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Statt abends auf der Couch mit stinkenden, analogen Sauenkarten zu arbeiten, nutzt Simon Donhauser einen Sauenplaner, bei dem er alle Daten direkt im Stall eingeben kann. So spart er mehrere Stunden Büroarbeit pro Woche ein und hat mehr Zeit für seine Tiere.

Sauen in der Cloud: Digitalisierung im Sauenstall

Statt abends auf der Couch mit stinkenden, analogen Sauenkarten zu arbeiten, nutzt Simon Donhauser einen Sauenplaner, bei dem er alle Daten direkt im Stall eingeben kann. So spart er mehrere Stunden Büroarbeit pro Woche ein und hat mehr Zeit für seine Tiere.

Originalbeitrag von Martina Hungerkamp, agrarheute.

Wer kennt das nicht: Stalllisten, Besamungslisten, Impfliste – analoge Zettelwirtschaft. Die nervte Schweinehalter Simon Donhauser zunehmend. „Früher musste ich immer alles doppelt dokumentieren. Erst auf Papier im Stall, dann im Büro oder zu Hause noch mal am Rechner.“

Seit 2015 führt der 27-Jährige aus Amberg (Bayern) die Sauenhaltung als GbR zusammen mit seinem Vater Jürgen und mit Unterstützung seiner Mutter und der Großeltern. „Ich verantworte vor allem die Sauen und mache die gesamte Buchhaltung“, erklärt der junge Landwirt. 400 Sauen hält der Betrieb und remontiert auch selbst. „Wir haben 2014 angefangen, auf unsere DL/DE-Hybriden Dänen einzukreuzen. 2016 sind wir dann zu Topigs Norsvin gewechselt.“ Daran gefällt ihm, dass die Sauen entspannter sind. Derzeit vermarktet Simon rund 13.000 Ferkel pro Jahr über eine Erzeugergemeinschaft.

Neuer Sauenplaner gesucht

Für die tägliche Arbeit im Stall, aber vor allem auch für die Zuchtarbeit, ist ein guter und übersichtlicher Sauenplaner wichtig. ­Irgendwann saß der Junglandwirt mal wieder mit der stinkenden Sauenkarte abends auf dem Sofa, um die Daten im Sauenplaner zu aktualisieren. „Da hatte ich die Nase endgültig voll. Das muss anders gehen.“

Er machte sich auf die Suche. Durch Zufall schlenderte Simon auf der EuroTier 2018 am Stand der niederländischen Firma AgriSyst vorbei. „Wir kamen ins Gespräch und ich merkte schnell, wie weit mein damaliger Sauenplaner hinter dem Stand der Technik hinterherhinkte.“

Statt abends auf der Couch mit stinkenden, analogen Sauenkarten zu arbeiten, nutzt Simon Donhauser einen Sauenplaner, bei dem er alle Daten direkt im Stall eingeben kann. So spart er mehrere Stunden Büroarbeit pro Woche ein und hat mehr Zeit für seine Tiere.

Simon Donhauser führt den Betrieb zusammen mit seinem Vater. Foto: Philipp von Rössing

Das kann der neue Planer

Die vorherigen Sauenplaner waren Simon Donhauser zu unflexibel. Er konnte die Daten nicht mobil im Stall erfassen, sondern musste immer von Hand alles am Rechner synchronisieren. Diesen Umstand hat der Junglandwirt jahrelang moniert, ohne dass sich etwas geändert hat. Insgesamt dauerte es ihm zu lange, bis Lösungen gefunden wurden, wenn mal ein Problem auftrat.

Also entschied er sich, den Sauenplaner „PigExpert“ von AgriSyst auszuprobieren. Nach ein paar Telefonaten wurde die Lösung in das bayerische Digitalisierungsprogramm aufgenommen und die Anschaffung mit 500 Euro bezuschusst.

„Das deckte bei Weitem nicht alle Kosten, denn zugegeben: Verglichen mit anderen Sauenplanern ist der PigExpert etwas kostspieliger.“ So hat sich der junge Sauenhalter auch den kleinen Taschencomputer für den Stall, ein sogenanntes Handheld, dazu bestellt. „Er ermöglicht mir endlich die Eingabe aller wichtigen Daten direkt im Stall.“

Statt abends auf der Couch mit stinkenden, analogen Sauenkarten zu arbeiten, nutzt Simon Donhauser einen Sauenplaner, bei dem er alle Daten direkt im Stall eingeben kann. So spart er mehrere Stunden Büroarbeit pro Woche ein und hat mehr Zeit für seine Tiere.

Simon arbeitet mit einem Handheld im Stall. Foto: Philipp von Rössing

Das Handheld ist mit einem 2D-QR-Scanner ausgestattet und kann UHF-Ohrmarken auslesen. „Nur für das Handheld habe ich rund 1.500 Euro brutto bezahlt.“ Dafür sei es wassergeschützt und passe – anders als ein Smartphone – durch keinen Spaltenboden. Jährlich zahlt der Landwirt rund 950 Euro für die Software und die Datenpflege in der Cloud. Diese Summe richtet sich nach der Anzahl der Sauen und gilt für bis zu 500 Tiere.

Der Planer wird für stationäre Rechner oder webbasiert angeboten. Simon hat sich für die zweite Variante entschieden. „So liegen alle meine Daten in der Cloud. Das ist praktisch, da ich mit meiner Kennung und dem Passwort von jedem Endgerät aus auf die Daten zugreifen kann, egal wo ich bin.“

Daten in der Cloud

Viele Landwirte scheuen sich davor, die Daten in einer Cloud abzulegen. Die Sorge teilt der 27-Jährige nicht. „Dann dürfte man auch kein WLAN und keine Messengerdienste nutzen. So konsequent sind die Wenigsten.“ Man könne sich auch in der Landwirtschaft der Digitalisierung nicht verwehren. Anträge, die Steuererklärung – vieles funktioniere schon heute nur noch digital.

