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Landwirt Peter Bodendörfer erklärt im Interview, warum er Wiesenpatenschaften anbietet und welches Konzept dahintersteckt.

„Auf der biologischen Uhr ist es fünf vor Zwölf“

Landwirt Peter Bodendörfer erklärt im Interview, warum er Wiesenpatenschaften anbietet und welches Konzept dahintersteckt.

Immer mehr Landwirte bieten Wiesenpatenschaften an, mit denen sich die Verbraucher selbst für den Artenschutz einsetzen können. Der 31-jährige Peter Bodendörfer war einer der ersten. Im Interview erklärt er, warum er das tut.

Wie kam Dir die Idee der Wiesenpatenschaften?

Peter: Wenn ich auf dem Sofa sitze und mir die ganzen Diskussionen über Landwirtschaft auf Facebook anschaue, finde ich, dass kaum jemand miteinander redet. Stattdessen redet der Verbraucher über den Landwirt und der Landwirt über den Verbraucher. Ich habe mir schon länger gedacht, dass man beide Seiten wieder näher zusammenzurücken sollte. Die Idee mit den Wiesenpatenschaften kam mir dann eigentlich relativ spontant. Ich wollte dem Verbraucher die Möglichkeit geben, mit mir als Landwirt in Interaktion zu treten. Und die Patenschaften sind meiner Meinung nach eine ganz klare unternehmerische Handlung: Der Markt will Biodiversität, dann sollte man ihm das auch bieten. Warum sollte ich stattdessen etwas produzieren, dass der Markt gerade nicht will?

Welches Konzept steckt dahinter?

Peter: Statt Braugerste pflanze ich für eine 50-Euro-Patenschaft auf 100 m² eine insektenfreundliche Blühmischung mit 40 heimischen Arten an. Erlösmäßig hält sich das in etwa die Waage. Was auf der Blühwiese dann genau angebaut ist, erkläre ich auf einem Schild, auf dem ich auch die Paten erwähne, sofern sie das wollen. Wenn die Blühmischung im Herbst abgeblüht ist, wird sie im Winter einfach abfrieren. Falls Lücken im Bestand entstehen, schließe ich sie im Frühjahr 2020 mit einem Nachsaatverfahren mit minimaler Bodenbearbeitung, um die Biodiversität auch im nächsten Jahr zu erhalten.

Welchen Artenzuwachs erhoffst Du Dir?

Peter: Das kann ich noch nicht einschätzen. Doch ich arbeite mit einer Biologin zusammen, die beobachten wird, wie sich die Artenvielfalt entwickelt.

Wie kam die Idee bei den Verbrauchern an?

Peter: In der ersten Woche habe ich schon über 1.400 lobende E-Mails dazu bekommen, 900-mal meine Infobroschüre zum Projekt verschickt und 136 Zertifikate für Patenschaften ausgestellt. Die Paten kommen aus ganz Deutschland – von hier aus dem Dorf über Jena bis nach Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Und sogar auch aus der Schweiz.

Wie haben Kollegen reagiert?

Peter: Mit ebenfalls sehr viel positivem Zuspruch. Die ersten 100 E-Mails waren fast ausschließlich von Berufskollegen, die gefragt haben, ob sie die Idee kopieren dürfen. So haben wir es in kurzer Zeit geschafft, allein in Bayern über 1 Mio. Patenschaften anzubieten.

Findest Du, Landwirte haben bisher zu wenig für den Artenschutz getan?

Peter: Auf der biologischen Uhr ist es fünf vor zwölf. Wir Landwirte haben schon viel für den Artenschutz getan, sonst wäre es wahrscheinlich schon fünf nach zwölf. Aber ich finde, wir müssen noch mehr tun. Das Volksbegehren Artenschutz ist hierfür viel zu einseitig formuliert. Wir müssen einen Gesetzesentwurf schaffen, der alle Facetten, also auch Industrie, Kfz und Privatverbraucher, einbezieht, und für alle umsetzbar ist. Es müssen einfach neue, praktikable Lösungen her.

Weitere Informationen zu aktuellen Themen  findest Du auf agrarheute.com und in der Aprilausgabe von agrarheute.

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