Schluss mit Erntestress – so geht`s!

Erntezeit heißt mittlerweile fast immer Hektik. Die Betriebe werden größer, die Zeitfenster kleiner. Mach Dir vorher über Ablauf und Ziele der Ernte Gedanken. Das hilft, die Ernte mit weniger Stress, mehr Qualität, zügiger und zufriedenstellender zu gestalten.

1. Ist mein Lohnunternehmer der Richtige für mich?

Betriebe verändern sich, wachsen oder haben andere Schwerpunkte. Das Gleiche gilt auch für ein Lohnunternehmen. Passt mein Lohnunternehmen noch zu meinem Betrieb? Passt es zwischenmenschlich?

Hat der Dienstleister die nötige Technik, gut gewartete Maschinen, die nötige Schlagkraft und das nötige Personal, um mich richtig zu bedienen? Wie zufrieden bin ich die letzten Jahre gewesen? Diese Fragen sollte man sich von Zeit zu Zeit stellen.

2. Absprachen über die Ernteziele

Miteinander sprechen hilft oft viel – das fängt schon damit an, das Ernteziel ganz klar zu formulieren. Diese Ziele können von Jahr zu Jahr oder auch von Erntetag zu Erntetag variieren. Bei schönstem Wetter gilt wahrscheinlich, maximale Qualität nach Hause zu fahren. Sind die Zeitfenster eng, ist man als Betriebsleiter oft ganz einfach froh, die Ernte überhaupt ins Lager zu bringen.

Bei schönstem Wetter gilt, maximale Qualität nach Hause zu fahren. Quelle: pixabay

3. Verwendung der Ernte

Was passiert mit meinem Getreide nach der Ernte? Auch das sollte kommuniziert werden. Wird es Futtergetreide und kommt es bald zur Verarbeitung? Oder soll der A-Weizen gelagert oder vielleicht sogar überlagert werden. Hören wir bei 15 Prozent Restfeuchte auf? Wird belüftet? Kann getrocknet werden? Habe ich Platz für die ersten Kipper, die ich vielleicht zu Beginn noch mit 17 Prozent Feuchte ernte? Oder liegt dieses Getreide dann ganz hinten oder ganz unten im Silo? Wer sich vorher kurz Gedanken darüber macht, kann Stress vermeiden.

4. Arbeitskontrolle vor der Ernte

Ob die Qualität der Ernte passt, lässt sich vor Ort einfach kontrollieren. Es gibt diverse Gerätschaften, um den Feuchte­gehalt des Getreides sowohl vor der Ernte zu überprüfen: ein Feuchtemessgerät oder ein kleiner akkubetriebene Handdrescher wie beispielsweise der MiniBatt+ von Reichhard.

Einer kleiner akkubetriebener Handdrescher hilft die Erntequalität zu überprüfen. Quelle: Werkbild

5. Arbeitskontrolle während der Ernte

Prüfschalen helfen dabei, Bruchkorn und Verluste festzustellen, um danach die Mähdreschereinstellung zu optimieren.

Mittels Prüfschalen und verschiedener Apps lassen sich die Verluste in Kilogramm pro Hektar berechnen. Wer das einige Male macht, schult sein Auge und kann die Verluste monetär beurteilen.

6. Kontrolle der Strohverteilung

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Strohbehandlung. Hier kommt es darauf an, was nach der Ernte passiert. Oft wird geerntet, wenn das Korn reif und das Stroh noch grün ist. Wenn danach das Pressen ansteht und es das Wetter zulässt, kann es sinnvoll sein, mit der Ernte zu ­warten. Das spart diverse Arbeitsgänge bei der folgenden Strohernte.

Soll das Stroh auf dem Feld verbleiben, ist es wichtig, Spreu und Stroh gleichmäßig zu verteilen, um Strohmatten im Boden zu vermeiden. Folgt im Anschluss eine Direktsaat, ist eine gleichmäßige Strohverteilung zwingend erforderlich.

7. Bietet mein Lohnunternehmer eine Ertragskartierung?

Wenn der Lohnunternehmer eine Ertragskartierung anbietet, stellt sich die Frage: Brauche ich diese? Wer nur die Durchschnittserträge je Schlag benötigt, kann seine Hänger auch über eine Waage ziehen.
Mit einer stichprobenartigen Wiegung lässt sich die Ertragserfassung kontrollieren, denn jede Ertragskartierung muss kalibriert werden. Wer teilflächenspezifisch Düngen will, braucht auch nicht unbedingt eine Ertragskartierung, aber eine Erfolgskontrolle ist ohne genaue Ertragskartierung nicht ­möglich.

Die Abfuhrlogistik kann schon früh geplant werden. Das sorgt für weniger Stress. Quelle: pixabay

8. Plant die Abfuhrlogistik vor der Ernte mit dem Lohnunternehmer

Wer sich vorher 5 Minuten Zeit nimmt, die ­Logistik mit dem Lohnunternehmen detailliert zu besprechen, erspart sich viel Stress: Wie viel Leistung kann er mit dem Mähdrescher schaffen? Wie viele Tonnen Getreide fallen pro Stunde an und was bedeutet das für meine Abfuhr? Habe ich genügend Fahrzeuge? Muss ich Wartezeit am Lagerhaus mit einplanen?

Es schadet nichts, für jeden Schlag die Zufahrt und die Anbaumöglichkeiten für das Schneidwerk vorab zu klären. Hierfür gibt es mittlerweile einige hilfreiche Apps, mit denen die Schläge angezeigt und Punkte markiert werden können. Das Gleiche gilt für die Zufahrtswege. Auch diese können markiert werden. Hinweise auf Hindernisse, wie zu niedrige Unterführungen oder Wohngebiete, nimmt jeder Fahrer dankbar entgegen.

9. Abrechnung vorher definieren: Fläche, Stunden oder Kombitarif?

Scheut Euch nicht ein jährliches Gespräch über die Abrechnung zu führen. Es soll auch Lohnunternehmer geben, die ihre Preise nach der Ernte anpassen. Völlige Klarheit über Netto- und Bruttopreise, die Dieselabrechnung und über die Abrechnung nach Hektar, Stunde oder nach Kombitarif erspart Ihnen unliebsame Überraschungen.

Weitere spannende Informationen findest Du auf agrarheute.com und in der Juniausgabe von agrarheute.

Cover-agrarheute-Juni-2019

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