Hinterwäldlerisch, hörig, plump – dieses Bild von Landwirtinnen ist leider immer noch weit verbreitet. Grund genug für Marzell Buffler, während seiner Journalistenausbildung mit einer Porträtserie das Gegenteil zu beweisen. Heute porträtiert er Martina Hopf. Foto: Marzell Buffler

Heldinnen im Porträt: Martina van Aukönig

Hinterwäldlerisch, hörig, plump – dieses Bild von Landwirtinnen ist leider immer noch weit verbreitet. Grund genug für Marzell Buffler, während seiner Journalistenausbildung mit einer Porträtserie das Gegenteil zu beweisen. Heute porträtiert er Martina Hopf.

Ein Beitrag von Marzell Buffler, Redakteur der Fachzeitschrift Landwirt

Ein bisschen wie eine Königin steht Martina Hopf an der Mauerbrüstung und blickt hinunter auf ihre Ländereien. 23 Hektar Grünland, 10 Hektar Wald und eine Alm mit 150 Hektar nennt sie ihr Eigen. Achtzehn Fleckviehkühe verteilen sich auf der abschüssigen Wiese vor ihr. Manche grasen in Gruppen, andere liegen vereinzelt im nassen Gras und kauen genüsslich wieder.

Als Martina zu ihnen hinunterläuft reagieren sie sofort, heben die Köpfe und blicken zu ihr. Zwei der Tiere laufen direkt auf sie zu und stupsen Martina mit ihrem feuchten Flotzmaul an. „Sie sind für mich wie Familienmitglieder“, sagt die 29-jährige Steirerin und krault die beiden hinter den Ohren.

Hinterwäldlerisch, hörig, plump – dieses Bild von Landwirtinnen ist leider immer noch weit verbreitet. Grund genug für Marzell Buffler, während seiner Journalistenausbildung mit einer Porträtserie das Gegenteil zu beweisen. Heute porträtiert er Martina Hopf. Foto: Marzell Buffler

Stolz blickt Martina auf ihre Ländereien. Foto: Marzell Buffler

Bereits vor sechs Jahren hat Martina die Hälfte des landwirtschaftlichen Betriebs von ihrem Vater übernommen. Die andere Hälfte gehört noch ihrer Mutter. Die geht aber dieses Jahr ebenfalls in Pension. Der Aukönighof ganz in Frauenhänden – nicht das erste Mal in der jahrhundertealten Familiengeschichte.

„Ich bin die jüngste von vier Schwestern. So gab es nie die Diskussion, dass eine Frau den Hof übernimmt. Landwirtschaft ist meine Leidenschaft, schon als Kind war ich am liebsten daheim bei meinen Tieren. Damit bin ich groß geworden, es gibt für mich keine Alternative dazu.“

Aus Zweifeln wird Stärke

Was sich jetzt selbstsicher anhört, war aber nicht immer so. Vor einiger Zeit hat Martina mit sich gekämpft. „Da war ich mir nicht sicher, ob ich das schaffe. Aber ich hab mich aufgerafft. Seitdem gibt es für mich keine Zweifel mehr.“ Die Jungbäuerin schämt sich nicht für diese Momente. „Das hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin.“

Dieses Selbstvertrauen braucht die Heumilchbäuerin in ihrem Beruf. Schließlich ist sie eine von wenigen Frauen im Bezirk Murtal, die Chefin auf dem eigenen Hof ist. Auch beim landwirtschaftlichen Meisterkurs hatte Martina nur eine Mitstreiterin. In der von Männern dominierten Landwirtschaft muss sie immer wieder dagegenhalten.

Hinterwäldlerisch, hörig, plump – dieses Bild von Landwirtinnen ist leider immer noch weit verbreitet. Grund genug für Marzell Buffler, während seiner Journalistenausbildung mit einer Porträtserie das Gegenteil zu beweisen. Heute porträtiert er Martina Hopf. Foto: Marzell Buffler

Martina ist eine von wenigen Frauen im steirischen Bezirk Murtal, die Chefin auf dem eigenen Hof ist. Foto: Marzell Buffler

Das Bild der rüpelhaften Bauern, die einer Frau nichts zutrauen, kann sie aber nicht bestätigen: „Ein ernsthaftes Problem gab es bisher mit keinem Kollegen. Es hat noch nie jemand gesagt, du schaffst das nicht. Manchmal schauen sie etwas schief. Aber dann sehen sie schon, wie ich das alles hinbekomme.“

Dabei sind es gerade Skeptiker, die Martina antreiben. „Wenn einer meint, ich kann das nicht, dann erst recht.“ Das beweist sie gerade mit dem Bau eines neuen Laufstalls. Mit großen Schritten, die Hände tief in den Taschen ihrer dunkelblauen Jacke verborgen, läuft sie den Hang der Wiese hoch. Vor ihr strahlt die Holzfassade des Neubaus in der Mittagssonne. Gerade fährt ein Lastwagen vom Hof, drei Bauarbeiter betonieren das Fundament des neuen Fressgitters. Ein kurzes „Hallo“ zur Bauherrin, dann arbeiten sie weiter.

