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Welche Vor- und Nachteile hat eigentlich die Schleppschuhverteilung? Niko stellt die neue Ausbringungstechnik vor und bewertet sie kritisch.

Kabinenquarantäne: Niko macht sich Gedanken übers Güllefahren

Welche Vor- und Nachteile hat eigentlich die Schleppschuhverteilung? Niko hat sich aus aktuellem Anlass damit befasst und bewertet sie kritisch.

Quereinsteiger Niko aus Baden-Württemberg.

Quereinsteiger Niko aus Baden-Württemberg.

Moin, es geht richtig los!

Wie jedes Jahr ging es für mich ca. am 18 März los mit der Gülleausbringung. So unbeständig der Klimawandel das Wetter werden lässt, zu dieser Zeit im März haben wir in den letzten Jahren immer zehn Tage gute Bedingungen für die organische Düngung gehabt.

Anders als in den Jahren zuvor war für mich die Ausbringtechnik am Güllefass, die ich heute mal vorstellen und ihre Vor- und Nachteile ansprechen will. Ich habe die Coronaquarantäne also pflichtbewusst isoliert in meiner Kabine verbracht und dabei sogar noch etwas geschafft.

Politisch bedingte Pflicht

Aufgrund der neuen Düngeverordnung sind Landwirte nun in der Pflicht, ihre Gülle oder Gärreste streifenförmig und nicht mehr breitflächig auszubringen. Das bedeutet, anstelle eines einfachen Möscha- oder Schwanenhalsverteilers, kommt für uns am Güllefass nun nur noch ein Schleppschlauch oder Schleppschuh in Frage. Die neue Technik mindert die gasförmigen Stickstoffverluste nach der Ausbringung, da durch die streifenweise Aufbringung nicht mehr der ganze Boden mit Gärresten bedeckt ist und somit die Kontaktfläche zur Luft vermindert wird.

Der in den organischen Düngern enthaltene Stickstoff liegt zu einem großen Teil in Ammoniumform (NH4+) vor. Unter bestimmten Bedingungen wie zum Beispiel einer höheren Außentemperatur oder hohem pH-Wert der Gülle geht dieses Ammonium in seine gasförmige Form, Ammoniak (NH3+) über und entweicht vom Acker in die Luft. Das stellt dann eine Belastung für Luft und Atmosphäre, sowie einen finanziellen Verlust dar, da uns der entwichene Stickstoff ja auf dem Acker fehlt. Prinzipiell also ein guter Gedanke der Politik, die Ausbringmöglichkeiten auf diese Technologien zu beschränken.

Welche Vor- und Nachteile hat eigentlich die Schleppschuhverteilung? Niko stellt die neue Ausbringungstechnik vor und bewertet sie kritisch.

Diese Grafik zeigt deutlich das Verlustminderungspotential verschiedener Ausbringtechnologien. Ein Scheibeninjektor kommt für unsere Region leider gar nicht in Frage. Vom Preis- Leistungsverhältnis ist Schleppschuh die beste Variante. Foto: Lorenz et al. 2011, entnommen von der Vredo-Website

Leider sind diese tollen Technologien, wie mittlerweile so ziemlich jedes Produktionsmittel in der Landwirtschaft, sehr teuer und eine Investition bei unseren typischen Betriebsgrößen und Güllemengen oftmals fraglich. Für ein Fass, das mit neuester Schleppschuhtechnologie ausgerüstet ist kann man gut und gerne ein kleines Einfamilienhaus bauen. Da muss man auf deutsch gesagt „viel Scheiße fahren bis sich das rechnet“!

Nikolitsch gibt Vollgas

Deshalb wurde für unsere Gärrestkampagne ein Fass gemietet. Wir hatten Glück, dass es genau in der Woche verfügbar war in der wir es brauchten, denn der Ansturm auf die Mietfässer ist natürlich groß. Alle wollen bei trockenen Bedingungen aufs Feld, um keine Schäden zu machen. Deshalb war ich die ganze Woche etwas unter Zeitdruck. Wie der ein oder andere sicher auf Instagram verfolgt hat war ich jeden Tag von früh morgens bis spät in die Nacht auf dem Schlepper. Mittagessen wurde schnell auf dem Feld gemacht und die Raucherpausen auf ein Minimum beschränkt.

Zu groß war der Druck, denn erstens wollte ich die optimalen Bedingungen nutzen um in einer Woche zu schaffen, was in normalen Jahren ca. 8 Tage dauert. Zweitens musste das Fass natürlich so schnell wie möglich zurück zum Lohnunternehmen, damit der nächste Kunde es nutzen kann. Vollgas geben hieß das also für Nikolitsch.

