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Der Druck in der Landwirtschaft wächst. Doch was heißt das eigentlich für die Landwirtinnen und Landwirte? Gastblogger Jonas schreibt seine Gedanken dazu auf.

Von Leistungsdruck und was dieser mit einem macht

Der Druck in der Landwirtschaft wächst. Doch was heißt das eigentlich für die Landwirtinnen und Landwirte? Gastblogger Jonas schreibt seine Gedanken dazu auf.

Hallo liebe Hofhelden,

ich denke, viele von uns haben schon einmal das Gefühl gehabt, den geforderten Leistungen nicht zu entsprechen. Doch was dies auf Dauer mit einem macht, wissen die wenigsten.

Leistungsgesellschaft

Den Begriff haben wir alle schon einmal gehört. Doch was bedeutet er den eigentlich? Dem Wörterbuch entsprechend lautet die Definition folgendermaßen: „Gesellschaft, in der vor allem die persönlichen Leistungen des Einzelnen für eine soziale Stellung, sein Ansehen, seinen Erfolg usw. ausschlaggebend sind.“ Uns wird von klein auf beigebracht, dass es wichtig ist, gute Leistungen zu erbringen. Sei es in der Schule, beim Sport oder bei der Arbeit. Unsere erbrachte Leistung entscheidet am Ende darüber, ob wir die gute Note bekommen, die Beförderung erhalten oder den ersten Platz beim Wettkampf machen. Doch unsere erbrachten Leistungen entscheiden auch über unser Ansehen in der Gesellschaft. So wird in der Gesellschaft oft von Leistung auf den Wert einer Person geschlossen.

Druck in der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft sieht sich angesichts des Strukturwandels in einer äußerst prekären Lage. Der gesellschaftliche Druck wird immer größer. Forderungen nach mehr Tierwohl, Klimaschutz und Biodiversität sind starke Faktoren, die den Strukturwandel vorantreiben. Zukünftige Betriebsleiter stehen immer mehr unter Druck. Betriebsübernahmen werden zu Langfristentscheidungen, von Planungssicherheit lässt sich mit Blick auf unsere „schizophrene Gesellschaft“, die das eine fordert aber das andere kauft, derzeit nicht sprechen. Die Margen werden voraussichtlich gering bleiben und der Wettbewerbs- und Leistungsdruck auf die Landwirte permanent steigen.

Leistungsdruck und seine Folgen

Bei vielen und Menschen führt dies zu sogenanntem „Leistungsdruck“. Unter Leistungsdruck versteht man: „psychischen Druck ausgelöst durch den Zwang zu hoher Leistung“. So geht Leistungsdruck mit Symptomen wie Zittern, Schwitzen, Nervosität, Atemnot, Herzrasen, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen und Fluchtgedanken einher. Die genannten Symptome können in entscheidenden Momenten zu Denkblockaden und Blackouts bis hin zum Burnout führen. Jedoch kann Leistungsdruck auch zu weitaus schlimmeren folgen führen, falls die betroffene Person unter diesem Druck zerbricht.

Lange ein Tabuthema gewesen

Viele Landwirte besitzen einen inneren Antrieb, der sie gefährdet: ihre hohe Arbeitsmoral. Viele kennen nichts anderes als zu arbeiten, zu funktionieren und auf ihre Psyche wenig Rücksicht zu nehmen. Landwirte sind eine Hochrisikogruppe. Viele Landwirte arbeiten auch wenn sie körperlich krank sind, sich der Hof sich nicht mehr trägt oder die Familie leidet. Das Problem, das sich bei vielen Betroffenen auftut? Sie lassen sich nichts anmerken, bis es am Ende zu spät ist! Dabei ist es keineswegs eine Schande, sich jemanden mit seinen Sorgen anzuvertrauen. Netzwerke von Landwirten für Landwirte, Beratungsstellen der Landwirtschaftskammer oder kirchliche Einrichtungen bieten Hilfe in solch verfänglichen Situationen. Es ist in Ordnung sich einzugestehen, nicht alles zu schaffen zu können. Es ist wichtig, auf seinen Körper zu hören und diesen nicht zu überhören.

Die Quintessenz, die ich Euch mit diesem Beitrag auf dem Weg geben möchte ist: Es ist okay, sich auch mal Pausen einzuräumen. Kommuniziert Eure Probleme offen, nur so können andere Euch helfen. Wenn man mit etwas nicht allein fertig wird, ist es in Ordnung, sich Hilfe von der Familie oder außerhalb zu holen.

Das soll es erstmal von mir gewesen sein. Ich hoffe, der Beitrag hat Euch gefallen und vielleicht konnte der ein oder andere auch was für sich mitnehmen. Passt auf Euch auf!

Euer Jonas

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