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Glyphosat, Gen-Soja und fehlende Abgasnormen statt Blühstreifen, Tierwohl und Nachhaltigkeit? Ein trauriger Niko teilt seine Gedanken zum Freihandelsabkommen Mercosur.

Niko’s Gedanken zum Freihandelsabkommen Mercosur

Glyphosat, Gen-Soja und fehlende Abgasnormen statt Blühstreifen, Tierwohl und Nachhaltigkeit? Ein trauriger Niko teilt seine Gedanken zum Freihandelsabkommen Mercosur.

Niko Ziegler bloggt über seine landwirtschaftliche Erfahrungen im In- und Ausland.

Niko bloggt über seine landwirtschaftliche Erfahrungen im In- und Ausland.

Hallo Hofhelden,

ich habe mich schon länger mit dem Thema „Freihandelsabkommen Mercosur“ beschäftigt. Meine Gedanken dazu möchte ich nun mit Euch teilen. Mercosur steht für „Gemeinsamer Markt Südamerikas“. Die Organisation wurde 1991 gegründet und steht für einen Binnenmarkt, der jährlich etwa eine Billion US-Dollar an BIP erwirtschaftet. Zusätzlich werden im Außenhandel Waren im Wert von 200 Mrd. US-Dollar umgesetzt. Im Juni 2019 schloss sich die EU nach langen Verhandlungen dieser Handelsgemeinschaft an.

Worum geht’s?

Im Prinzip geht es bei diesem Abkommen zwischen der EU und den Mercosur-Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay um die Schaffung der größten Freihandelszone der Welt. Dies soll durch den schrittweisen Abbau von Importzöllen auf EU-Ware geschehen. Dabei handelt es sich vor Allem um Produkte aus den Bereichen Automobil- und Maschinenindustrie.

Aktuell werden auf deutsche Automobile 35% Zollabgaben fällig. Diese Handelsbarriere soll abgebaut werden. Eine tolle Chance für die Daimler und Co, um Südamerika als Markt für ihre Fahrzeuge zu gewinnen (dort gibt’s ja auch keine Abgasnormen, die eingehalten werden müssen).

Im Gegenzug erhoffen sich besonders Brasilien und Argentinien nun Agrarprodukte wie Soja, Zucker, Rindfleisch und Geflügel, aber auch Bioethanol vermehrt auf dem europäischen Markt anzubieten. Dies soll ebenfalls durch den Abbau von Importzöllen geschehen.

Glyphosat, Gen-Soja und fehlende Abgasnormen statt Blühstreifen, Tierwohl und Nachhaltigkeit? Ein trauriger Niko teilt seine Gedanken zum Freihandelsabkommen Mercosur.

Hier ist der Regenwaldverlust in Brasilien zu sehen. Man erkennt eine erneute Steigerung der Abholzung in den Jahren ab 2014. Die Statistik wurde durch Satellitenbilder des brasilianischen Nationalinstituts für Weltraumforschung erstellt. Quelle: fasznation-regenwald.de, eingesehen am 02.07.2019

Die beiden Länder haben in den letzten Jahren ihre Agrarproduktion massiv zu Lasten von Regenwald und Gesellschaft aufgestockt. So produziert Argentinien beispielsweise nach eigenen Angaben bereits Nahrungsmittel für 400 Millionen Menschen, obwohl dort nur knapp 40 Millionen Einwohner leben. Dieser Überschuss soll nun unter anderem bei uns verkauft werden.

Auswirkungen auf unsere Landwirtschaft

In erster Linie führt das Abkommen zu Wirtschaftswachstum. Deutsche Unternehmen profitieren durch den neuen Absatzmarkt und der globale Handel wird angekurbelt. Das soll auf beiden Seiten Arbeitsplätze schaffen und Geld in Umlauf bringen.

Auf der anderen Seite müssen deutsche Landwirte nun noch stärker mit dem Weltmarktpreis konkurrieren. Leider sind die Produktionsbedingungen, die wir in Deutschland momentan zugunsten von Nachhaltigkeit und Tierwohl schaffen, kostenmäßig nicht mal im Ansatz konkurrenzfähig zu den gigantischen Großbetrieben in Brasilien und Argentinien. Dort sind Arbeitskräfte billig und in großer Zahl vorhanden, und die Umweltverträglichkeit der Produktion wird nicht wirklich überwacht.

Spritzmittel, die bei uns bereits Jahrzehnte verboten sind, werden in riesigen Aufwandmengen genutzt und Tiere oftmals unter verachtenden Bedingungen gehalten. Für den Anbau von Soja werden gentechnisch veränderte Sorten und massenhaft Glyphosat eingesetzt. Blühstreifen oder ökologische Vorrangflächen? Darüber lacht man sich dort unten schlapp … Ich selbst habe den Zuckerrohranbau in Australien gesehen, und kann mir deshalb ganz gut vorstellen, wie es in Südamerika aussieht.

Glyphosat, Gen-Soja und fehlende Abgasnormen statt Blühstreifen, Tierwohl und Nachhaltigkeit? Ein trauriger Niko teilt seine Gedanken zum Freihandelsabkommen Mercosur.

Freiwillig angelegter Blühstreifen in Deutschland. Zwischen Getreide und Zuckerrüben wird auf Artenvielfalt geachtet. Foto: Benjamin Lind

Mein Standpunkt

Ich will hier sicher niemanden beeinflussen oder den Teufel an die Wand malen, allerdings sehe ich das ganze kritisch. Hier mal ein paar Gedanken.

Warum müssen wir Lebensmittel aus diesen Ländern haben? Sie werden unter großzügigem Einsatz von Gentechnik, Pflanzenschutz und unter Missachtung des Tierwohls produziert und um den halben Globus geschifft, während wir hier Deutschland doch eigentlich genügend davon produzieren.

Glyphosat, Gen-Soja und fehlende Abgasnormen statt Blühstreifen, Tierwohl und Nachhaltigkeit? Ein trauriger Niko teilt seine Gedanken zum Freihandelsabkommen Mercosur.

Fleisch, Milch und Zucker müssten nicht importiert werden, wir produzieren davon bereits selbst im Überschuss. Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, eingesehen auf bmel-statistik.de am 02.07.2019

Warum reden wir in der Politik von Klimawandel und Umweltschutz, belasten unsere Landwirte mit der Herausforderung regional und nachhaltig zu produzieren, kaufen dann aber hintenrum Produkte aus einer Landwirtschaft, die nur existiert, weil Regenwald für Agrarflächen abgeholzt wurde?

Ich bin mir sicher, dass kein aufgeklärter deutscher Verbraucher, der sich mit dem Thema wenigstens ein wenig auseinander gesetzt hat, irgendein Produkt aus diesen Ländern kaufen möchte. Warum also das Ganze?

Warum reden wir ständig von regional produzierten Lebensmitteln, wollen dann auf einmal doch wieder alles tausende Kilometer übers Meer schippern? In Deutschland hat sich in den letzten Jahren der Trend zur Nachhaltigkeit und Regionalität positiv entwickelt. Warum macht die Politik jetzt hinten herum einen solchen Rückschritt?

Die Antwort auf diese rhetorischen Fragen hat jeder von euch. Der Eine mehr, der Andere weniger. Die Antwort ist Geld, und ein Stück weit auch das Streben nach Macht und Einfluss. Hinterfragt deshalb kritisch, interessiert Euch für das, was in der Welt passiert und lasst so was nicht mit Euch machen! Wir haben es in der Hand, lasst uns etwas bewegen! Nur gemeinsam können wir es schaffen.

Vielen Dank fürs Lesen,

ein trauriger Niko

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