Neben der Windenergie setzt der Landwirt noch auf Schweinemast. Quelle Ledényi

Vollgas mit Windenergie

Tobias Roeren-Wiemers betreibt einen Schweinemastbetrieb in Lichtenau. Entwicklungsmöglichkeiten sah er schon während des Studiums im Einstieg in die Windenergie. Heute betreibt er elf Windräder.

Wer auf dem Weg nach Lichtenau durch die Region rund um Paderborn fährt, merkt schnell: Hier ist eine windreiche Ecke. Viele Windräder zeugen vom Potenzial, dass diese hügelige Landschaft bietet. Das hat Tobias Roeren-Wiemers erkannt. Er suchte nach einer Entwicklungsmöglichkeit für den Betrieb – schon während des Studiums der Agrarwissenschaften in Göttingen.
Was liegt da näher als ebenfalls Windkraft­räder zu bauen? Doch wie? Alleine wollte und konnte er es nicht stemmen. Die Investitionssumme übersteigt die Finanzkraft eines Landwirts in der Regel um ein Vielfaches. Also setzte er sich mit sechs weiteren gleichgesinnten Landwirten der Region zusammen und gründete im Jahr 2011 eine Planungsgruppe. Der Anfang war gemacht.

Am Schreibtisch findet mittlerweile auch ein Großteil seiner Arbeit statt. Quelle: Ledényi

Am Schreibtisch findet mittlerweile auch ein Großteil seiner Arbeit statt. Quelle: Ledényi

Selbst geplant

Andere hätten ein Planungsbüro mit der konkreten Planung beauftragt, doch Tobias Roeren-Wiemers, der den Ceres Award in der Kategorie Energie 2017 gewann, wollte die Fäden selbst in der Hand halten. Also wurden Informationen gesammelt und abgewogen. Beim Anlagenbauer Enercon traf man auf offen Ohren. Deren Planer haben eng mit den Landwirten zusammengearbeitet und mit Rat und Tat geholfen. So ist es nicht verwunderlich, das heute elf Windkraftanlagen der Firma Enercon auf der rund 260 ha großen überplanten Fläche Wind ernten.
Die Wertschöpfung des Windparks sollte in der Region bleiben. Deshalb waren sich die Initiatoren der Planungsgruppe schnell einig, die Windkrafträder in einem Bürgerwindpark zu betreiben. So erreichten die Landwirte eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Gegenwind gab es nur sehr wenig. Im Gegenteil, viele Mitbürger wollten sich finanziell an dem Projekt beteiligen.
Die elf Windenergieanlagen des Bürgerwindparks werden heute von insgesamt drei Betreibergesellschaften betrieben. Fünf Windenergieanlagen betreibt die Bürgerwind-Buchgarten GmbH & Co. KG, weitere fünf verwaltet die Lichtenauer Bürgerwind GmbH & Co. KG. Eine Anlage wird von der Energiegenossenschaft Paderborner Land getragen. Die Bürger konnten sich in Form von Genossenschaftsanteilen oder als Kommanditisten an dem Windpark beteiligen.

Tobias Roeren-Wiemers ist 30 Jahre alt, verheiratet und hat in Göttingen Agrarwissenschaften studiert. Quelle: Ledényi

Tobias Roeren-Wiemers ist 30 Jahre alt, verheiratet und hat in Göttingen Agrarwissenschaften studiert. Quelle: Ledényi

Viele Bürger – ein Park

204 Bürger brachten die notwendigen 5,5 Mio. Euro Eigenkapital als Kommanditisten für die Beteiligungsgesellschaft auf. Das ist im Durchschnitt eine Investition von rund 27.000 Euro pro Kommanditisten. Insgesamt wurde die Beteiligung dreimal überzeichnet, sodass sich die Bürger mit weniger Geld beteiligen konnten als ursprünglich geplant. Tobias Roeren-Wiemers erklärt: „Wir wollten alle mitnehmen und haben deshalb die Beteiligungswünsche eingekürzt.“
Weitere 180 Bürger wurden Genossen der Energiegenossenschaft Paderborner Land.
Somit hatten auch weniger finanzkräftige Bürger die Möglichkeit, sich zu beteiligen. Der Windpark mit elf Windenergieanlagen wird somit von fast 400 ortsansässigen Bürgern getragen und wurde so auf eine breite Basis gestellt.

Neben seinem Bruder , der neben Schnittblumen zum Selberschneiden noch einen Betrieb mit Legehennen und Selbstvermarktung übernommen hat, arbeiten noch Markus Tegethoff (links) und Stefan Blömeke auf dem Betrieb. Quelle: Ledényi

Neben seinem Bruder , der neben Schnittblumen zum Selberschneiden noch einen Betrieb mit Legehennen und Selbstvermarktung übernommen hat, arbeiten noch Markus Tegethoff (links) und Stefan Blömeke auf dem Betrieb. Quelle: Ledényi

Elf Windräder – zwei lokale Banken

Von der ersten Planung im Jahr 2011 bis zur Fertigstellung des letzten Windrads im September 2016 wurden rund 59 Mio. Euro investiert. Finanziert wurde der Windpark von der lokalen Sparkasse und der Volksbank. Deren Mitarbeiter stellten die Finanzierung der elf Windräder auf eine solide Basis. Auch hier konnte das Projektteam um Tobias Roeren-Wimers auf das Fachwissen der Bänker zurückgreifen.
Der Bürgerwindpark sollte allen Bürgern der Gemeinde Lichtenau zugutekommen. Deshalb wurde eine Bürger- und Energiestiftung gegründet. Sie erhält aus dem Bürgerwindpark und allen weiteren Windkraftbetreibern der Stadt Lichtenau jährlich einen sechsstelligen Betrag, um ehrenamtliche, kulturelle und soziale Projekte in der rund 11.000 Einwohner umfassenden Gemeinde mit 15 Ortsteilen zu fördern.
Heute verwaltet Tobias Roeren-Wiemers zusammen mit Andreas Dreier als Geschäftsführer den Windpark. Alle elf Windenergieanlagen werden gemeinsam betrieben und die Kosten gleichmäßig verteilt. Auch die Stromerträge werden in diesem Pool verwaltet und verteilt. In den ersten beiden Betriebsjahren konnten alle Zielwerte erreicht werden.

Ständig im Gespräch, wissen was wo passiert, anpacken - der Landwirt zwischen Windpark und Betrieb. Quelle: Ledényi

Ständig im Gespräch, wissen was wo passiert, anpacken – der Landwirt zwischen Windpark und Betrieb. Quelle: Ledényi

Betrieb im Aufwind

Aber auch der landwirtschaftliche Betrieb wurde seit der Übernahme im Jahr 2013 weiter­entwickelt: So sparen Frequenzumrichter in den Schweineställen mit rund 2.200 Plätzen jährlich über 15.000 kWh ein. Die Mast steht ganz im Zeichen der Initiative Tierwohl. Für den Eigenverbrauch stehen mittlerweile 160 kWp Fotovoltaikleistung zur Verfügung, eine neue Getreide- und Maschinenhalle wurde fertig gestellt und zusammen mit seinem Bruder baut Roeren-Wimers einen weiteren Betrieb mit Schnittblumenanbau zum Selberpflücken auf. Neue Projekte sind die Übernahme eines Legehennenbetriebes mit Direktvermarktung und der Einstieg in die Vermarktung eigener Wurstwaren. So weht immer ein frischer Wind auf dem Betrieb.

 

 

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