Für Simon Donhauser ist der Planer sein Geld wert. Er sei intuitiv zu bedienen, sehr schnell und einfach. Dadurch, dass er alle Daten wie Abferkeldatum, Zahl der geborenen Ferkel, Belegdatum oder auch die Rückenspeckdicke über sein Handheld direkt im Stall eintragen kann, braucht er nichts mehr doppelt machen.
„So spare ich enorm viel Zeit und Papier“, sagt der Junglandwirt. „Auch beim Wurfausgleich hilft mir die digitale Sauenkarte.“ Er gibt einfach die Sauennummer in sein Handheld ein. Schon kann er nachschauen, wie viele Ferkel die Sau beim vorherigen Wurf großgezogen hat oder ob es irgendwelche Probleme gab.

Statt abends auf der Couch mit stinkenden, analogen Sauenkarten zu arbeiten, nutzt Simon Donhauser einen Sauenplaner, bei dem er alle Daten direkt im Stall eingeben kann. So spart er mehrere Stunden Büroarbeit pro Woche ein und hat mehr Zeit für seine Tiere.

Mit dem Handheld kann der Sauenhalter die UHF-Ohrmarken auslesen. Foto: Philipp von Rössing

Arbeitsaufträge oder Tierlisten für Mitarbeiter – alles erstellt Simon im Planer und kann es sofort ausdrucken oder direkt per E-Mail an die Mitarbeiter schicken. „Inzwischen verfügen die Besamungstuben auch über einen Strichcode. Den scanne ich ein und verknüpfe die Informationen zum Eber direkt mit der belegten Sau. Ich kann sogar angeben, wer besamt hat. Auch das kann für meine interne Auswertung wertvoll sein.“

Zudem sei der PigExpert nicht nur für das Sauenmanagement, sondern auch für die Ferkelaufzucht und Mast hilfreich. So können vermarktete Ferkel gleich verbucht werden. Alle Tierbewegungen gehen direkt an die HIT-Datenbank.

„Ich kann für meine Auswertung zum Beispiel auch die Daten im Flatdeck zur Wassermenge oder Futteraufnahme mit den entsprechenden Ferkelgruppen verbinden.“ Dazu sei das Programm mit den meisten Fütterungsanlagen koppelbar. Auch die Meldungen für das Antibiotikamonitoring lassen sich einfach aus dem Planer an die entsprechenden Stellen senden.

Differenziert auswerten

Insgesamt ermöglicht der neue Sauenplaner viel differenziertere Auswertungen, als der Schweinehalter es von seinen vorherigen Modellen gewohnt war. Simon erhält zum Beispiel quartalsweise einen horizontalen Vergleich mit allen Sauenbetrieben im System. Der Eigenremontierer ermöglicht auch seinem Zuchtunternehmen den Zugang auf einen Teil seiner Daten. So erhält er immer aktuell die Zuchtindexe seiner Sauen und bekommt die passenden Eber für die Reinzucht vorgeschlagen – ein wichtiger Service für ihn als Eigenremontierer.

Statt abends auf der Couch mit stinkenden, analogen Sauenkarten zu arbeiten, nutzt Simon Donhauser einen Sauenplaner, bei dem er alle Daten direkt im Stall eingeben kann. So spart er mehrere Stunden Büroarbeit pro Woche ein und hat mehr Zeit für seine Tiere.

QR-Strichcodes erkennt das Gerät ebenfalls. Foto: Philipp von Rössing

Auch der Service des Anbieters sei sehr gut. „Ich habe bisher immer innerhalb eines Telefongesprächs eine hilfreiche Antwort oder die Lösung meines Problems bekommen.“ Die Datenübernahme aus seinem alten Sauenplaner lief ebenfalls problemlos.

Spaß an der Arbeit

Die Arbeit mit den Sauen und Ferkeln macht Simon insgesamt großen Spaß. Dazu trägt der Sauenplaner und vor allem das Handheld seinen Teil bei. Der Junglandwirt will ihn nicht mehr missen. Inzwischen hat der die gesamte Buchhaltung digitalisiert, um noch mehr Zeit im Stall und für die Tiere zu haben. Das sei eine echte Arbeitserleichterung und Zeitersparnis. Da alle Eingaben über das Handheld sofort im Stall erledigt werden können, gibt es keine Karteileichen mehr und er spart etwa drei Stunden Büroarbeit pro Woche.

Außerdem mag er die regelmäßigen Auswertungen. Einmal wöchentlich bekommt er sie per E-Mail zugesandt. So hat er alle für ihn relevanten Daten auf einen Blick und sieht schnell, wenn ein Parameter sich verändert hat. Dann weiß er, dass irgendwas nicht richtig läuft. „Wir hatten im Januar zum Beispiel einen Leptospirenbefall. Die Leistung fiel ab. Ohne die Auswertung wäre mir das nicht so schnell aufgefallen. So konnte ich das Problem schnell mit dem Tier­arzt beheben.“

In der quartalsweisen Auswertung sieht der Schweinehalter, wo er im Vergleich zu seinen Berufskollegen steht, die den Sauenplaner ebenfalls nutzen. Die Daten von 350.000 deutschen Zuchtsauen seien in der Datenbank hinterlegt. Simon hat es demnach auch schon unter die Top 25 der Betriebe geschafft. Alles in allem hat sich für den Junglandwirt die Umstellung auf den neuen Sauenplaner mit Speicherung seiner Daten in der Cloud gelohnt. Er will nicht mehr zurück. Für ihn gilt auch im Stall immer mehr: ­Zettelwirtschaft adé.

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