• Home
  • /
  • Allgemein
  • /
  • Meine erste JUT: Wie krass ist das denn bitteschön?!
Vor kurzem trafen sich knapp 100 junge Unternehmer zur alljährlichen Jungunternehmertagung in Herrsching. Mittendrin war auch Städterin Kristina. Sie hat einige Erkenntnisse mitgenommen, die ihr so als Fachfremde nicht bewusst waren. Lust auf einen kurzen Perspektivwechsel?

Meine erste JUT: Wie krass ist das denn bitteschön?!

Vor kurzem trafen sich knapp 100 junge Unternehmer zur alljährlichen Jungunternehmertagung in Herrsching. Mittendrin war auch Städterin Kristina. Sie hat einige Erkenntnisse mitgenommen, die ihr so als Fachfremde nicht bewusst waren. Lust auf einen kurzen Perspektivwechsel?

Landwirte zwischen Überforderung und Ansporn: Wer heute einen Hof übernimmt, muss für Alternativen und neue Wege offen sein. Das wurde auf der Herrschinger Jungunternehmertagung (JUT) mehr als deutlich. Insektenchips hier, DigiMilch da, Tierwohl-Fanatiker überall – und ich als Münchner Stadtmama mittendrin.

Unter dem Motto „Saukuhl, befügelt, krabbelig Tierhaltung – Wo geht’s hin?“ kamen am 31.1./1.2.2020 rund hundert junge Unternehmer im Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching zusammen. Für den Agrando-Blog (da bin ich nämlich als Redakteurin tätig) konnte ich spannende Themen rund um die Zukunft der Landwirtschaft sammeln. Heimgegangen bin ich aber mit weit mehr Erkenntnissen, die mir persönlich als Stadtmensch bisher so nicht bewusst waren. Habt ihr Lust auf einen kurzen Perspektivwechsel?

Vor kurzem trafen sich knapp 100 junge Unternehmer zur alljährlichen Jungunternehmertagung in Herrsching. Mittendrin war auch Städterin Kristina. Sie hat einige Erkenntnisse mitgenommen, die ihr so als Fachfremde nicht bewusst waren. Lust auf einen kurzen Perspektivwechsel?

Kristina hat auf der Jungunternehmertagung in Herrsching einige Erkenntnisse gewonnen. Foto: privat

Hier kommen meine Top 3 Wie-krass-ist-das-denn-bitteschön-Erkenntnisse als Münchner Stadtmama:

1. Die Bevölkerung misstraut unseren Landwirten und Landwirtinnen. Einfach mal so. Ganz pauschal. Und daran orientieren sich auch die Gerichtshöfe. Ein Rechtsanwalt präsentierte Umfragezahlen, nach denen 85% der Deutschen damit einverstanden sind, unerlaubt in Ställe einzudringen, um Fotos der Tiere zu machen. Sie gehen schließlich davon aus, dass es den Tieren dort grundsätzlich nicht gut geht. Wie krass ist das denn bitteschön?! Bei Firmen in der Stadt darf natürlich keiner einfach ins Büro einsteigen und mit der Fotokamera kontrollieren, ob die Mitarbeiter auch gut behandelt werden.

2. Landwirte und Landwirtinnen sind gefühlt ständig im Verteidigungsmodus – was aus Punkt 1 resultiert. Auf der Tagung wurden Geschichten ausgetauscht, die ich kaum glauben konnte. Jahrelange Gerichtsstreits mit dem Landkreis, wüste Beschimpfungen auf dem eigenen Hof, Eltern halten ihren Kindern die Augen zu, wenn der Bauer vorbeifährt … Wie krass ist das denn bitteschön?! Das hält ja keiner aus.

Wer als Unternehmer mit so starken Vorbehalten konfrontiert ist, kann sich ja gar nicht gescheit auf die Unternehmensführung konzentrieren. Das ist aber notwendig, denn der Landwirtschaft steht ein extremer Wandel bevor. Striktere Gesetze, internationaler Wettbewerb, verändertes Klima, neue Technologien … Zeit für eine Image-Reperatur á la „Ich bin gar nicht so böse, wie du über mich denkst“ bleibt da kaum.

Und eigentlich ist es doch so: Unsere Bauern und Bäuerinnen lieben ihre Äcker. Sie lieben ihre Tiere. Sie lieben, was sie tun. Diese Liebe erstreckt sich häufig über viele Generationen hinweg und liegt ihnen im Blut. Sie leben in und mit der Natur. Sie sind so stark mit ihr verwurzelt, wie ich es mir als Städterin nur träumen kann. Ich jedenfalls gönne es ihnen von Herzen! Macht weiter so

3. Gemeinsame Kommunikation ist alles – die Lösung zu Punkt 1 und 2. Nachdem ich auf der Tagung gelernt habe, dass Landwirte vor vielen Herausforderungen stehen und dass sie alle verfügbaren Chancen nutzen müssen, wurde auch eines klar: Sie müssen sich zusammentun. Was auch immer die Zukunft für unsere Bauern und Bäuerinnen bereithalten mag, ohne einen kollegialen Schulterschluss wird es die Branche kaum schaffen.

