Sanft enthornen

Früh und schonend – das sind die zwei wichtigsten Aspekte beim Enthornen der Kälber. Schritt für Schritt gehen wir mit Euch den Weg von der Sedierung über das Veröden bis zur Wundversorgung.

Originalbeitrag von Anneke Struck, agrarheute.

Aus Verantwortung für Mitarbeiter, sich selbst und auch für die Tiere ist Hornlosigkeit ein guter Weg, um Unfälle und Verletzungen zu vermeiden. In vielen Betrieben wird schon züchterisch auf genetisch hornlos hingearbeitet, doch auf den meisten Höfen ist das Enthornen noch fester Bestandteil im Betriebsablauf. Anhand der Schritt-für-Schritt-Beschreibung können Arbeitsabläufe kontrolliert und optimiert sowie das Enthornen für Mensch und Kalb so schonend wie möglich gestaltet werden.
Wichtig ist zu Beginn: Für mehr Tierwohl dürfen seit 2015 Kälber nicht mehr ohne die Gabe von Sedativa und Schmerzmitteln enthornt werden. Das wurde vor vier Jahren auf der  Agrarministerkonferenz in Bad Homburg beschlossen. Liegt eine Verordnung vom Tierarzt vor, kann der Landwirt das Sedativa aber auch selbst verabreichen.

Zu Beginn werden alle Kälber zum Enthornen herausgesucht und separiert. Quelle: von Rössing

Wer ist dran?

Zu Beginn werden alle Kälber, die enthornt werden sollen, herausgesucht und aufgeschrieben. Das sind im Idealfall die Kälber im Alter von 14 Tagen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Hornknospen noch relativ klein und der Eingriff ist weniger invasiv. Darüber hinaus sind die Kälber, da sie meist noch in der Einzelhaltung stehen, leichter zu behandeln. Auch eine zusätzliche Belastung durch ein neues Keimmilieu in der Gruppe und die Umstellung auf den Tränkeautomat entfällt in diesem Alter.
Generell darf nur bei unter sechs Wochen alten Kälbern enthornt beziehungsweise verödet werden.

Vor dem Enthornen müssen die Kälber sediert und mit einem Schmerzmittel versorgt werden. Quelle: von Rössing

Wichtig ist außerdem, dass die Kälber gesund sind und vor dem Eingriff keinen Stress zum Beispiel durch Umstallen haben, da dann das Sedativum nicht gut wirkt und die Tiere sich nicht ablegen. Um Komplikationen zu vermeiden, sollte das Enthornen 1 bis 2 Stunden nach oder vor dem Tränken erledigt werden.

Was wird benötigt?

Am Tag der Eingriffe sollte Folgendes bereitliegen: Spritzen, Kanülen, Schmerzmittel, Verlängerungskabel, Schermaschine oder Rasierer, ein Brenneisen mit gründlich gereinigtem Brennkopf und ausreichender Tiefe und Jod-, Aluminium- oder Blauspray.

Bei Enthornungsgeräten kann zwischen netz- und gasbetriebenen sowie akkubetriebenen Enthornungsgeräten oder dem Heißluftföhn gewählt werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Aussparung für die Hornknospe, entsprechend des Alters der Tiere, ausreichend tief ist. Ätzstifte sind nicht mehr erlaubt.

 

Schritt 1: Rund 10 bis 15 Minuten vor dem Eingriff werden dem Kalb das Sedierungsmittel und auch das Schmerzmittel gespritzt. Die Dosierung der Medikamente wird mit dem Tierarzt abgesprochen, denn die Wirkstoffkonzentration kann je nach Medikament variieren. Die anschließende Wartezeit sollte eingehalten werden, damit die Mittel auch die gewünschte Wirkung erzielen können. Es ist zudem wichtig, dass je nach Erfahrung und Übung nicht mehr als zwei bis drei Kälber vorgespritzt und nacheinander enthornt werden. Quelle: von Rössing

 

Schritt 2: Der Bereich um die Hornknospe wird gründlich geschoren. So lassen sich selbst kleinste Hornanlagen gut erkennen. Währenddessen heizt sich der Brennstab bis zur Maximaltemperatur auf. Wichtig ist hier, dass die Geräte bei geringen Außen­temperaturen längere Aufheizphasen benötigen. Zudem muss das Gerät sauber sein, da sich sonst die Wärme nicht gleichmäßig verteilt. Quelle: von Rössing

 

Schritt 3: Der Brennkopf wird mit leichten Drehbewegungen 5 bis 10 Sekunden senkrecht um die Hornknospe herum aufgesetzt, bis eine durchgehende, 4 bis 5 mm tiefe Furche um den Hornansatz entstanden ist. Wichtig ist, dass nicht länger als etwa 10 Sekunden an der Hornknospe gearbeitet wird. Es besteht sonst die Gefahr von Hirnschäden. Quelle: von Rössing

 

Schritt 4: Vor der Wundversorgung wird kontrolliert, ob noch Gewebebrücken vorhanden sind. Sind keine mehr vorhanden, ist die Blutversorgung der Hornanlage damit unterbrochen und es kann davon ausgegangen werden, dass das Horn nicht weiterwächst. Sind noch Gewebebrücken vorhanden, muss der Brennstab noch einmal angesetzt werden. Die Hornknospe sollte nicht herausgehebelt werden.
Quelle: von Rössing

 

Schritt 5: Anschließend wird die Wunde mit Aluminium-, Jod- oder Blauspray versorgt. Bis zum vollständigen Verheilen ist es wichtig, immer wieder einen Blick auf die Wunde zu werfen und sie auf Entzündungen und starken Fliegenbefall zu kontrollieren.
Quelle: von Rössing

 

 

Schritt 6: Bis alle Kälber wieder richtig munter sind, werden sie in Brustlage in einem speraten Strohstall abgelegt und vor der Witterung geschützt. Das ist wichtig, da sich die Tiere den Witterungseinflüssen nicht selbst entziehen können und der Kreislauf heruntergefahren ist. Ist es draußen sehr kalt, kann nach Bedarf eine Kälberdecke über das Kalb gelegt werden.
Nach dem Enthornen wird die Wunde täglich in Augenschein genommen. Verheilt sie nicht gut, sollte der Tierarzt einen Blick darauf werfen.

Weitere spannende Beiträge aus den Bereichen Pflanze, Technik, Politik, Managament, Markt und Tier  liest du in der Septemberausgabe von agrarheute.

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