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Darf ich mit dem Trecker den Partyanhänger ziehen?

Schlepper sind für alle möglichen Fahrten im Einsatz und nicht immer für die Landwirtschaft. Doch passen dann noch die Führerscheine der Klassen L und T?

Originalbeitrag von Martin Vaupel für agrarheute.

Mit dem Traktor zur Schule oder den Getränkeanhänger für die Geburtstagsfeier ziehen – Schlepper werden für alle möglichen Fahrten eingesetzt. Was die wenigsten dabei beachten: Nur für land- und forstwirtschaftliche (lof-)Zwecke gelten die Fahrerlaubnisklassen L und T. Wir zeigen, welche das sind und welche Ausnahmen es gibt.

Zweck ist entscheidend

Was als lof-Zweck gilt, ist in der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) geregelt. Sie beschreibt (in §6 Absatz 5) sieben Bereiche, in denen mit den Klassen L und T gefahren werden darf. Welche das sind, zeigt der Kasten „Das gilt als lof-Zweck“.

Dabei hat der „Betrieb von Landwirtschaft“ (erster Punkt) die größte Bedeutung. Darunter sind alle Fahrten zu verstehen, die im Zusammenhang mit dem lof-Betrieb stehen. Beispielsweise fallen Fahrten mit der Drillmaschine, dem Güllefass oder dem Ladewagen darunter, aber auch solche, die im Rahmen der Unterhaltung und betrieblichen Entwicklung des lof-Betriebs unternommen werden. Beispielsweise ist das der Transport von Baumaterialien für den Bau von Ställen oder einer neuen Maschinenhalle.

Vergleichbar verhält es sich bei Lohnunternehmen (vierter Punkt). Der „Betrieb von Lohnunternehmen“ umfasst nicht nur die Fahrten, die einem direkten Auftrag von einem lof-Betrieb dienen. Auch Fahrten zur Landtechnikwerkstatt oder andere inner-betriebliche Fahrten sind mit den Klassen L und T möglich.

Die Pflege von Böschungen gilt als lof-Zweck. Die Führerscheinklasse L oder T reicht aus. Quelle: Vaupel

Kennzeichenfarbe egal

Ob die Fahrzeuge nun ein grünes oder schwarzes Kennzeichen haben, ist für die Fahrerlaubnis nicht von Belang. Ebenso ist es unerheblich, ob eine Fahrt nach dem Güter-Kraftverkehrsgesetz (GüKG) erlaubnispflichtig ist. Was ausschlaggebend ist: die Einhaltung der lof-Zwecke.

Beispielsweise sind Transporte von Silomais vom Acker zur gewerblichen Biogasanlage oder Gärreste von der gewerblichen Biogasanlage zum Acker mit den Klassen L oder T möglich (Schreiben Bundesverkehrsministerium vom 28. Juli 2009). Hier müssen Sie aufpassen: Andere gewerbliche Transporte, wie beispielsweise die Beförderung von Erde, Sand oder Baumaterialien für einen Bauunternehmer, sind keine lof-Zwecke. Somit ist dann die Führerscheinklasse C/CE erforderlich.

Letzte Rettung: Ausnahmen

Neben den lof-Zwecken gibt es Ausnahmen. Für folgende Tätigkeiten reichen die Führerscheinklassen L und T aus:

  • örtliche Brauchtumsveranstaltungen,
  • nicht gewerbsmäßig durchgeführte Altmaterialsammlungen (Altpapier, Weihnachtsbäume) oder Landschaftssäuberungsaktionen,
  • Feuerwehreinsätze oder -übungen,
  • Feldgeschworene im Rahmen ihrer Tätigkeit (neu seit November 2018),
  • An- oder Abfahrten zu und von den genannten Einsätzen und Aktionen.

Gilt weder ein lof-Zweck noch einer dieser Ausnahmen, dürfen Traktoren nicht mit den Klassen L und T gefahren werden. Dann sind je nach Fahrzeugtyp und Gewicht die Klasse B, BE, C1, C1E, C und CE erforderlich.

Bei den Toilettenwagen kommt es auf die Veranstaltung an und könnte zu den Ausnahmen gehören. Quelle: Vaupel

Das gilt als Lof-Zweck

Unter land- oder forstwirtschaftliche Zwecke im Rahmen der Fahrerlaubnis der Klassen L und T fallen laut §6 Absatz 5 FeV:

  1. Betrieb von Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Weinbau, Gartenbau, Obstbau, Gemüsebau, Baumschulen, Tierzucht, Tierhaltung, Fischzucht, Teichwirtschaft, Fischerei, Imkerei, Jagd sowie den Zielen des Natur- und Umweltschutzes dienende Landschaftspflege,
  2. Park-, Garten-, Böschungs- und Friedhofspflege,
  3. landwirtschaftliche Nebenerwerbstätigkeit und Nachbarschaftshilfe von Landwirten,
  4. Betrieb von land- und forstwirtschaftlichen Lohnunternehmen und andere überbetriebliche Maschinenverwendung,
  5. Betrieb von Unternehmen, die unmittelbar der Sicherung, Überwachung und Förderung der Landwirtschaft überwiegend dienen,
  6. Betrieb von Werkstätten zur Reparatur, Wartung und Prüfung von Fahrzeugen sowie Probefahrten der Hersteller von Fahrzeugen, die jeweils im Rahmen der Nummern 1 bis 5 eingesetzt werden,
  7. Winterdienst.

Der Kneipenschnack zum Thema Treckerführerschein

Auf der Agritechnica haben Martin Vaupel, der Führerschein-Fachmann und Anneke von Hofheld auf der Bar für einen kurzen Kneipenschnack Platz genommen. Thema war Führerscheine, ihre Zulassungen, die größten Fehler und die am häufigsten gestellten Fragen zu diesem Thema.

Weitere spannenden Beiträge aus den Bereichen Pflanze, Technik, Politik, Management, Markt und Land und Leben findest Du in der aktuellen Ausgabe der agrarheute.

Cover-agrarheute-Dezember-2019

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