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Statt 6 - 10 % Kälberverluste, nur 2 Prozent. Wie Anton Schmaußer das schafft? Sein Erfolgsgeheimnis sind genügend Milch und eine paarweise Kälberhaltung in den Iglus.

Die Kälber-WG: Vorteile einer paarweise Kälberhaltung

Statt 6 bis 10 Prozent Kälberverluste, nur 2 Prozent. Wie Anton Schmaußer das schafft? Sein Erfolgsgeheimnis sind genügend Milch und eine paarweise Kälberhaltung in den Iglus.

Originalbeitrag von Amelie Grabmeier, agrarheute.

Erika und Holli sind beste Freundinnen. Ob saufen, schlafen oder herumspringen: Die vier Tage alten Kälber machen alles gemeinsam. Das kennen sie auch gar nicht anders, denn sie leben zusammen in einem Iglu. Und das schon seit ihrer Geburt. Den Kälbchen scheint das zu gefallen, dem Landwirt auch. „Wir halten die neugeborenen Kälber paarweise“, sagt Anton Schmaußer aus Beratzhausen in der Oberpfalz, während er seinen Kälbern beim Saufen zuschaut.

Der Landwirt steht vor der Iglubox. Gerade hat er Biestmilch in die Nuckeleimer gefüllt. Zweimal am Tag macht er das, morgens und abends. Bei 65 Kälbern ist er jeden Tag rund 1,5 Stunden mit Tränken beschäftigt. Doch die Arbeit ist es ihm wert. „Wir wollen schließlich gesunde Kälber haben“, sagt er. „Und das erreichen wir, indem wir die Kälber paarweise halten und ihnen genügend zu saufen geben.“

Statt 6 - 10 % Kälberverluste, nur 2 Prozent. Wie Anton Schmaußer das schafft? Sein Erfolgsgeheimnis sind genügend Milch und eine paarweise Kälberhaltung in den Iglus.

Ab der dritten Lebenswoche füttert Landwirt Anton Schmaußer seinen Kälbern Milchaustauscher. Foto: Stolzenwald

Seine Strategie scheint aufzugehen. Die Kälberverluste belaufen sich auf 2 Prozent – inklusive Totgeburten. Zum Vergleich: In Bayern liegen die Kälberverluste zwischen 6 und 10 Prozent. Doch eine geringe Sterblichkeitsrate bei Kälbern kommt nicht von ungefähr. „Es gibt schon ein paar Dinge, auf die man achten muss“, sagt der 32-Jährige. Nach der Geburt darf die Mutterkuh das Kalb abschlecken, dann kommt es ins Iglu.

Lieber zweisam als einsam

Dort steht das Kalb auf einem Einstreugemisch aus Stroh und Kalk. Aber nicht allein, sondern immer zu zweit. Auf dem Gebiet hat die Landwirtsfamilie Erfahrung. „Wir halten unsere Kälber schon seit 35 Jahren paarweise“, sagt Anton. Und zwar aus gutem Grund: „Paarweise gehaltene Kälber bewegen sich mehr und sind aktiver als einzeln gehaltene.“ Und sie saufen mehr.

„Wenn eins der Kälber säuft, dann will das andere Kalb auch saufen“, sagt der Landwirt. „Das ist reiner Fressneid.“ Aber wenn eins der Kälber separiert wird, zum Beispiel weil es krank ist oder verkauft werden soll, dann ist das Geschrei groß. „Dann ruft das eine Kalb nach dem anderen“, sagt Anton. Die Tiere vermissen sich gegenseitig. „Die sind halt auch lieber zu zweit als alleine, so wie wir Menschen.“

Platz in den Iglus haben die Kälber genug – rund 4 m² inklusive Auslauf. Der Landwirt achtet darauf, dass er nur gleich starke Kälber zusammenstallt. „Das stärkere Kalb säuft sonst dem schwächeren Kalb die Milch weg“, sagt er. 14 Tage nach der Geburt stallt er die Kälber in größere Iglus um. So wie heute. Anton führt Erika und Holli am Strick zu einem größeren Kälberiglu auf dem Hof. Dann reinigt er die frei gewordene Box mit einem Hochdruckreiniger und Desinfektions- und Reinigungsmitteln. Hygiene ist ihm wichtig. „Nur so kann man verhindern, dass sich Krankheiten unter den Kälbern ausbreiten.“

