Mobilstall für Schweine

Klein, fein und immer dabei – Tiny-Häuser sind beliebt, denn sie bieten überall ein voll ausgestattetes Heim. Peer Sachteleben bietet diesen Komfort seinen Schweinen. Mit mobilen Ställen haben seine Schweine in der Freilandhaltung immer einen vollwertigen Stall im Gepäck.

Perfekt ausgestattet auf wenigen Quadratmetern leben – Tiny-Häuser, kleine mobile Eigenheime, sind derzeit voll im Trend. Immer mehr Menschen begeistert die Vorstellung, an verschiedenen Orten leben zu können und dabei die eigenen vier Wände immer mit im Gepäck zu haben.

Auch auf dem Hof von Peer Sachte­leben findet sich diese Lebensart. Allerdings wohnt der 25-Jährige mit seiner Familie nicht selbst in einem solchen mobilen Eigenheim, sondern bietet diesen Komfort seinen Schweinen. Seit gut eineinhalb Jahren hält der Landwirt aus Osnabrück Schweine in Mobilställen. Bei der Entwicklung und dem Bau dieser Ställe war es ihm wichtig, die Freilandhaltung von Schweinen tiergerecht und arbeitswirtschaftlich umzusetzen.

Die Idee für die Mobilställe kam Peer Sachteleben in seinem ersten Studienjahr. Damals studierte er ökologische Landwirtschaft in Witzenhausen. Quelle: Eberstein

Pläne umsetzen

Die Idee kam Peer Sachteleben in seinem ersten Studienjahr. Damals studierte er ökologische Landwirtschaft in Witzenhausen. „Bereits zuvor, während meiner landwirtschaftlichen Ausbildung, konnte ich Erfahrungen mit der Freilandhaltung von Schweinen sammeln“, sagt er. „Allerdings traten dabei immer wieder Probleme mit der Arbeitswirtschaft auf.“

Nach seinem Studienabschluss und einem Auslandsjahr fasste Peer Sachteleben den Entschluss, seinen Traum von der eigenen Schweinehaltung in die Tat umzusetzen. „Ich zog zurück ins Osnabrücker Land auf den Hof meiner Familie.“ Hier richtete er einen Hofladen ein, begann die Schweine aus der Hobbyhaltung direkt zu vermarkten und nahm im Herbst 2017 die verpachteten 34 ha Ackerfläche zurück. Damit legte er den Grundstein für die Betriebsgründung im Jahr 2018.

Für die mobilen Schweineställe erhielt Peer Sachteleben den Innovationspreis der Initiative Tierwohl. Quelle: Eberstein

Gleichzeitig arbeitete er an einem Konzept, die Schweinehaltung auf dem Hof zu verbessern. Hierbei bekam er Unterstützung von seinem Vater, der von Beruf Grafik- und Produktdesigner ist. „Unsere Grundidee für die neuen Ställe war ein fahrbares Gestell, das ohne Probleme auf der Straße bewegt werden kann und den Schweinen im Inneren möglichst viel Platz und Komfort bietet“, erklärt Peer Sachteleben.

Heraus kam ein etwa 3 m breiter und 5 m langer mobiler Stall. Aufgrund des Nährstoffmanagements wird er etwa alle vier Wochen auf den Ackerflächen versetzt. „Nach diesem Bauplan errichteten wir die ersten vier Mobilställe, in die wir im Herbst 2017 die ersten tragenden Bunte-Bentheimer-Sauen aufstallten.“

Die Mobilställe bieten den Tieren 15 m2 Platz und erfüllen damit Biostandard. Die Sauen haben mit ihren Ferkeln am Tag ständig Zugang zu einem eingezäunten Auslauf. Quelle: Eberstein

Kompletter Stall im Gepäck

Mittlerweile hat Peer Sachteleben in elf Ställen Schweine untergebracht. „Wir haben vor dem Bau des ersten Schweinemobils überlegt, spezielle Wagen für die Sauen mit Ferkeln und andere für die Aufzuchtferkel und Mastschweine zu bauen“, erinnert er sich. Effizienter sei jedoch die jetzige Lösung. Die Mobile sind nun für ferkelführende Sauen und Mastschweine vielseitig einsetzbar und können als eigenständige Ställe genutzt werden. „Das war für die Genehmigung wichtig. Ich muss meinen Tieren jederzeit einen vollwertigen Stall zur Verfügung stellen können, der auch unabhängig von einem Auslauf genutzt werden kann“, sagt Peer Sachteleben, während er über eine kleine Rampe den Stall betritt. Alle Ställe sind so mit dem Auslauf verbunden.