Vor- und Nachteile

Die Arbeitsqualität des Schleppschuhs gefiel mir sehr gut. Auf den lockeren Böden wurden die Gärreste leicht eingearbeitet und dank höherer Fahrgeschwindigkeiten mit etwas Erde bedeckt. Außerdem liegt der Dünger wirklich auf der Erde und wird vom Pflanzenbestand beschattet. In diesem schattigen feuchten Mikroklima, besonders unter den großen Rapsblättern, ist mit deutlich weniger Stickstoffverlusten zu rechnen als bei der herkömmlichen breiten Verteilung.

Zusätzliche positiver Effekt im Getreide ist der mechanische Reiz, den der Schleppschuh auf die Pflanzen ausübt. Einige Triebe werden geknickt und leicht verletzt. Das killt die Pflanzen nicht, sondern regt sie dazu an mehr Triebe zu bilden und üppiger zu wachsen. Das nennt sich „Bestockungsreiz“ und führt zu dichteren Beständen. Nur beim Raps ist Vorsicht geboten, da seine Blätter durchschnitten werden können und damit zerstört sind.

Größter Nachteil der Technik ist ihre Größe und ihr Gewicht. Aufgrund von 15 m breiten Fahrgassen im Getreide muss natürlich auch der Verteiler so breit sein. In anderen Gegenden sicher kein Problem, doch bei unseren teilweise sehr kleinen und verwinkelten Flächen mit vielen Hecken bedeutet das ständig den Verteiler ein- und ausklappen zu müssen um umdrehen zu können oder an Hecken vorbeizufahren.

Das nervt mit der Zeit wirklich sehr! Auch Kurvenfahrten sind mit der Technik nur bedingt möglich, was besonders an Vorgewenden und auf den kleinen Wiesen sehr beschissen ist! Zur schlechten Wendigkeit kommt noch das Gewicht des Verteilers als Nachteil zum Tragen. Da er hinter der Achse des Fasses montiert ist beeinflusst er die Stützlast auf de Hinterachse des Schleppers negativ, hebelt ihn beinahe vom Boden hoch. Das schränkt die Traktion und Hangtauglichkeit sehr ein!

Welche Vor- und Nachteile hat eigentlich die Schleppschuhverteilung? Niko stellt die neue Ausbringungstechnik vor und bewertet sie kritisch.

Bäume am Rand des Ackers zwingen mich immer wieder den Verteiler zum Wenden einzuklappen, das kostet Zeit und Nerven. Foto: privat

Auch die Querverteilung der Gülle ist an unseren teilweise steilen Flächen sehr schlecht zu bewerten. Man sieht deutlich, dass auf der Hangseite des Verteilers weniger Gülle aus den Schläuchen kommt. Das ist für mich definitiv noch nicht die optimale Technologie und ich würde mir von der Politik wünschen, dass es für Teilflächen, besonders verwinkelte, kleine oder steile Flächen einfache Sondergenehmigungen zur Breitflächigen Ausbringung gibt.

Ich habe definitiv kein Verständnis dafür, dass nur kleine Betriebe unter 15 ha Fläche solche Genehmigungen bekommen dürfen! Meiner Meinung nach geht es darum einen möglichst großen Teil der flüssigen organischen Dünger verlustfrei und streifenförmig auszubringen, die gleichmäßige Verteilung der Gülle an Hängen und in Keilen darf durch dieses Vorhaben nicht in den Hintergrund gestellt werden und deshalb sollte es für Einzelflächen Sondergenehmigungen geben.

Ein zweiter Weg wäre es endlich einmal verschiedene Zusatzstoffe für die Gülle zu testen, die das Ammonium binden und somit eine Ausgasung als Ammoniak verhindern. Meiner Meinung nach gibt es hierzu genügend Möglichkeiten, die VOR Beschluss der aktuellen DüVo durch die Wissenschaft hätten erprobt und bewertet werden müssen um vielen Landwirten den Kauf der teuren Technik eventuell zu ersparen!

Trotz allem bin ich sehr zufrieden mit der Ausbringung dieses Jahr! Ich habe in 4 ½ Tagen fast alles geschafft und das Fass unbeschadet zum Lohner zurückbringen können, wo der nächste Landwirt bereits wartete!

Macht´s wie ich, bleibt DAHEIM oder fahrt Gülle, dann kriegen wir Corona rum!

Bis dann, gesund bleiben!

Niko

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