Wie Jäger und Landwirte zusammenarbeiten

Wie Landwirtschaft und das Wild in seiner Brut- und Setzzeit gemeinsam gut durch den ereignisreichen Frühling kommen, wo die Gefahren liegen und was die Natur sich bei all dem gedacht hat, berichtet Hannes.

Hannes-Friedrich ist leidenschaftlicher Jäger und Landwirt.

Hannes-Friedrich ist leidenschaftlicher Jäger und Landwirt.

Hallo Hofhelden,

nicht nur die Vegetation schreitet voran, auch Nachkommen verschiedenster Wildarten befinden sich im Aufwuchs. Angepasst an die Jahreszeiten sieht die Evolution vor, Nachkommen zu einer milden Zeit auf die Welt zu bringen – dem Frühjahr.

Zu dieser Jahreszeit sind die Überlebenschancen für das an die Witterung gebundene Wild am höchsten. Die Tagestemperatursummen vom Frühjahr bis zum Herbst ermöglichen optimale Überlebenschancen und der Nachwuchs startet bestens ernährt und im optimalen Alter in den Winter. Zu kälteren Jahreszeiten ist speziell das Nahrungsangebot gering, aber auch die Temperaturen niedrig. Ähnlich sieht es hier die Menschheitsgeschichte, denn auch die Frühlingsgefühle beruhen auf den optimalen Zeitpunkt einer Geburt im kommenden Jahr.

Wie Landwirtschaft und das Wild in seiner Brut- und Setzzeit gemeinsam gut durch den ereignisreichen Frühling kommen, wo die Gefahren liegen und was die Natur sich bei all dem gedacht hat, berichtet Hannes.

Nicht nur die Vegetation befindet sich im Aufwuchs, sondern auch der Wildnachwuchs. Foto: privat

Kitze retten

Die Arbeitsaktivität auf den landwirtschaftlichen Flächen korreliert hier an einigen Stellen mit den Brutzeiten des Wildes. Durch intensive Aufklärung in der Vergangenheit kennt hier jeder Landwirt die Probleme beim Mähen seiner Wiesen, denn hier werden die Kitze von den Ricken abgelegt und finden so Deckung vor Prädatoren wie Füchsen aber auch Beutegreifern aus der Luft. Das Gesetzt schreibt hier mittlerweile vor, seine Mäharbeiten so durchzuführen, dass die abgelegten Kitze die besten Überlebenschancen haben. Problematik ist hier auch, dass die Kitze von den Ricken über verschiedene Fieptöne abgelegt werden und somit die Anweisung bekommen sich nicht zu bewegen, was im schlimmsten Fall beim Mähen den Tod bedeutet.

Hier heißt es also schon für den Landwirt äußerste Obacht und Ausschau halten nach den Nachkömmlingen. Hier kann ein guter Draht zwischen Jäger und Landwirt helfen, Leben zu retten. Jäger sind sich der Verantwortung bewusst und schauen sich die Gegebenheiten fürs Mähen nach einem kurzen Anruf meist an und freuen sich umso mehr, hier unterstützen zu können. Mittlerweile gibt es auch schon verschiedene Baugeräte, die direkt vor dem Mäher die Umgebung auf Lebewesen kontrollieren.

In unserem Revier suchen wir in der Gemeinschaft einen Tag vor dem Mähen oder am selben Tag Wiesen mit Hunden ab und sorgen für Unruhe. Meist reicht hier schon die verbreitete Witterung des Menschen und der Hunde dafür, dass Ricken ihre Kitze im Anschluss aus den Wiesen holen und vor der Gefahr schützen.

Drohne zur Kitzrettung

Mittlerweile kommen Drohnen häufig zur Rettung von Kitzen in Mähweiden zum Einsatz. Quelle: pixabay

Bodenbrüter schützen

Auch auf den Ackerflächen kann es hier zu Begegnungen zwischen Jungtier und Maschine kommen.Die Feldspritze verursacht dabei, wie oft behauptet, allerdings keine Schäden am Niederwild. Es sind eher die Alternativen, wie der Unkrautstriegel, die die Tiere verletzen. Mittlerweile ausgestattet mit hohen Arbeitsbreiten und meist auch hohen Arbeitsgeschwindigkeiten, werden die Striegel in der Brut- und Setzzeit als maschineller Unkrautbekämpfer genutzt. Dabei streichen flächendeckend Zinken über den Boden und lockern das Unkraut aus dem Boden – keine Überlebenschance für abgelegtes Niederwild oder Nester von Bodenbrütern.

Solche Fakten werden von Politik und auch Gesellschaftsvertretern bei der Argumentation zur ökologischen Landwirtschaft meist völlig außer Acht gelasen,  spielen aber bei unserer außergewöhnlichen Artenvielfalt eine entsprechende Rolle bei den Besätzen des Niederwildes. Auch die Bodenbearbeitung für die Frühjahrsbestellung kann hier die Überlebenschancen reduzieren.

In unserem Jagdrevier wird versucht bestmöglich Rückzugsorte für Brüter wie Fasan, Feldhasen und übriges Federwild wie das Rebhuhn zu bilden. Wildäcker, Hecken, Feldgehölze, Benjeshecken werden gepflegt und angelegt. Jeder Landwirt kann hier etwas für Wild und die Jagd tun, ohne dabei hohen Kosten ausgesetzt zu sein. Eine Absprache zwischen Landwirt und Jäger wird dabei vorausgesetzt.

Beste Grüße und gutes Gelingen!

Euer Hannes

 

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