue Ideen entwickeln.

Viele Grüße & bis bald,

Mara

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