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Melken unter Beschuss, ein besonders aggresiver Bananen-Pilz und Orangen direkt vom Baum - die Jungunternehmerreise des Bayerischen Bauernverbands führte in ein Land, das die meisten nur aus dem Fernsehen kennen. Theresia berichtet, wie es war.

Bananen, Bomben und Bewässerung – ein Besuch in Israel

Melken unter Beschuss, ein besonders aggresiver Bananen-Pilz und hochmoderne Bewässerung – die Jungunternehmerreise des Bayerischen Bauernverbands führte in ein Land, das die meisten nur aus dem Fernsehen kennen. Theresia berichtet, wie es war.

Hallo Hofhelden,

Ende Februar führte uns – mich und 12 jungen Landwirtinnen und Landwirten aus Bayern – die Jungunternehmerreise des Bayerischen Bauernverbands nach Israel. In diesem Beitrag möchte ich Euch berichten, welche Erfahrungen wir gemacht haben und wie wir die Landwirtschaft in dem uns fremden Land erlebt haben.

Melken unter Beschuss, ein besonders aggresiver Bananen-Pilz und Orangen direkt vom Baum - die Jungunternehmerreise des Bayerischen Bauernverbands führte in ein Land, das die meisten nur aus dem Fernsehen kennen. Theresia berichtet, wie es war.

Für eine Gruppe Junglandwirte ging es im Februar nach Israel. Foto: BBV

Zu der Zeit blüht rund um den See Genezareth wilder Senf. Die Gerste hat schon Ähren geschoben und die Orangenbäume tragen ihre letzten Früchte. Auf den saftig grünen Bergen der Golanhöhen weiden Rinder. Kaum vorstellbar, dass nur 30 Kilometer südöstlich von diesem Paradies die Steinwüste beginnt. Im Sommer legen sich Temperaturen bis über 40°C auf die Bilderbuchlandschaft und die Hitze lässt alles, was nicht künstlich bewässert wird, verdorren. Mit 20.770 Quadratkilometern Fläche ist Israel nur etwas größer als Oberbayern.

Mitarbeiter der Kibbuzz Sha`ar HaGolan. bei der Pflege der Dattelpalmen. Foto: Sailer

Am Südende des See Genezareths im Jordantal – der Grenze zu Jordanien – liegt der Kibbuz Sha`ar HaGolan. Ende der dreißiger Jahre wurde diese landwirtschaftliche Kollektivsiedlung von jungen jüdischen Einwanderern aus Osteuropa gegründet und das karge, trockene Land fruchtbar gemacht. Wie dort fanden sich auch in anderen Teilen Israels vor über 100 Jahren Idealisten in solchen Gemeinschaften zusammen.

Melken unter Beschuss, ein besonders aggresiver Bananen-Pilz und Orangen direkt vom Baum - die Jungunternehmerreise des Bayerischen Bauernverbands führte in ein Land, das die meisten nur aus dem Fernsehen kennen. Theresia berichtet, wie es war.

Die Bananenplantagen sind mit Schutznetzen bespannt. Den Fruchtständen werden bis zur Ernte der Bananen spezielle Kunststoffsäcke zum Schutz vor Krankheiten und Schädlingen übergestülpt. Foto: Sailer

Auf den Feldern rund um Sha`ar HaGolan wachsen Dattelpalmen, Avocados, Oliven, Zitrusfrüchte und Bananen. Alle Bananenplantagen sind als Schutz vor Vögeln, Insekten aber auch gegen Austrocknung mit Netzen umspannt. Die Bananenplantagen zu betreten ist strengstens verboten, denn weltweit sind Bananenpflanzen der Sorte Cavendish vom Pilz TR4 bedroht. Selbst Pflanzenschutzmittel können bei einer Infektion kaum mehr helfen, erklärt uns eine Mitarbeiterin. Neben dem Obstanbau, einem großen Gästehaus und einer Fabrik für Kunststoffteile ist der Kibbuz auch auf Milchviehhaltung spezialisiert. Über 700 Tiere stehen im Stall, die Kälber werden über eine Pipeline versorgt. Drei Mal am Tag – alle acht Stunden werden die Kühe im Melkstand gemolken – bei der Milchleistung gehört Israel zur Weltspitze.