15 m² Platz bietet der Stall einer Sau und ihren Ferkeln und erfüllt damit Biostandard, ohne dass der Auslauf im Freien genutzt werden muss. Im Vorraum des Stalls sind der Trog mit integriertem Futtervorratsbehälter und die Tränke untergebracht. Abgetrennt durch eine Wand befindet sich auf der rechten Seite des Mobils die Liegefläche, die auch als Abferkelraum dient. Über etwa einem Drittel der Liegefläche ist der Wassertank aufgehängt. „Er bildet hier eine Art Zwischendecke, wodurch ein besseres Mikroklima entsteht. So heizt sich der Stall im Winter dank der Körperwärme der Tiere auch bei strengem Frost auf etwa 27 °C auf“, erklärt der Landwirt. „Unter dem Tank haben wir daher auch das Ferkelnest platziert, das wir zum Liegebereich der Sau mit Brettern abgetrennt haben. So entsteht für die Jungtiere ein optimaler Unterschlupf.“

Über eine Rampe gelangen die Schweine aus dem Stall in den Auslauf. Quelle: Eberstein

Der Wassertank reicht bei Mastschweinen für etwa zehn Tage. Der Futtervorratsbehälter hat ein Volumen von 3 m³, sodass Peer Sachteleben hier Futter für etwa vier Wochen lagern kann.

An einer Längsseite des Mobils befinden sich im unteren Bereich Mistklappen, durch die der Landwirt bei Bedarf das verbrauchte Stroh hinausschieben kann. „Da die Tiere ihren Kotplatz draußen im Auslauf einrichten, bleibt der Stall innen eigentlich immer sauber und trocken, sodass ich nur alle 10 bis 14 Tage nach Bedarf nachstreuen muss“, sagt er. Nur bei Absetzferkeln muss er in den ersten Wochen darauf achten, dass im Stall keine Kotecken entstehen, und regelmäßig misten.

Von Geburt bis Mastende

Eine Woche vor dem Abferkeln stallt Peer Sachteleben die jeweilige Sau gewaschen und entwurmt in ein Mobil. Die Liegefläche verfügt zum Schutz der Ferkel über Abweisstangen und ein abgetrenntes Ferkelnest. „Nach der Geburt achte ich sehr darauf, dass alle Jungtiere zunächst ins Ferkelnest gelangen. Sollte dies nicht der Fall sein, helfe ich nach und setze die Tiere in den Unterschlupf. Wenn sie diesen einmal kennengelernt haben, nutzen sie ihn während der späteren Säugezeit von allein“, sagt er.

Der Stall verfügt über eine abgetrennte Liegefläche mit Ferkelnest. Abweisstangen sollen die Erdrückungsverluste minimieren. Quelle: Eberstein

Nach acht Wochen Säugezeit nimmt er die Sau aus dem Wurf heraus und bringt sie in die Gruppe der güsten Sauen, in der auch ein Zuchteber mitläuft. Die nun abgesetzten Ferkel bleiben in dem Stall und werden dort im Wurfverband bis zum Erreichen des Schlachtgewichts gemästet. „Die männlichen Ferkel kastriere ich nicht und belasse die Eber auch bis zum Mastende bei den Wurfgeschwistern“, sagt er. Damit es hier keine Probleme gibt, schlachtet er diese Tiere aber möglichst früh mit etwa 80 kg.

Alles aus einer Hand

Alle zwei Wochen lässt Peer Sachteleben zwei bis drei Schweine bei einem regionalen Metzger schlachten und zu Wurst und Teilstücken verarbeiten. Die Produkte verkauft er über den eigenen Betrieb und in kooperierenden Hofläden in der Umgebung. „Außerdem haben wir seit letztem März einen Onlineshop, über den wir unsere Produkte vertreiben“, sagt Peer Sachteleben.

„An Supermärkte richte ich mich aber bewusst nicht. Ich muss aufgrund der Haltung meine Produkte teurer anbieten und das funktioniert nur in der Direktvermarktung – ohne Zwischenhändler, die die Waren unnötig verteuern“, ist er überzeugt.

Der Wassertank über der Liegefläche dient hier auch als Zwischendecke. Quelle: Eberstein

Dank der mobilen Ställe kann Peer Sachteleben mit seinem Markt mitwachsen. „Da ich die Ställe selbst baue, bin ich von niemandem abhängig.“ Die nächsten drei Ställe sind bereits geplant und sollen noch dieses Jahr in Betrieb genommen werden. Damit bin ich sowohl mit meiner Vermarktung als auch mit meinem Flächenmanagement gut aufgestellt“, erklärt Peer Sachteleben.

Auf seinen 34 ha baut er Futtergetreide und Ackerbohnen für die Schweine an. „Ziel ist es, damit ab der kommenden Ernte in diesem Sommer das Futter auf dem Betrieb selbst zu mischen“, sagt er. Außerdem sollen die Mobilställe auf allen Ackerflächen so rotieren, dass ein Stall nur einmal im Jahr auf der gleichen Fläche steht. „Dafür liegt noch einiges an Arbeit vor mir. Bis jetzt habe ich nur einen Teil meiner Flächen komplett eingezäunt, der Rest soll in diesem Jahr folgen.“

Auch wenn noch viel Arbeit ansteht – Peer Sachteleben ist zufrieden mit der bisherigen Entwicklung seines Betriebskonzepts. „Ich kann meinen Tieren eine artgerechte Haltung bieten und gleichzeitig Nährstoffe auf meine Flächen bringen.“ Mit seiner Idee wurde er im Frühjahr 2019 mit dem Innovationspreis der Initiative Tierwohl (ITW) ausgezeichnet.

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