Projektblogger Felix Baumeister packt zurzeit auf einem Betrieb in Kanada an. Und obwohl sich dieser in der Kornkammer Kanadas befindet, dreht sich Felix' Alltag kaum um den Ackerbau.

Mein Praktikum in Kanada

Projektblogger Felix Baumeister packt zurzeit auf einem Betrieb in Kanada an. Und obwohl sich dieser in der Kornkammer Kanadas befindet, dreht sich Felix‘ Alltag kaum um den Ackerbau.

Projektblogger Felix Baumeister berichtet von seinem Praktikum in Kanada.

Projektblogger Felix Baumeister berichtet von seinem Praktikum in Kanada.

Servus Hofhelden,

ich bin der Felix und berichte euch ab heute regelmäßig von meinem Praktikum auf einer Rinderfarm in Kanada. Genauer gesagt von einem Betrieb mit 300 Mutterkühen in Saskatchewan, der Kornkammer Kanadas.

Aber bevor es losgeht, sollte ich mich vielleicht erst einmal kurz vorstellen:

Ich bin 22 und komme selber nicht von einem Hof, arbeite aber seit langem auf einem Milchviehbetrieb im südlichen Oberbayern mit. Bis Juni habe ich Landwirtschaft an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Freising studiert. Außerdem habe ich mir gedacht, dass so ein Studienabschluss doch eine ziemlich gute Gelegenheit bietet, die Hofhelden außerhalb der Heimat kennenzulernen. Nachdem mir der Deutsche Bauernverband bei der Suche nach einem passenden Betrieb und der Beschaffung eines Visums geholfen hat, bin ich schließlich am 20. Juni losgeflogen.

Vom Münchener Flughafen ging´s über Toronto in den südlichen Teil Saskatchewans nach Regina. Dort wurde ich von meiner Gastfamilie abgeholt und wir sind noch mal drei Stunden bis zur Farm gefahren. Schon im Vorfeld war mir klar, dass mich in Kanada riesige Felder erwarten werden. Dass aber nicht mal aus dem Flugzeug ein Ende der unendlichen Weite zu erkennen war, überraschte mich dann aber doch.

Projektblogger Felix Baumeister packt zurzeit auf einem Betrieb in Kanada an. Und obwohl sich dieser in der Kornkammer Kanadas befindet, dreht sich Felix' Alltag kaum um den Ackerbau.

Unendliche Weiten, wohin man auch blickt. Foto: privat

Auch der Highway 10, auf dem wir die meiste Zeit gefahren sind, führte schnurgeradeaus durch eine Landschaft von Raps- und Weizenfeldern sowie vereinzelten Bäumen und Büschen. Farmen hat man dabei nur wenige gesehen. Häufig waren diese zudem verlassen, was einem die verrosteten Maschinen vor den heruntergekommenen Gebäuden ziemlich schnell verraten haben. Die letzten 20 Minuten ging es dann noch über einen Schotterweg bis zur Farm, die geschützt von einigen Bäumen in Mitten riesiger Felder liegt. Nachbarn hat man hier nur vereinzelt in einem Umkreis von mehreren Kilometern.

Projektblogger Felix Baumeister packt zurzeit auf einem Betrieb in Kanada an. Und obwohl sich dieser in der Kornkammer Kanadas befindet, dreht sich Felix' Alltag kaum um den Ackerbau.

Zu unserer Farm führt ein laaaanger Schotterweg. Foto: privat

Nachdem ich am nächsten Tag meinen Jetlag teilweise überwunden hatte (die Zeitverschiebung beträgt 8 Stunden), haben mein Chef und ich erstmal mit dem Quad die Farm erkundet und viel über Landwirtschaft geredet. Dabei konnte ich mir langsam ein Bild von meinem Betrieb und der kanadischen Landwirtschaft machen.

Die meisten Farmen in meiner Gegend sind reine Ackerbauern bei einer durchschnittlichen Betriebsgröße von circa 1.000 bis 2.000 ha. Aber auch Betriebe mit 5.000 Hektar und mehr findet man hier. Die Fruchtfolge beschränkt sich auf das was Geld bringt. Raps und Weizen, ab und zu auch mal Hafer für den Boden. Außerdem werden vereinzelt Erbsen, Sojabohnen, Flachs und Gerste angebaut. Der Raps ist meistens gentechnisch verändert und glyphosatresistent.

Projektblogger Felix Baumeister packt zurzeit auf einem Betrieb in Kanada an. Und obwohl sich dieser in der Kornkammer Kanadas befindet, dreht sich Felix' Alltag kaum um den Ackerbau.

Das Quad ist auf der Farm ein sehr wichtiges Fahrzeug. Foto: privat

Mein Praktikumsbetrieb gehört hingegen zu den eher wenigen Betrieben in Saskatchewan, die nach der BSE-Krise an der Mutterkuhhaltung festgehalten haben. Meine Gast-Farmer Dirk und Maria halten heute 300 Mutterkühe, die nach der Schneeschmelze überwiegend im April und Mai auf der Weide abkalben. Mit einem Gewicht von circa 300-350 kg werden die Kälber dann je nach Marktlage ab September auf einem Kälbermarkt in der Stadt verkauft.

Bei der Aufzucht steht weniger eine optimale Tageszunahme im Vordergrund, als vielmehr ein möglichst geringer Arbeits- und Kostenaufwand pro erzeugtem Kalb. Die Kühe der Rassen Black und Red Angus werden das gesamte Jahr über im Freien gehalten. Gefüttert wird nur in den Wintermonaten, in denen es hier bis minus 30 °C kalt werden kann. Ansonsten stehen rund 600 ha Weidefläche zu Verfügung, auf denen die Herde je nach aufwuchs umhergetrieben wird. Der gesamte Betrieb hat ca. 1.000 ha eigene Fläche.

Projektblogger Felix Baumeister packt zurzeit auf einem Betrieb in Kanada an. Und obwohl sich dieser in der Kornkammer Kanadas befindet, dreht sich Felix' Alltag kaum um den Ackerbau.

Die 300 Mutterkühe der Farm und ihre Kälber werden im Freien gehalten. Foto: privat

Ganz auf den Ackerbau kann mein Farmer allerdings nicht verzichten. Der angebaute Hafer und die Gerste werden gemäht und zu Rundballen gepresst. Den Mais erntet man erst gar nicht. Stattdessen treibt man die Herde einfach direkt in das Maisfeld hinein. Praktisch, dass man so auch gleich wieder Nährstoffe in den Acker bringt.

Meine ersten Tage auf der Farm waren eher ruhig. Morgens fahren wir immer zuerst mit dem Quad die Weiden ab und schauen ob es unseren Mädels auch gut geht. Lässig, wenn man dann an seinem ersten Tag auch noch einen Braunbären dabei sieht. Außerdem haben wir inzwischen viel Luzerne gemäht und Kälber gebrandet. Wie das so abgelaufen ist, erzähl ich dann aber in meinem nächsten Beitrag.

Euch eine erfolgreiche Ernte in der Heimat.

Bis dahin,

Euer Felix

Hier liest Du, was Felix in Kanada alles erlebt.

>> Dir hat dieser Beitrag gefallen? Dann teile ihn jetzt mit deinen Freunden!

Schreibe einen Kommentar