Ein weiterer Baustein, der zur Kälbergesundheit beiträgt, ist das Biestmilchmanagement. Hier gilt: je mehr, desto besser. „In den ersten 3 Stunden nach der Geburt bekommt das Kalb mindestens 3 l Biestmilch aus der Flasche – als Schutz gegen Infektionen“, sagt der Junglandwirt. Trinkt ein Kalb nicht genügend Milch, dann wartet er ab, bis das Tier so weit ist. Drenchen ist für ihn keine Lösung. „Das Kalb wächst deshalb auch nicht schneller“, sagt er.

6 l Milch am Tag sind zu wenig

Auch in den 14 Tagen nach der Geburt ist viel trinken angesagt. Die Kälber erhalten zweimal täglich rund 7 l angesäuerte 5-Tage-Milch. Ad libitum und im Nuckeleimer. „Manche Kollegen tränken nur 6 l Milch am Tag“, sagt er. „Das ist viel zu wenig, da verhungern die Kälber ja.“ Da die Tiere die Milch frei aufnehmen können, haben sie keinen Heißhunger und der Magen wird durch die Aufnahme mehrerer kleiner Milchmengen nicht überstrapaziert.

„Selbst im Winter, wenn die Milch im Kübel eiskalt wird und gefriert, haben die Kälber keine Verdauungsprobleme“, sagt der studierte Techniker für Landbau. Das Tränkeregime macht sich auch bei der Anzahl der Durchfälle bemerkbar. „Wir haben im Schnitt drei Kälber mit Durchfall pro Jahr“, sagt er. „Unser Hoftierarzt meint manchmal, dass er kein Geschäft mehr machen würde, wenn alle Betriebe so wenige Probleme mit ihren Kälbern hätten wie wir.“

Statt 6 - 10 % Kälberverluste, nur 2 Prozent. Wie Anton Schmaußer das schafft? Sein Erfolgsgeheimnis sind genügend Milch und eine paarweise Kälberhaltung in den Iglus.

Der 32-jährige Milchviehhalter füttert seinen Tieren eine selbstgemachte Kälber-TMR. Foto: Stolzenwald

Neben der Biestmilch sorgt auch ein hochwertiger Milchaustauscher (MAT) für gesunde Tiere. Ab der dritten Lebenswoche füttert Anton seinen Kälbern einen Milchaustauscher anstelle von Kolostrum. „Unser MAT ist von der Firma Josera und kostet 230 Euro/dt.“ Der Tränke mischt er 160 g MAT/l Wasser zu. Sein Vater Alois tränkt den Kälbern jeden Tag 6 l mit dem Milchtaxi. Ab diesem Zeitpunkt bekommen sie auch eine selbstgemachte Totale Mischration (TMR) aus Stroh, Gerstenmaisschnitzel, Sojaschnitzel und Melasse.

Schrittweise entwöhnen

Nach neun Wochen entwöhnt der Landwirt seine Kälber. „Wir gehen mit der Milchmenge langsam runter – von 6 auf 2 l Milch am Tag“, sagt er. Danach kommen die Kälber in die Gruppeniglus. Dort erhalten sie neben 1 l Milch am Tag die Kälber-TMR ad libitum. Damit sich die Tiere im Winter nicht erkälten, tränkt Anton Schmaußer bei Minusgraden 160 g Milchaustauscher mehr.

Auch die Versorgung mit Eisen trägt zur Gesundheit der Kälber bei: „Kommt das Kalb bei der Geburt rückwärts raus oder stimmt etwas nicht mit der Nabelschnur, dann geben wir dem Kalb 1 g Eisen oral oder als Injektion“, sagt der Milchviehhalter.

Insgesamt tränkt Anton Schmaußer seinen Kälbern 90 Tage Milch. „Manchmal ist ein besonders kleines Kalb dabei; das kriegt 100 Tage Milch“, sagt er. Aber spätestens dann sei Schluss. Die Kälbchen Erika und Holli sind fertig mit Saufen. Eng aneinander gekuschelt liegen sie im trockenen Stroh. „Besser kann es für die Kälber doch gar nicht sein“, findet der Landwirt.

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