Farmer unter 60 Jahre sind eine Rarität

Neben den Kibbuzim gibt es in Israel auch private Betriebe. Ganz im Norden Israels lernen wir den 45-jährigen Landwirt Omer von der Kurlender Farm kennen. „Farmer unter 60 Jahren sind bei uns eine Rarität“, begrüßt er mit einem Schmunzeln unsere Gruppe Junglandwirte auf dem Hof.

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Orangen und Mandarinen frisch vom Baum gepflückt sind ein besonderer Genuss. Landwirt Omer von der Kurlender-Farm erklärt ausführlich den Anbau der Früchte. Foto: BBV

Omer studierte und war lange Jahre als Sicherheitsmanager bei einer Fluggesellschaft angestellt. Eine landwirtschaftliche Ausbildung ist in Israel nicht üblich, man besucht Kurse um sich das Wichtigste an zu eigenen. Er selbst hat sich erst spät für die Landwirtschaft und den Familienbetrieb entschieden. Anfang der 50er Jahre kamen seine Großeltern aus Transsilvanien und ließen sich in der fruchtbaren Gegend zwischen Jordan-Zuflüssen nieder. Der Großteil des Landes in Israel ist auf 99 Jahre gepachtet. Mit einer Größe von 50 Hektar ist der Betrieb von Omer und seiner Familie deutlich größer als der durchschnittliche private israelische Betrieb mit vier Hektar. „Man muss größer werden um bestehen zu können“, erklärt er uns.

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Mit 50 ha ist Omers Betrieb verhältnismäßig groß. Foto: BBV

Bevor wir den Kuhstall mit 180 melkenden Kühen betreten bleibt Omer kurz stehen und zeigt auf Metallstücke die an der Stallwand befestigt sind. „Wer erkennt das?“ frägt er uns und zeigt auf Teile einer Rakete aus dem Jahr 2006, die nur ein paar Meter neben dem Stall einschlug. In diesem Moment wird uns wieder bewusst, dass wir nur wenige Kilometer an der Grenze zu Libanon und Syrien sind. Omer verdeutlicht: „Seit 1951 haben wir keine Melkzeit ausgelassen, auch wenn wir unter Beschuss waren.“

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Omer zeigte uns die Überreste einer Rakete, die 2006 nur wenige Meter neben seinem Stall einschlugen. Foto: BBV

Bis auf die offene Bauart und das Einstreu schaut alles wie ein für deutsche Augen gewöhnlicher Stall aus. Die Kühe auf der Kurlender Farm stehen in einem Kompoststall. Wie es um die Klauengesundheit steht möchten wir da gleich wissen. „Ich bin ein Klauenspezialist“, erklärt Omer. Gemeinsam mit einem Mitarbeiter kümmert er sich um die Pediküre seiner Mitarbeiterinnen. Doch eines erkennt man nicht von außen, der Landwirt scherzt: „Meine Kühe sind extrem religiös, meine Kühe sind koscher.“ So dürfen die Tiere am Sabbat, dem jüdischen Ruhetag nicht von Juden gemolken werden. An diesem Tag springen die asiatischen Mitarbeiter ein. Die Tage vor dem Passahfest ist außerdem Weizen tabu für die Kühe. Omer findet das selbst ein bisschen „crazy“, aber für das extra an Bezahlung lohnt sich das Koscher-Zertifikat.

Melken unter Beschuss, ein besonders aggresiver Bananen-Pilz und Orangen direkt vom Baum - die Jungunternehmerreise des Bayerischen Bauernverbands führte in ein Land, das die meisten nur aus dem Fernsehen kennen. Theresia berichtet, wie es war.

Besuch im Kuhstall: In Israel sind überwiegend Kompostställe verbreitet. Leistungsmindernd im Sommer wirken sich vor allem die sehr heißen Temperaturen aus. Die Ställe sind daher alle sehr offen gebaut und mit Ventilatoren und Kuhduschen ausgestattet. Foto: BBV

Das Futter für die Kühe kommt nicht von den eigenen Flächen, sondern wird fast komplett zugekauft. Auf den eigenen Feldern um den Hof wachsen Orangen, Zitronen, Mandarinen und Pomelo. Wir dürfen alle Früchte frisch vom Baum probieren und uns die Taschen und Rucksäcke als Reiseproviant für die nächsten Tage voll packen. Die Früchte werden teils konventionell, teils biologisch für den Export nach Europa und USA angebaut. Alle Flächen werden bewässert. „Zwei Dinge hat Israel der Welt gebracht: Die Bibel und die Tröpfchen-Bewässerung“, schmunzelt Omer und wir fahren zurück zum Hof, um den Hofladen mit Käserei und Café besuchen.

