Schweinestall wird zu Legehennenstall

KTBL: Vom Schweine- zum Legehennenstall

„Aus Alt mach Neu -Zukunftsweisende Stallanlagen durch Umbau“ – unter diesem Motto stand der diesjährige Bundeswettbewerb Landwirtschaftliches Bauen des BMEL und des KTBL.Wir stellen Euch nun einzelne Gewinner vor!

Am Ende einer Jury-Tour standen sechs Gewinner fest, die auf der EuroTier ihren Preis und alle Zuschauer einen wunderbaren Einblick in ihrer Betriebskonzepte und Stallungen bekamen. Einer dieser Betriebe ist der, der Familie Dörr:

Im Herzen des Saarlandes liegt der Wackenberger Hof. Wo einst die Großeltern Dörr mit 7 Morgen Land in den 1960er-Jahren zu wirken begannen, haben nun Matthias und Hiltrud Dörr mit ihrer Familie einen breit aufgestellten Familienbetrieb mit Zukunft geschaffen.

Während Matthias Dörr hauptsächlich beim Maschinenring arbeitet, haben sich zwei seiner Söhne nach dem Studium dafür entschieden, im heimischen Betrieb einzusteigen. Auf 170 Hektar Ackerfläche wird neben Getreide und Kartoffeln auch Freilandgemüse angebaut. Tragende Säule des Betriebes ist die Direktvermarktung. In einem kleinen Holzhäuschen, das direkt an der Landstraße steht, bedient Familie Dörr die „Laufkundschaft“ aus der Region. Hier werden rund um die Uhr die betriebseigenen Produkte angeboten. Die Bezahlung erfolgt auf Vertrauensbasis.

Die exponierte Lage des leerstehenden Schweinestalles aus den 1970er-Jahren direkt an der Verbindungsstraße zwischen Dorf und Autobahn bewog Familie Dörr, einen weiteren Entwicklungsschritt zu vollziehen. Hofnachfolger Johannes Dörr hat ihn – gemeinsam mit der Familie – in viel Eigenarbeit zu einem Legehennenstall mit Wintergarten und Freigelände umgebaut. Die so produzierten Eier komplettieren das Angebot der Direktvermarktung.

Seit nunmehr drei Jahren arbeitet der Wackenberger Hof nach Bioland-Richtlinien. Impulsgeber zur Umstellung war Frau Dörr: „Die Bereitschaft zum Einlassen auf den ökologischen Landbau musste wachsen.“

Hühner im Wintergarten

Die Hühner in ihrem Wintergarten. Und die Kunden können schon von der Straße aus einen Blick auf die Tiere werfen. Quelle: Riebe

Warum Umbau?

Der alte Schweinestall wurde lange Zeit nur noch als Kartoffellager benutzt. Das Potenzial seiner Straßennähe wurde aber im Zuge der Neuausrichtung des Betriebes erkannt und so bot sich der Umbau zum Legehennenstall an. Mit dem Umbau konnte die Wirtschaftlichkeit des vorhandenen Gebäudes erhöht und eine Tierhaltungsform etabliert werden, die gut an die aktuelle Betriebsausrichtung mit Fokus auf Verbraucherwünsche und die Direktvermarktung angepasst ist.
Umgebaut wurde zunächst nur die Südhälfte des Gebäudes. Die Güllekanäle wurden versiegelt, die Zwischendecke entfernt und anschließend wurde ein Spezialboden gegossen. Das neue Dach mit gedämmten Sandwichplatten wurde an seiner Unterseite mit einer Spezialfolie überzogen, die für Ammoniak undurchlässig ist und somit das Dach vor Zersetzung schützt. Das Dach hat straßenseitig einen 4 Meter langen Überhang, der den Wintergarten bedeckt.

Diesem schließt sich ein großzügiges Außengelände an, das sich durch natürlichen Aufwuchs sowie viele Unterschlupf- und Schutzmöglichkeiten für die Tiere auszeichnet. Der Innenausbau des Stalles fand in Zusammenarbeit mit der Firma Rowa statt. So wurden Ende 2017 im Stall noch die Fütterungs- und Tränkeelemente, Sitzstangen, Familiennester sowie das Eiertransportband errichtet.

Im Januar 2018 konnten die ersten 950 Legehennen einziehen. Über ein Transportband werden die Eier einmal täglich in den Stallvorraum befördert und dort maschinell sortiert, gekennzeichnet und verpackt.

Fazit

Wenn eines sofort auf dem Wackenberger Hof auffällt, dann ist es das Betriebskonzept, das von allen Familienmitgliedern mit viel Freude und Engagement getragen wird. Die Aufteilung der Betriebszweige Ackerbau/ Tierhaltung und Gemüseanbau/Direktvermarktung ist sinnvoll, denn sie lässt somit jedem Sohn seinen Kompetenzspielraum. Der Stallumbau im Zusammenhang mit der Direktvermarktung ist aus ökonomischer Sicht absolut gelungen und bringt für Mensch und Tier ein äußerst zufriedenstellendes Ergebnis. Die Neugestaltung eines vorhandenen Stallgebäudes mit viel Holz, das den Stall hell und luftig wirken lässt, ist ebenso hervorzuheben wie die artgerechten Tierhaltung und die konsequente Erschließung regionaler Märkte.

Eier in der Direktvermarktung

Tragende Säule ist die Direktvermarktung. In einem kleinen Holzhäuschen bedient Familie Dörr die Laufkundschaft aus der Region. Quelle: Riebe

 

Herr Dörr, warum haben Sie umgebaut? Was ist aus Ihrer Sicht besonders gelungen und welche Empfehlungen geben Sie Landwirten, die ähnliche Maßnahmen planen?

„Durch die Anpassung vorhandener Bausubstanz an die aktuelle betriebliche Ausrichtung ist uns sowohl aus ökonomischer als auch aus Sicht der Tiergesundheit eine Wertschöpfung gelungen. Der moderne Stallinnenausbau mit einem hohen Automationsgrad schafft ein angenehmes Raumklima, was Menschen und Tieren zugutekommt. Die Transparenz der artgerechten Haltung (u. a. durch Besucherfenster) ist ein großes Plus bei der Direktvermarktung unserer Produkte.
Wer umbaut, sollte frühzeitig das Gespräch mit Kollegen und Beratern suchen. Eine frühzeitige und detaillierte betriebswirtschaftliche Planung sowie das Abschätzen von Arbeitsspitzen durch die Umbaumaßnahmen sind essenziell.
Mit dem Umbau konnten wir Betriebskreisläufe schließen, unsere Wirtschaftlichkeit erhöhen und durch den Ausbau unserer Produktpalette den Erfolg unserer Direktvermarktung steigern.“

 

Weitere Informationen und Themen rund um das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft findet Ihre hier:

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