Lernen als Wettbewerbsvorteil.

Lernen als Wettbewerbsvorteil

Niemals stillstehen, sich stetig fortbilden – gerade in Zeiten des Wandels und der Entwicklungen, wie sie gerade in der Landwirtschaft passieren – ist dies ein großes und wichtiges Thema. An der Poultry Academy  in Osnabrück haben Geflügelhalter top Möglichkeiten.

Berufsqualifizierte mit und ohne formale Hochschulzugangsberechtigung, Berufstätige, Menschen mit Familienpflichten, mit Berufs- oder Bildungsabschlüssen, die im Ausland erworben wurden und solche, die ihr Studium vorzeitig und ohne Studienabschluss beendet haben – all diese spricht die Poultry Academy an. Wir haben einmal nachgefragt, was genau hinter den Toren der Hochschule Osnabrück passiert.

Was hat Sie dazu bewogen, die Poultry Academy ins Leben zu rufen?

Andersson: Unser Studienschwerpunkt „angewandte Geflügelwissenschaften“ beschäftigt sich seit gut fünf Jahren mit dem Thema Fort- und Weiterbildung im Geflügelsektor.

Mittlerweile ist ein Strauß mit verschiedenen Angebote entstanden. Die Osnabrücker Poultry Academy (OPA) haben wir gegründet, um unter deren Dach Aus-, Fort- und Weiterbildungen zu bündeln, zu organisieren und anzubieten. Die Nutztierhaltung entwickelt sich sehr dynamisch. Deswegen ist es erforderlich, eine Plattform für die Vermittlung, aber auch die Diskussion neuer Entwicklungen zu schaffen.

 Für wen sind die Lehrgänge der OPA gedacht?

Andersson: Die Palette ist breit: Die Bildungsangebote der OPA richten sich an Berufsqualifizierte mit und ohne formale Hochschulzugangsberechtigung, an Berufstätige, Personen mit Familienpflichten, Personen mit Berufs- oder Bildungsabschlüssen, die im Ausland erworben wurden, sowie Personen, die ihr Studium vorzeitig und ohne Studienabschluss beendet haben.

Kaufmann: Das sind alles Personen, die entlang der Wertschöpfungskette Geflügel arbeiten. Denn einerseits ist es ein Wettbewerbsvorteil, das eigene Wissen zu erweitern und Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vertiefen. Andererseits fordert der Gesetzgeber genau dies auch für verantwortliche Tierhalter.

 Welche Inhalte stehen auf dem Lehrplan?

Kaufmann: In unserem Zertifikatskurs „Poultry Professional“ geht es beispielsweise um anatomische, physiologische und rechtliche Grundkenntnisse, sowie um Grundlagen der Tierhygiene, Fütterung und Ernährung. Außerdem lehren wir Bestandsmanagement, Produktkunde, Aspekte des Tierhandlings und des Arbeitsschutzes. Weitere wichtige Punkte, die immer mehr an Bedeutung gewinnen, sind Kommunikation sowie Führen und Beraten.

Andersson: Innerhalb der OPA bieten wir unter anderem Grundlagenschulungen für Legehennen und Masthähnchenhaltung an. Es gibt außerdem eine englischsprachige Schulung zur Eierproduktion in alternativen Haltungssystemen und spezielle Kurse zum Ausstieg aus dem Schnabelkürzen in der Legehennenhaltung. Hinzu kommt ein Sachkundelehrgang mit abschließender Prüfung zum ordnungsgemäßen Töten und Schlachten von Nutzgeflügel.

 

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Wie profitieren Teilnehmer vom Lehrgang?

Andersson: Im Grunde bieten wir Kurse an, deren Inhalte grundsätzlich die Sachkunde abbilden oder sogar deutlich darüber hinausgehen. Leider sind die Teilnehmer anschließend nicht per se sachkundig im Sinne des Gesetzes. Hierfür bedarf es spezieller und anerkannter Sachkundekurse, die in der Regel ausschließlich seitens der Landwirtschaftskammer angeboten werden. Eine Ausnahme stellt der bereits erwähnte Kurs zum ordnungsgemäßen Töten und Schlachten von Nutzgeflügel dar. Gleichzeitig suchen wir nach Möglichkeiten, auch unsere weiteren Angebote anerkennen zu lassen.

Kaufmann: Grundsätzlich profitieren die Teilnehmer von der Wissenserweiterung im Sinne eines Wettbewerbsvorteils. Aber mit einem einmaligen Kurs ist es nicht getan. Für „Poultry Professional“ haben wir eigens ein Punktesystem etabliert, das den Teilnehmer dazu anhält, sich weiterfortzubilden. Hat er das Zertifikat „Poultry Professional“ erhalten, muss er diesen Status durch weitere Fortbildungen nachweisen. Dieses System ist aus der Human- und Veterinärmedizin bekannt, im Agrarbereich aber absolut neu und einzigartig. Obwohl dies durch das Tierschutzgesetz eigentlich schon seit Längerem gefordert ist.

 Brauchen wir solche Sachkundelehrgänge? Auch für andere Nutztiere?

Andersson: Natürlich. Warum sollte der Geflügelbereich eine Sonderstellung einnehmen? Gemäß Tierschutzgesetz müssen alle Tierhalter entsprechende Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben und auch aufrechterhalten.

Bislang gibt es jedoch nur für den Geflügelbereich konkrete Regelungen. Das heißt, nur für die Masthähnchen ist explizit formuliert, was Sachkundige konkret können müssen. Daran angelehnt sind die bundeseinheitlichen Eckwerte für eine freiwillige Vereinbarung zur Haltung von Mastputen. Es ist zu erwarten, dass entsprechende Formulierungen auch für die anderen Nutztiere folgen.

Also braucht es für alle Nutztierhalter lebenslange, verpflichtende Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen?

Kaufmann: Ja, denn eine Ausbildung oder auch ein Studium allein reichen nicht. Es braucht eine Verpflichtung zur kontinuierlichen Fortbildung und letztlich gibt es diese seit der letzten Novelle des Tierschutzgesetzes mit § 11 bereits.

Andersson: Eine fundierte Grundqualifikation ist sicher hilfreich und wünschenswert. Aber neue Erkenntnisse, der Fortschritt sowie sich ständig ändernde Rahmenbedingungen machen ein lebenslanges Lernen unabdingbar. Daher ist es völlig zurecht verpflichtend.

 

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