Der erste Schnitt steht vor der Tür und damit ist ein Thema wieder hochbrisant: die Kitzvermähung. Julia erklärt, warum der Mähtod nicht nur für den Rehnachwuchs gefährlich ist und was sie dagegen tut.

Von Kitzvermähung und Botulismus

Der erste Schnitt steht vor der Tür und damit ist ein Thema wieder hochbrisant: die Kitzvermähung. Julia erklärt, warum ein totes Kitz im Futter gefährlich ist und was sie dagegen tut.

Nach ihrem Alpsommer ging's für Julia Göggelmann direkt auf die Technikerschule in Triesdorf.

Nach ihrem Alpsommer ging’s für Julia Göggelmann direkt auf die Technikerschule in Triesdorf.

Hoi Hofhelden,

viele Bäume blühen schon, Osterglocken wiegen sich mit ihren schönen Blüten im Wind und dem Gras kann man schon fast beim Wachsen zusehen. Schon in wenigen Wochen werden wir dann auch den ersten Schnitt im Grünland machen. Doch von Mitte Mai bis Mitte Juni werden auch 96 % aller Rehkitze geboren.

Während die Ricken (Rehmütter) sich auf Nahrungssuche begeben, verstecken sie ihre Jungen, die in den ersten drei Lebenswochen noch geruchlos sind, häufig im hohen Gras, damit sie von Feinden nicht gefunden werden können.

Wenn dann aber der Zeitpunkt des ersten Schnitts gekommen ist, wird ihnen ihr Versteck im hohen Gras häufig zum Verhängnis. Denn wenn sie den Schlepper hören und Angst bekommen, laufen die Kitze nicht auf weg, sondern ducken sich noch weiter ins Gras, um sich zu schützen. Im schlimmsten Fall bedeutet das vermeindlich sichere Versteck also den Tod des kleinen Kitz.

Der erste Schnitt steht vor der Tür und damit ist ein Thema wieder hochbrisant: die Kitzvermähung. Julia erklärt, warum der Mähtod nicht nur für den Rehnachwuchs gefährlich ist und was sie dagegen tut.

Statt wegzulaufen ducken sich die Rehkitze bei Gefahr noch weiter ins Gras. Foto: pixabay

Doch wenn so etwas passiert, kann das auch für den Landwirt schwere Folgen haben. Wenn das tote Tier nämlich unbemerkt mit einsiliert wird und „Clostridium botulinum“- Bakterien enthält, können bei der Zersetzung des Kadavers sogenannte Botulinumtoxine entstehen, die die Silage vergiften. Man sieht oder riecht dieses Gift allerdings nicht. Wenn dieses Futter also von Rindern gefressen wird, erkranken sie an einer akuten Vergiftung und man spricht von „Botulismus“. Das Gift wirkt auf Nerven, Muskeln des Bewegungsapparates und auf Muskeln der Zungen-, Kau-, Schluck- und Bauchmuskulatur.

Bei einem akuten Krankheitsverlauf wird zunächst die Muskulatur am Kopf und dann nach und nach die Muskulatur am ganzen Körper gelähmt. Schlussendlich stirbt das Rind an einer Lähmung der Atemmuskulatur. Ist ein Tier erkrankt, sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung der Vergiftung so gut wie aussichtslos.

Doch was tun wir Landwirte um die Kitze zu retten und somit auch unsere Rinder zu schützen?

In allererster Linie ist es wichtig, dass die Kommunikation zwischen Jäger und Landwirt stimmt, wie auch mein Blogger-Kollege Hannes schreibt. Unser Jäger stellt beispielsweise einige Tage vor der Mahd an Wiesen, die an den Wald grenzen, im Randbereich mehrere Pfosten auf, an denen Reflektoren und glitzernde Folie mit einem speziellen Duftstoff befestigt sind. So will er den Rehmüttern „Gefahr“ signalisieren und sie so davon abhalten, ihre Kitze in die angrenzende Wiese zu legen.

Aus der Erfahrung heraus sind es aber auch oft dieselben Wiesen, in denen jedes Jahr die Kitze abgelegt werden. Deshalb laufen wir diese Wiesen besonders intensiv ab, bevor wir mit dem Mähwerk kommen. Auch die Suche mit Hund kann helfen, doch die Hundenase muss sich schon sehr anstrengen um ein fast geruchsloses Kitz zu finden.

Mittlerweile setzen viele Landwirte aber auch auf moderne Technik, um die kleinen Kitze zu schützen. Doch dazu erfahrt ihr bald von meinem Blogger-Kollegen Tobias mehr.

In diesem Sinne wünsche ich euch noch eine schöne Woche,

Eure Julia

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