Landwirtin fürs Leben

Martina lächelt leicht, wirkt zufrieden. „Ich will die nächsten 30 Jahre Landwirtin sein. Das ist im alten Anbindestall arbeitswirtschaftlich nicht zu schaffen.“ Lange hat sie zusammen mit ihrer Familie diesen Schritt geplant, im April dieses Jahres ging es los. Zukünftig bietet der Offenstall Platz für 35 Milchkühe. Gemolken wird im Side-by-Side-Melkstand mit acht Plätzen. Genau die richtige Betriebsgröße für Martina: „Bei mir kommt Qualität vor Quantität. Lieber schaffe ich 35 Kühe gut, als dass ich mit 60 nicht rum komm. Irgendwann kommt die Zeit, in der ich den Stall hauptsächlich allein stemmen muss.“

Martinas Freund kommt nämlich nicht aus der Landwirtschaft. Er arbeitet hauptberuflich als Installateur und hilft am Wochenende und in seinem Urlaub auf dem Hof mit. „Das ist eigentlich gut so. Er bringt seine eigenen Ansichten mit ein. Und er steht immer hinter mir. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.“

 

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Ganz einfach ist das Projekt Stallbau aber nicht. Schließlich investiert die Jungbäuerin einige 100.000 Euro. Da will sie alles richtig machen. Und so kommt Martina auch an ihre Grenzen: „Das hat mich schon mal zum Verzweifeln gebracht. Aber ich habe gelernt Leute zu fragen, die in ihrem Fach gut drauf sind. Tausch dich mit ihnen aus, lerne von ihnen und werde dadurch besser.“

Hilfe annehmen

Ein Punkt, der für Martina von zentraler Bedeutung ist: „Ich weiß was ich will und lasse mich nicht klein reden. Aber ich nehme auch Hilfe an. Wenn zum Beispiel etwas kaputt ist, sage ich das meistens meinem Freund oder meinem Papa. Klar könnte ich die Sachen selbst reparieren. Aber die beiden sind da einfach besser drauf und es geht schneller. Auch fürs Mähen und Einfahren lasse ich immer die Männer kommen. Warum soll ich ihr Können nicht nutzen?“

Hinterwäldlerisch, hörig, plump – dieses Bild von Landwirtinnen ist leider immer noch weit verbreitet. Grund genug für Marzell Buffler, während seiner Journalistenausbildung mit einer Porträtserie das Gegenteil zu beweisen. Heute porträtiert er Martina Hopf. Foto: Marzell Buffler

Bei der Heuernte bittet Martina „die Männer“ zu Hilfe. Für sie kein Zeichen von Schwäche, sondern von Miteinander. Foto: Marzell Buffler

Martina sieht darin keine Schwäche. Genauso wenig glaubt sie, dass man ihr den Beruf zu jeder Zeit ansehen muss. „Trotz Landwirtschaft kann man ja trotzdem auch Frau sein. Warum soll man nur die eine Seite haben. Ich bin zwar keine Prinzessin. Aber wenn ich unterwegs bin, richte ich mich auch entsprechend her. Da bin ich auf der coolen Seite und eher eine Rockerbraut.“

Das zeigt sie auch. Eine Haarsträhne hat sie locker als Tolle nach hinten gesteckt. Neben der engen Bluejeans, trägt sie ein modisches dunkelrotes Top. Hinter dem Halsausschnitt spitzelt auf dem linken Schlüsselbein ein verschnörkelter Schriftzug hervor. THE STREET OF LIVE IS YOURS – frei übersetzt: “Geh deinen Weg.“ Nicht die einzige Tätowierung, wie Martina verrät.

Ein neues Bild von Landwirtschaft

Was auf den ersten Blick gegensätzlich erscheint, wirkt bei ihr als harmonische Einheit. Damit ist sie nicht alleine. Wie viele junge Bäuerinnen, zeichnet sie damit das Bild einer neuen Generation auf den Bauernhöfen. Und das will die Martina auch anderen Menschen zeigen.

Hinterwäldlerisch, hörig, plump – dieses Bild von Landwirtinnen ist leider immer noch weit verbreitet. Grund genug für Marzell Buffler, während seiner Journalistenausbildung mit einer Porträtserie das Gegenteil zu beweisen. Heute porträtiert er Martina Hopf. Foto: Marzell Buffler

Martina bedeuten ihre Kühe alles. Foto: Marzell Buffler

Auf ihrem Instagram-Account folgen ihr mittlerweile fast 10.000 Abonnenten. „Die Menschen fangen an, sich für die Landwirtschaft zu interessieren. Leider wissen sie überhaupt nicht, was wir eigentlich machen,“ beschreibt sie die Kluft zwischen Bauern und Gesellschaft. „Viele meiner Follower sind mir gegenüber aufgeschlossen. Das muss ich als Bäuerin dann aber auch sein. Man muss mit den Leuten reden und versuchen sie zu verstehen.“

Sie sieht darin eine Chance für die Landwirtschaft wieder ins Gespräch zu kommen. „Zum Beispiel, wenn ich mit Vegetariern rede. Die haben ein großes Herz für Tiere. Ich bin ebenfalls sehr tierlieb. Für mich sind meine Kühe alles. Es geht mir nahe, wenn ich eine hergeben muss. Wenn ich so bei den Kritikern der Tierhaltung argumentiere, findet man sich gegenseitig wieder.“

Anpacken statt jammern

Eine Strategie, die viele Bauern noch lernen müssen. „Viele jammern, dass die Bauernvertreter schuld an ihrer aktuellen Situation sind. Stattdessen sollten sie lieber selber das Problem anpacken. Jeder kann etwas tun, um die Landwirtschaft wieder in die Gesellschaft zurück zu bringen“, ist sich Martina sicher.

Das kann sie aus eigener Erfahrung bestätigen. Am Anfang hat ihr Umfeld sie belächelt. „Die haben gedacht: jetzt rennt sie schon wieder mit dem Handy im Stall rum.“ Heute wird Martina oft darauf angesprochen. Und dabei sind die Rückmeldungen meist positiv. Für sie ist klar: „Man muss aus den Klischees ausbrechen, mit denen man aufwächst. Das dauert eine gewisse Zeit. Aber wenn man immer an sich arbeitet ist man eine starke Frau und kann etwas bewirken. Auch als einfache Landwirtin. Dazu muss man nicht Karriere machen.“

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