Liebe vergeht, Hektar besteht?

Der wertvollste Besitz, den man haben kann, ist ein Mensch, der einen so liebt, wie man ist. Sobald jedoch materielle Dinge an oberster Stelle stehen, läuft etwas gehörig falsch. Landwirtstochter Elisabeth ärgert sich über falsche Prioriäten bei der Partnerwahl.

Im Studium habe ich mich auf Marketing spezialisiert und weiß, worauf es bei der Vermarktung von Produkten ankommt. Zunächst braucht man einen USP, also ein einzigartiges Verkaufsversprechen, um sich von seinen Konkurrenten am Markt abzuheben. Letztendlich soll dadurch der Verbraucher, der aus einer Vielzahl an möglichen Angeboten wählen kann, zum Kauf des eigenen Produktes bewegt werden.

Einen USP erzielt man etwa durch eine außergewöhnliche Verpackung, besondere Dienstleistungen, die an das Produkt gekoppelt sind, einen niedrigen Preis oder Exklusivität.

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Wenn man einmal ehrlich ist, dann läuft das in der Liebe genauso. Zunächst zählt der erste Eindruck. Singles auf der Suche ziehen sich schön an und stylen sich, um dem Objekt der Begierde überhaupt erst aufzufallen.

Schön und gut. Es ist auch logisch, da man bei 3 Milliarden Möglichkeiten irgendwo mal anfangen muss  zu selektieren. Aber eigentlich ist Aussehen doch sekundär. Hauptsächlich geht es doch um den Charakter. Dabei sollten ein paar Kilo mehr auf den Hüften, eine vielleicht nicht ganz gerade Nase oder eine schwindende Haarpracht nur nebensächlich sein. Aber was nun wirklich gar nicht zählt, sind materielle Dinge.

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Da es sich bei Gelddingen um Tabuthemen handelt und ich weiß, dass man sich hier auf dünnem Eis bewegt, sei eines vorweg gesagt: Verallgemeinerung ist die Philosophie der Primitiven. Ich möchte ganz klar betonen, dass ich im folgenden Text bei weitem nicht alle Landwirte anprangere. Außerdem existiert dieses Thema genauso auch außerhalb der Landwirtschaft. Aber da wir hier bei Hofheld sind, möchte ich ein paar wenige Berufskollegen zu einem Umdenken bewegen.

In der Landwirtschaft spielt Geld besonders oft eine große Rolle. Viele Landwirte haben, einhergehend mit viel Arbeit, einen beachtlichen Besitz. Auch wenn die Lage derzeit aufgrund der Milchpreiskrise oder schwierigen Fleischmärkte nicht so rosig ist, sieht natürlich nach außen hin alles nach viel Geld aus.  Anders als in vielen anderen Branchen, sieht man die Maschinen, die Felder, die Ställe, die Anlagen. Wie es finanziell aber wirklich um den Hof steht, ist jedoch nicht ersichtlich.

Über Geld spricht man nicht, man hat es

„Über Geld spricht man nicht, man hat es“ – so lautet auch ein Zitat von Jean Paul Getty. Mr. Getty meint damit, dass es diejenigen, die wirklich reich sind, eigentlich nicht nötig haben, darüber zu sprechen. Jeder ist es wert, aufgrund seiner Persönlichkeit respektiert und geliebt zu werden.

Jetzt gibt es aber auch zwei Gruppen, die das Geldthema zu Partnersuchzwecken doch aussprechen.

Auf der einen Seite stehen nämlich diejenigen, die die Partnerwahl als Weg zur Betriebsvergrößerung und finanziellen Absicherung wahrnehmen. Früher war das auch wichtig, da die Frau aufgrund gesellschaflticher Konventionen vom Mann abhängig war oder man z.B. in den harten Nachkriegsjahren erst wieder eine neue Existenz begründen musste. Aber diese Zeiten sind längst vorbei.

Und auf der anderen Seite haben wir die, die ihr Bankkonto als USP auf dem hart umkämpften Flirtmarkt nutzen. Sie haben oft kein Selbstbewusstsein oder es wurde ihnen von den Eltern falsch vorgelebt.

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Was zählt wirklich?

Schön ist sie nicht, aber der Betrieb ist groß

Wenn nicht der Mensch, sondern sein Besitz im Vordergrund steht, dann läuft etwas falsch. Der Fundus an bescheuerten Aussagen zu diesem Thema ist schier unerschöpflich. Ihr kennt sie doch alle, diese Sprüche. Sie stehen leider an der Tagesordnung. Vieles ist nur dummes Gerede, aber manche Aussagen tun richtig weh und sind an Respektlosigkeit kaum noch zu überbieten. Ich kann Euch mal ein paar Beispiele bringen, die ich schon gehört habe:

„Schön ist sie nicht, aber sie hat einen großen Betrieb daheim. Die muss ich mir fast warmhalten.“ (Schäm Dich, mein Freund.)

„Ich hab‘ da einen echt netten Typen kennengelernt. Aber mit dem kann ich nichts anfangen, er hat halt leider keinen Hof.“ (Google bitte mal das Wort ‚Objektophilie‘.)

„Heute ist dein Glückstag. Mit Frauen, die unter 300 Hektar besitzen, spreche ich sonst nicht.“ (Nein, da war Dein Glückstag. Eigentlich hättest Du eine Kopfnuss benötigt.)

„Das wäre Eine. Ich hab mir den Betrieb schon auf Google Maps angeschaut.“ (Stalking 4.0?)

„Hallo, ich bin der xxx. Ich habe daheim ein Lohnunternehmen.“ (Das freut mich für Dich.)

„Unsere Tochter ist so dumm. Sie hat einfach mit ihrem Freund Schluss gemacht. Bei dem wäre es ihr finanziell so gut gegangen.“ (Es sei am Rande erwähnt, dass die Tochter in der Beziehung todunglücklich war.)

„Lass den Deppen doch zahlen, der hat’s ja.“ (Richtig, der hat aber auch viel Arbeit.)

Aber wie es so oft der Fall ist, ist man im ersten Moment angesichts derartiger Aussagen so perplex, dass man gar nicht weiß, wie man darauf reagieren soll. Rückwirkend würde mir da jedoch so einiges einfallen.

I hate assholes

Mir tun einserseits diejenigen leid, die denken, dass sie nur ihres Geldes wegen liebenswert sind. Auf der anderen Seite aber auch diejenigen, die bei der Partnerwahl das Bankkonto priorisieren.

Euch möchte ich Folgendes sagen:

Das Leben ist kein Wunschkonzert. Überleg Dir also genau, mit wem Du alt werden willst. Wenn Dich jemand, als die kleine Katastrophe, die jeder von uns mit all seinen Fehlern, Makeln und Zweifeln ist, liebt, dann schätze Dich glücklich.

Schei* auf den Hof, vergiss die Hektar, hör auf Stallfenster zu zählen! Wenn’s hart auf hart im Leben kommt, dann tröstet Dich kein Hektar Mais mehr oder weniger. Dann nimmt Dich kein Bankkonto in den Arm. Dann kannst Du Dir vielleicht mit ein paar Geldscheinen die Tränen wegwischen, aber wie es Dir geht, wird niemanden interessieren. Du hast dann vielleicht einen Haufen Kohle, aber Dir wird Dein Leben lang etwas fehlen.

König Edward VIII verzichtete aus Liebe sogar auf den Thron. Und wenn ein englischer Prinz auf die Krone verzichten kann, dann kannst du auch auf ein paar Hektar verzichten. Denn das, was wirklich zählt, kann man nicht kaufen.

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