Mercosur: Das Auskommen mit dem Abkommen

Mercosur ist in aller Munde. Doch was steckt hinter dem Mercosur-Abkommen mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay eigentlich? Wir verraten es Dir.

Originalbeitrag von Josef Koch, agrarheute

Die EU will den Südamerikanern innerhalb bestimmter Kontingente Zölle erlassen oder ermäßigen. Darüber hatte ja auch Hofheld-Blogger Niko schon geschrieben. An Rindfleisch sollen 99.000 t zollermäßigt in die EU kommen, an Geflügelfleisch 180.000 t, an Zucker 190.000 t und an Ethanol gar 650.000 t zollfrei. Auf den ersten Blick sind das gewaltige Mengen. Im Detail relativiert sich vieles.

Besondere Anforderungen beim Rindfleisch

Bei Rindfleisch suggeriert das Kontingent, dass zur bestehenden EU-Importmenge von gekühltem und gefrorenem Rindfleisch noch einmal knapp 50 Prozent hinzukommen, doch so einfach ist die Rechnung nicht. Zum einen bezieht sich die Quote auf Schlachtgewichtsäquivalent. Zudem wird es zu Verschiebungen bei bereits bestehenden Kontingenten und Einfuhren kommen. Dies könnte dazu führen, dass die Mercosur-Staaten rund 17.000 t weniger Einfuhrkontingente haben werden.

Ob die Südamerikaner diese auf 7,5 Prozent zollermäßigten Einfuhrrechte vollständig nutzen werden, ist ungewiss. In Brasilien beispielsweise müssen Bauernhöfe, die Rindfleisch zur Lieferung in die EU produzieren, spezielle Anforderungen erfüllen und besonders zugelassen werden. Seit Jahren stagniert die Anzahl der zugelassenen Betriebe. Genau hier muss die EU bei den anlaufenden Verhandlungen um die Details ansetzen, wenn sie Einfuhren erschweren will.

Befürchtungen der Zuckerbranche

Das gilt auch beim Zucker: Die EU will die Einfuhrzölle auf ein Teil des bestehenden Kontingents 0 €/t senken. Der zollfreie Zugang werde dazu führen, dass der gesamte Zucker auch bei derzeit sehr niedrigen Preisen in die EU importiert werde, fürchtet die Zuckerbranche. Auch hier gilt aber: Ganz so dramatisch wie die Zuckerbranche fürchtet, wird es wohl nicht werden. Der zollfreie Zugang gilt nur für knapp die Hälfte des bestehenden brasilianischen Einfuhrkontingents. Die Zuckermengen sind schon bisher am Markt und kommen nicht zusätzlich.

Besserer Marktzugang für die EU

Auf der anderen Seite bekommt die EU einen besseren Zugang zum Mercosur-Raum. So erwartet die Fleischbranche zusätzliche Absatzmärkte für spezielle Rinderteile wie Kutteln oder für verarbeitetes Schweinefleisch wie Schinken.

Außerdem steigt innerhalb von zehn Jahren die zollfreie Einfuhrquote für EU-Käse, Milchpulver und Babynahrung. Daneben sind weitere Vergünstigungen für Wein, Obst und gefrorene Kartoffelprodukte vorgesehen.

Mehr Nachteile als Chancen

Trotz der möglichen Chancen für die EU überwiegen insgesamt allerdings die Nachteile für die Agrarbranche. Schließlich wird der Mercosur-Deal nicht umsonst auch als Abkommen „Kühe gegen Autos“ bezeichnet. EU-Agrarkommissar Phil Hogan kündigte umgehend an, bis zu 1 Mrd. Euro an Hilfen für die europäischen Landwirte zur Verfügung zu stellen. Bleibt zu hoffen, dass sich auch der neue Agrarkommissar an diese Zusage gebunden fühlt, wenn das Abkommen 2021 in Kraft treten sollte.

Detailliertere Informationen zum Mercosur-Abkommen sowie weitere spannende Artikel zu Technik, Pflanzenbau, Tierhaltung, Politik und Management liest du in der Augustausgabe von agrarheute.

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Aufmacherbild: Adobe Stock

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