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Mobbing in der Landwirtschaft- wie ich damit umgegangen bin

Franzi ist in der Landwirtschaft groß geworden. Wegen vieler Hänseleien in der Schule, distanzierte sie sich emotional immer mehr vom Hof und der Familie. Was sie schließlich zum Umdenken bewegt hat, erzählt Dir die Junglandwirtin in ihrem Blogbeitrag.

Hallöchen, mein Name ist Franzi und ich bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb im Süden Deutschlands aufgewachsen. Dort habe ich die schönsten, aber auch manch schlimme Momente erlebt. Warum schlimme Momente? Das will ich Euch hier in diesem Beitrag erklären, um genauer zu sein: Ich will über das Thema Mobbing in der Landwirtschaft reden.
Begonnen hat das Ganze bei mir etwa in der 5. Klasse als ich auf die weiterführende Schule gegangen bin.

„Du dummes Bauernkind!“

Sicherlich kann der ein oder andere mich verstehen, wenn ich sage, dass Äußerungen wie „Du dummes Bauernkind!“ oder „Du stinkst, wie ein Bauer!“ zutiefst verletzend sind, schließlich ist man eigentlich stolz auf seine Herkunft. Solche Aussagen führten dazu, dass ich mich immer mehr von meinem normalen Leben daheim auf dem Hof distanzierte. Es entwickelte sich so, dass ich beispielsweise nicht mehr mit in den Stall gegangen bin oder bei den verschiedenen Arbeiten auf dem Hof nicht mehr geholfen habe. Gefühlt waren nämlich die Tätigkeiten auf dem Hof der Grund dafür, dass ich von den Kindern aus meinem Umfeld beschimpft und abgestempelt worden bin.
Klar, jetzt war ich ja in der Stadt und da sind die anderen Kinder das eben nicht gewöhnt.

Ich habe mich geschämt, Landwirtskind zu sein

Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen, da es mir so viel geraubt hat. Ich habe komplett den Bezug zu der Landwirtschaft verloren, wollte nichts lernen und habe mich einfach dafür geschämt! Dadurch hinke ich auch heute noch etwas hinterher was die Technik und Abläufe betrifft. Erst im vergangenen Jahr war ich dann soweit, dass ich gesagt habe: Ich will wieder mit einsteigen und will lernen, wie alles funktioniert, wie man was macht, wann was drankommt und und und …

Vor knapp zwei Jahren habe ich zusammen mit dem Motorradführerschein auch die Prüfung für die Klasse L gemacht, so nach dem Motto „kann ich bestimmt mal brauchen“ und tatsächlich: Jetzt bin ich wieder voll dabei und habe solch eine Freude an der Arbeit in der Landwirtschaft. Vor ein paar Jahren hätte ich mir das gar nicht denken können!

Eine Erkenntnis öffnete meine Augen

Der Sinneswandel kam durch meine Erkenntnis, dass Menschen, die nichts mit der Landwirtschaft am Hut haben unsere Arbeit einfach nicht verstehen. Sie wissen nicht was es heißt Landwirt zu sein, was wir tun und dass ich sowas von stolz auf mich sein kann.

Mir persönlich hat es in dieser schlimmen Zeit sehr geholfen mit jemandem zu reden, der mir zugehört und Mut gemacht hat. Mein Tipp an all diejenigen die vielleicht etwas ähnliches durchmachen müssen wie ich: Sucht Euch jemand der ein offenes Ohr hat, sei es Mama, Papa, Oma, Opa oder einfach nur der beste Freund oder Freundin. Macht Euch nichts daraus, was die anderen sagen. Bleibt Euch selbst treu und versucht Euch zu lieben, so wie ihr seid! Das sagt man immer leichter als es getan ist, aber mir hat es sehr geholfen und hilft mir auch heute noch.

Bleibt gesund und haltet die Ohren steif!

Liebe Grüße,

Eure Franzi

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