Melken unter Beschuss, ein besonders aggresiver Bananen-Pilz und Orangen direkt vom Baum - die Jungunternehmerreise des Bayerischen Bauernverbands führte in ein Land, das die meisten nur aus dem Fernsehen kennen. Theresia berichtet, wie es war.

Zu Omers Betrieb gehört auch ein Hofladen mit Café. Foto: BBV

Weil die Kurlender Farm in einem wasserreichen Tal sitzt, wird noch Trinkwasser für die Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen verwendet. Doch in Israel ist das die Ausnahme. Weil die natürlichen Wasserquellen wie der See Genezareth und Aquifere entlang der Küsten und des Gebirges nicht einmal für die Hälfte der Bevölkerung und schon gar nicht für die Landwirtschaft reichen, musste das Land schon früh neue Möglichkeiten finden. Bald sechs Meerwasserentsalzungsanlagen sorgen für eine ausreichende Trinkwasserversorgung. Das Abwasser wird weiter genutzt. So werden 90 Prozent des Wassers geklärt und für die Bewässerung verwendet. Im ganzen Land wird Wasser durch lila gefärbte, großteils oberirdische Leitungen gepumpt und der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt.

Melken unter Beschuss, ein besonders aggresiver Bananen-Pilz und Orangen direkt vom Baum - die Jungunternehmerreise des Bayerischen Bauernverbands führte in ein Land, das die meisten nur aus dem Fernsehen kennen. Theresia berichtet, wie es war.

Zwei Reiseteilnehmerinnen auf einer Anhöhe nahe des Toten Meers. Der Wasserstand ist in den letzten Jahren dramatisch gesunken. Trotz alle dem genossen die Junglandwirte die Schwerelosigkeit des Wassers bei einer Badepause. Foto: BBV

Auf dem Weg vom Seen Genezareth nach Jerusalem besuchen wir den Ort Magal der im schmalen israelischen Landstreifen zwischen dem Mittelmeer und dem Westjordanland liegt. Anfang der 60er Jahre erfand der israelische Ingenieur Simcha Blass das System der Tröpfchen-Bewässerung im Kibbuz Chazerim in der Negev Wüste. Auf der Suche nach Partnerbetrieben wurde damals der Kibbuz Magal mit in das Boot geholt und die Grundsteine der Firma Netafim waren gelegt. Netafim ist heute weltweit einer der größten Hersteller für Bewässerungstechnik. Die beiden Kibbuzim haben schon vor einigen Jahren den Großteil ihrer Netafim-Anteile verkauft. Heute befinden sich in Magal noch Fabriken und Teile der Forschung- und Entwicklung.

Melken unter Beschuss, ein besonders aggresiver Bananen-Pilz und Orangen direkt vom Baum - die Jungunternehmerreise des Bayerischen Bauernverbands führte in ein Land, das die meisten nur aus dem Fernsehen kennen. Theresia berichtet, wie es war.

Auf dem Kibbuzz Magal findet u.a. die Forschung und Entwicklung der Firma Netafim statt. Auch einige der bayerischen Landwirte nutzen Bewässerungstechniken und waren besonders interessiert. Foto: BBV

Kulturell, religiös, landschaftlich, landwirtschaftlich. Israel ist ein Land der Vielfalt, aber auch der Gegensätze. Wir haben beeindruckende Orte erlebt und Orte besucht, die uns nachdenklich gemacht haben. Sicherheitsbedenken hatten wir zu keiner Zeit, einzig unser Busfahrer bereitete uns etwas Herzklopfen, als er sich mutig durch den Berufsverkehr schlängelte. Wir haben schwerelos im Toten Meer gebadet, einen Gebetszettel in die Klagemauer gesteckt, in Jerusalem auf der Straße getanzt und gefeiert und sind als eine Gruppe Freunde aus Israel zurückgekehrt.

Die nächste Jungunternehmerreise soll im Frühsommer 2020 nach Osteuropa führen. Ob allein, als Paar oder mit Freunden – alle Neu-Interessierten sind herzlich willkommen bei uns!

Deine Theresia

Referentin der Arbeitsgemeinschaft der Landjugend beim Bayerischen Bauernverband

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