Kurz erklärt: Mortellaro’sche Krankheit

Nicht alles erklärt sich von selbst. Manche Begriffe, egal wie einfach oder fremdartig sie auch klingen mögen, brauchen eine Erklärung. Für jeden verständlich. Wir erklären die Mortellaro’sche Krankheit.

Wer bei Mortellaro an Italien denkt, liegt richtig. Die Erkrankung ist nach Carlo Maria Mortellaro benannt, einem Veterinärprofessor an der Universität Mailand. Er hat sie 1974 gemeinsam mit seinem Kollegen R. Cheli als Erster beschrieben. Die Erkrankung hat sich seit dieser Zeit rasant und in den Kuhställen auf der ganzen Welt ausgebreitet.

Mortellaro auf einen Blick erkennen

Erstes Erkennungszeichen der Krankheit sind vermehrt lahme Tiere in der Herde. Wird die betroffene Klaue näher betrachtet, finden sich je nach Ausprägung gerötete, leicht höckerige, wuchernde Oberflächen im Fesselbereich oder im Zwischenklauenspalt. Im umliegenden Bereich sprießen die Haare. Das Ganze ist einer Erdbeere nicht unähnlich, daher auch der umgangssprachliche Ausdruck der Erdbeerkrankheit. Die Wucherungen sind sehr schmerzempfindlich. Die Tiere versuchen deshalb, die betroffenen Klauen zu entlasten.

Da die Wucherungen gut mit einem Antibiotikum zu behandeln sind, ist man schon seit längerer Zeit davon ausgegangen, dass Bakterien beim Infektionsgeschehen eine Rolle spielen müssen. Tatsächlich wurden in den Wunden der Mortellaro`schen Krankheit spiralförmige Bakterien (Treponemen) nachgewiesen. Jedoch sind nicht alle Treponemen an der Krankheit beteiligt, sondern nur ganz bestimmte Arten.

Die Wucherungen ähneln einer Erdbeere, daher auch der umgangssprachliche Ausdruck der Erdbeerkrankheit. Quelle: Pahlke

Auf dem Weg in die Kuh

Außerdem sind zusätzliche Faktoren nötig, die auf die Klaue einwirken, um die Erkrankung auszulösen. Die erste Infektion der Haut mit Treponemen findet dabei schon bei  Jungtieren statt. Werden Färsen beim Auftreten erster Krankheitserscheinungen nicht unmittelbar behandelt, bekommen die Treponemen die Gelegenheit, sich in tieferen Hautschichten anzusiedeln. Dadurch entsteht eine chronische Infektion. In der Tiefe der Haut ändern die Bakterien ihr Aussehen und ihre Eigenschaften und gehen in ein Schlafstadium über. So kann die Körperabwehr der Kuh sie nicht beseitigen und sie werden in regelmäßigen Abständen aktiv.

Das sind die Türöffner

Dass und wie die Krankheit ausbricht, ist von vielen Faktoren abhängig. Häufig werden die Erreger mit dem Zukauf von infizierten Tieren eingeschleppt. Die Hygiene von Lauf- und Liegeflächen spielt eine wichtige Rolle. Auch das Klima ist beteiligt. In Monaten mit starken Temperaturschwankungen und hoher Luftfeuchte treten Ausbrüche vor allem auf.

Die lokale Behandlung der Klauen mit einem tetrazyklinhaltigen Spray ist immer noch das Mittel der Wahl, wenn Tiere von der Krankheit befallen sind. Wichtiger ist die Vorbeuge: Dazu gehört eine regelmäßige Kontrolle der Jungtiere, um zu vermeiden, dass Treponemen in die Tiefe des Klauenhorns abtauchen können. Außerdem gehören saubere Lauf- und Liegeflächen zum Vermeiden der Erdbeerkrankheit dazu und eine ausgewogene Ration mit entsprechender Spurenelement- und Vitaminversorgung.

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