Der Stellplatzführer „Landvergnügen“ führt Camper von Hof zu Hof. Hofheld Philipp hat den Selbsttest gemacht und für Euch ein paar Fragen geklärt: Was muss ein Bauernhof anbieten, um teilzunehmen? Und was hat der Landwirt davon?

Landvergnüngen: Camping auf dem Bauernhof

Der Stellplatzführer „Landvergnügen“ führt Camper von Hof zu Hof. Hofheld Philipp hat den Selbsttest gemacht und für Euch ein paar Fragen geklärt: Was muss ein Bauernhof anbieten, um teilzunehmen? Und was hat der Landwirt davon?

Originalbeitrag von Philipp von Rössing, agrarheute

Eigentlich hatten wir große Reisepläne für 2020. Die Familie in Übersee besuchen, oder vielleicht doch ein Ferienhaus in Südfrankreich mieten? Doch dieses Jahr ist bekanntlich alles anders. Corona hat Europa und die Welt im Frühjahr mit Wucht getroffen, das öffentliche Leben, der internationale Reiseverkehr kam im Nu zum Erliegen. Also mussten auch unsere Pläne überarbeitet werden, nur dass wir unterwegs sein wollten, das stand nach Monaten des Lockdowns und Homeoffices fest wie bei so vielen Familien im ganzen Land.

Der Stellplatzführer „Landvergnügen“ führt Camper von Hof zu Hof. Hofheld Philipp hat den Selbsttest gemacht und für Euch ein paar Fragen geklärt: Was muss ein Bauernhof anbieten, um teilzunehmen? Und was hat der Landwirt davon?

Statt Urlaub in Übersee entschieden sich Hofheld Philipp und seine Frau Alix für einen Camping-Urlaub mitten in der Natur. Foto: Philipp von Rössing

Ein Abend mit Google Maps später steht fest: eine Rundreise durch Deutschland soll es werden. Der Tipp kommt von einer Kollegin: „Kennt ihr eigentlich schon Landvergnügen?“ Dabei handelt es sich um einen Stellplatzführer für Camper. Die Besonderheit ist, dass das dicke Buch uns nicht von Campingplatz zu Campingplatz, sondern von Hof zu Hof führt. Über 650 landwirtschaftliche Betriebe in ganz Deutschland sind gelistet. Vom Nebenerwerbler mit Schafhaltung bis zum großen Milchviehbetrieb an der Ostseeküste ist alles vertreten.

Uns zieht es an die Küste. Nach einigen Stunden Fahrt sind wir bei Familie Riecken auf dem Eichhof in Großbarkau bei Kiel angekommen. Der Milchviehbetrieb mit 70 Milchkühen wirtschaftet seit 2017 ökologisch und setzt voll auf die Direktvermarktung. In der hofeigenen Meierei entstehen unter der Leitung von Mutter Kherstin Riecken tagtäglich pasteurisierte Milch, Joghurt und verschiedene Käsespezialitäten. Unter dem Label „rieckens landmilch“ gibt es mittlerweile auch Steaks, Burger und Wurstspezialitäten. Geschlachtet werden etwa 30 Rinder pro Jahr.

Der Stellplatzführer „Landvergnügen“ führt Camper von Hof zu Hof. Hofheld Philipp hat den Selbsttest gemacht und für Euch ein paar Fragen geklärt: Was muss ein Bauernhof anbieten, um teilzunehmen? Und was hat der Landwirt davon?

Der Hof von Sina Riecken und ihrer Familie ist einer von über 650 Landvergnüngen-Höfen. Foto: Philipp von Rössing

Tochter Sina nimmt uns in Empfang. Die 27-Jährige kümmert sich auf dem Betrieb um das Marketing und den Vertrieb. Dazu gehört neben den Social-Media-Kanälen und der Bewerbung des Hofladens und der hofeigenen Meierei eben auch die Stellplatzvermittlung über Landvergnügen.

Der Stellplatzführer erschien dieses Jahr bereits zum vierten Mal. Nach dem schon seit 20 Jahren sehr erfolgreichen französischen Vorbild „France Passion“ gibt es jedes Jahr den gedruckten Wälzer mit Adressen und detaillierten Beschreibungen der gastgebenden Höfe sowie eine Klebevignette für das Reisemobil. Die Besonderheit gegenüber herkömmlichen Campingplätzen: Die Übernachtungen sind kostenlos.