Alle Gegenspieler sind bereits besser organisiert. In der Politik sitzen kaum noch echte Landwirte. Die örtlichen Bürgerinitiativen sind schneller formiert, als man „Stallausbau“ aussprechen kann. Medien werfen beliebig mit schwammigen Sensationsbegriffen wie „Massentierhaltung“ nur so um sich. Tierschützer sind professionell vernetzt. Sie kennen alle Tricks und planen Anwaltskosten von vornherein mit ein. Was zählt, ist der öffentliche Wirbel, Hauptsache Aufmerksamkeit bekommen. Wie krass ist das denn bitteschön?!

In einem Social Media Workshop motivierte Andreas Wolfrum (@Wolfrums_Bauernhof) jeden zum sofortigen Schritt in die Öffentlichkeit (sinngemäß): Lasst nicht alles über euch ergehen. Werdet aktiv. Werdet sichtbar. Zeigt eine geschlossene Front. Unterstützt euch gegenseitig. Erzählt den Leuten, was ihr tut, warum ihr es tut und wie ihr es tut. Zeigt eure Begeisterung, euer Wissen und euer Können. Zeigt die traumhaften Sonnenaufgänge und wie schön es ist, Landwirt zu sein. Werdet transparent, auch wenn‘s schwerfällt. Nur so können wir Vertrauen schaffen und sind für die Zukunft gewappnet. Dem kann ich mich nur anschließen: Nutzen wir die Welle der tollen Agrarblogger da draußen. Der Einstieg war noch nie so einfach und der erste Schritt noch nie so wichtig für uns alle wie jetzt!

Mein Fazit

Die JUT hat mich ins Grübeln gebracht. Ich habe nun noch mehr Respekt vor der vielfältigen Arbeit unserer Landwirte. Und vor der zusätzlichen Bürde des angekratzten Images, die der landwirtschaftliche Nachwuchs tragen muss. Mit einem Blick in die Runde der Teilnehmer habe ich einerseits Verunsicherung und Ärger gesehen – auf die Politik, auf das System, auf „uns Städter“, die nur billig einkaufen wollen. Aber ich habe auch den Stolz auf ihr Handwerk gesehen, den Willen, ihre Tradition nicht aufzugeben und die Hoffnung, etwas zu bewegen. Ich bin froh, mit Agrando einen Teil zum Erfolg unserer Landwirte beizutragen. Damit sie sich mehr und mehr als aktive Unternehmer verstehen, die ihre Branche mitgestalten können.

Ich musste mich allerdings auch ehrlich fragen: Bin ich eine von „diesen Städtern“, von denen auf der Tagung so oft gesprochen wurde? Auch ich zeige meinen Kindern die Kinderbücher, in denen zwei herumstreunende Katzen, ein Hund, aufgescheuchte Hühner und drei Kühe im Stall zu sehen sind. So viel Auswahl habe ich da nicht. Auch ich habe – das gebe ich zu – sicherlich ein leicht verklärtes Bild von der Landwirtschaft. Aber ich möchte den Bezug dazu nicht verlieren und frage einfach nach, wenn ich etwas nicht verstehe.

Ich fahre jedes zweite Wochenende mit den Kindern ins Münchner Umland, um ihnen die Höfe in der Realität zu zeigen. Wir holen Milch bei der Milchtankstelle, Gemüse vom Hof, essen seit einem knappen Jahr nur noch Fleisch vom Hofmetzger. Ich möchte nicht, dass meine Kinder nur mit Tetrapacks und lila Kühen aufwachsen. Sie sollen das große Ganze verstehen, um später gute Entscheidungen beim Einkauf treffen zu können. Denn beim Einkauf entscheiden „wir Städter“ eine Menge mit.

Ja, auch ich muss aufs Geld schauen. Wer die Mieten, die Lebenshaltungskosten und die Kita-Gebühren in München kennt, weiß, dass es hier für junge Familien kein Zuckerschlecken ist. Aber gute Lebensmittel, vor allem gute Grundnahrungsmittel, bedeuten für mich Lebensqualität. Daran wird zuletzt gespart, wenn nichts anderes mehr geht. Sie sind wichtig für meine Gesundheit und das Wachstum meiner Kinder. Außerdem fühle ich mich einfach gut dabei, wenn ich weiß, woher mein Essen kommt. Ich als Städterin habe auf jeden Fall vollstes Vertrauen in unsere Hofhelden!

Eure Kristina

Hofheld war natürlich auch live dabei. Hier geht’s zum Storyhighlight auf Instagram.

Instagram-LogoFolge uns auch auf Instagram und werde Teil der Hofheld-Community!

Schreibe einen Kommentar