Direktvermarkter profitieren

Doch für wen lohnt sich die Teilnahme am Programm denn dann? In erster Linie sind das Betriebe, die ihre Produkte direkt am Hof vermarkten und mit den durchreisenden Camper gleichzeitig auch Kunden gewinnen. Auch wer an einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit interessiert ist, kann ein Kandidat für das Landvergnügen sein.

„Als Person sollte man schon flexibel und offen sein“, sagt Sina Riecken. Es komme schon einmal vor, dass Reisende sich kurzfristig anmeldeten, dann aber nicht kämen. Eine gewisse Aufgeschlossenheit und die Bereitschaft, auch mal unbequeme Fragen zu Betriebsabläufen, gerade in der Tierhaltung, zu beantworten, gehöre auch dazu.

Der Stellplatzführer „Landvergnügen“ führt Camper von Hof zu Hof. Hofheld Philipp hat den Selbsttest gemacht und für Euch ein paar Fragen geklärt: Was muss ein Bauernhof anbieten, um teilzunehmen? Und was hat der Landwirt davon?

Schöner Nebeneffetk: die Camper kaufen oft im Hofladen ein. Foto: Philipp von Rössing

Für Familie Riecken jedenfalls ist Landvergnügen auch oder vielleicht gerade wegen Corona ein Erfolgsmodell. „Die Übernachtungszahlen sind durch die Decke gegangen. Mittlerweile sind wir eigentlich jede Nacht belegt.“ So kämen zwischen 14 und 20 Übernachtungen pro Woche zusammen. Vor allem an Feiertagswochenenden und in den Sommer- und Herbstferien sei die Nachfrage hoch. Großartig im Voraus planen sollte man eine Reise mit Landvergnügen aber nicht. Das Konzept sieht vor, dass man sich am Tag vor der Anreise telefonisch beim Landwirt anmeldet, damit es für beide Seiten keine unliebsamen Überraschungen gibt. Nach einer Übernachtung heißt es in der Regel „auf Wiedersehen“.

Nach einer kurzen Einweisung in die Betriebsabläufe zeigt Sina uns unseren Stellplatz, eine kleine Nische mit großem Ausblick. Direkt hinter dem Milchviehstall im Außenbereich am Rande einer großen Weide können wir die Nacht mitten im Grünen verbringen. Eine herrliche Abwechslung zu der parzellierten Enge typischer deutscher Campingplätze. Dafür müssen wir auf die ein oder andere Annehmlichkeit vorübergehend verzichten. Strom und fließend Wasser gibt es hier nicht. Der Weg zur Toilette ist etwa 500 m weit.

Was muss vor Ort sein?

Grundsätzlich bleibt es jedem Anbieter selbst überlassen, was er seinen Gästen bieten möchte oder kann. Mindestens ist es natürlich ein Stellplatz für das Reisemobil, den Caravan oder das Auto. Möglich ist aber auch, die Urlauber mit Frischwasser für die Tanks, Strom am Platz, Toiletten oder gar Duschen zu versorgen. Diese besonderen Extras werden im Reiseführer mit entsprechenden Piktogrammen hervorgehoben. Natürlich kann man für diesen Mehraufwand auch einen Obolus verlangen. Viel geboten bekommt man aber immer, denn es geht bei Landvergnügen ja auch darum, Einblicke in die Landwirtschaft zu gewähren.

Der Stellplatzführer „Landvergnügen“ führt Camper von Hof zu Hof. Hofheld Philipp hat den Selbsttest gemacht und für Euch ein paar Fragen geklärt: Was muss ein Bauernhof anbieten, um teilzunehmen? Und was hat der Landwirt davon?

Landvergnünge-Urlauber bekommen einen Einblick in die Landwirtschaft. So wie hier auf dem Hof der Familie Riecken. Foto: Philipp von Rössing

Und so braust – kaum haben wir unseren VW-Bus geparkt – Kherstin Riecken auf dem Fahrrad um die Ecke: „Wir melken gerade – wenn Ihr euch beeilt, könnt ihr zuschauen.“ Viele Zuschauer bei der Arbeit sind die Rieckens ohnehin gewöhnt, denn schon länger gehört auch Bauernhofpädagogik zum Programm, um den Kindern aus dem nahen Kiel die Landwirtschaft näherzubringen. „So können die Kinder selber sehen, was auf dem Hof passiert“.

Auch deshalb habe man sich für Landvergnügen entschieden. „Damit wir die Leute zurück auf die Höfe bringen und ehrlich und transparent zeigen, was wir machen.“ Landwirtschaft zum Anfassen, das bewege die Gäste immer.

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