Bei Christiane auf dem Hof finden die ersten Kartoffelknollen den Weg in die Erde. Warum sie dabei auf Pflanzkartoffeln setzt und wie sie mit dem Saatgut umgehen muss, verrät sie hier.

Auf die Knolle, fertig, los!

Bei Christiane auf dem Hof finden die ersten Kartoffelknollen den Weg in die Erde. Warum sie dabei auf Pflanzkartoffeln setzt und wie sie mit dem Saatgut umgehen muss, verrät sie hier.

Ackerbäuerin Christiane aus Rheinland-Pfalz.

Ackerbäuerin Christiane aus Rheinland-Pfalz.

Servus liebe Hofheld- Community,

in letzter Zeit war es ziemlich ruhig bei mir, da ich seit Oktober vergangenen Jahres Landwirtschaft in Bayern studiere und von Januar bis Februar mit dem Lernen für meine ersten Klausuren beschäftigt war. Für mich verlief die Prüfungsphase etwas schwierig, da bei uns zu Hause auf dem Hof über Winter so einiges los war und ich möglichst viel miterleben wollte.

Bei Christiane auf dem Hof finden die ersten Kartoffelknollen den Weg in die Erde. Warum sie dabei auf Pflanzkartoffeln setzt und wie sie mit dem Saatgut umgehen muss, verrät sie hier.

„Lorbeer macht nicht satt, besser, wer Kartoffeln hat.“ Foto: Christiane Fuchs

Eigentlich ist es über Winter immer etwas ruhiger auf unserem Betrieb aber dieses Jahr war alles etwas anders. Nicht nur der Bau einer neuen Maschinen- und Lagerhalle stand auf dem Plan, sondern auch sämtliche Pflege- und Wartungsarbeiten der Traktoren und Maschinen, Buchführung, Online- Seminare und natürlich das Einsetzen der Pflanzkartoffeln.

Bei Christiane auf dem Hof finden die ersten Kartoffelknollen den Weg in die Erde. Warum sie dabei auf Pflanzkartoffeln setzt und wie sie mit dem Saatgut umgehen muss, verrät sie hier.

Die Pflanzkartoffeln gelangen in Big Packs auf den Betrieb. Foto: Christiane Fuchs

Die Pflanzkartoffeln werden meist zwischen Ende November und Mitte Dezember in großen Big Packs geliefert und ab da an ist es dann unsere Aufgabe, die Kartoffeln in spezielle Kisten zum Vorkeimen zu füllen, denn die Pflanzkartoffeln können nicht in den Big Packs überwintern.

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Der kleine Kartoffelsheriff darf beim Einsetzen nicht fehlen 🙂 Foto: Christiane Fuchs

Die mit Kartoffeln gefüllten Kisten werden dann anschließend auf Paletten gestapelt und in unserer frostsicheren Halle aufeinander und hintereinander aufgestellt. Bei dem Stellen der Paletten ist es wichtig, dass zwischen den nebeneinander stehenden Paletten etwa ein Meter Abstand gelassen wird. Dieser Abstand dient am Ende der Lampenaufhängung. In die Reihen werden nämlich 360-Grad-Lampen gehängt, die extra für das Vorkeimen der Saatkartoffeln entwickelt wurden.

Sicherlich fragen sich jetzt einige von Euch, weshalb die Saatkartoffeln permanent unter Lichteinfluss stehen sollten. Kartoffeln haben weder Augen und wollen im Dunkeln etwas sehen, noch benötigen sie Wärme, da sie bis zu ihrer Pflanzung sowieso in einer frostsicheren Halle überwintern. Aber wieso benötigen die Kartoffeln denn dann Licht?

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Im Lager benötigen die Pflanzkartoffeln permanenten Lichteinfluss. Foto: Christiane Fuchs

Die Lösung auf diese Frage lässt sich sehr leicht erklären und hat genau zwei bedeutsame Gründe. Zum einen wirkt sich das Licht auf das Wachstum der Knolle aus und zum anderen ist auch die Qualität der sich bildenden Keime abhängig von dem Lichteinfluss. Letztendlich sorgt das permanente Licht dafür, dass die Keine langsam wachsen und vor allem fest genug werden. Ohne jeglichen Einfluss von Licht würden die Keime rasant wachsen und sehr instabil werden. Bei der Pflanzung der Kartoffeln erweisen sich die kurzen und festen Keime als äußerst vorteilhaft, da diese Keime weniger schnell abbrechen können als lange und instabile Keime.

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Das A und O bei der Pflanzung: kurze und feste Keime. Foto: Christiane Fuchs

Im Kartoffelanbau spielt aber nicht nur die Qualität der Keime eine Rolle, sondern auch die Qualität der Pflanzkartoffeln. Aber woher weis man eigentlich, wie gut oder schlecht die Qualität der Saatkartoffeln ist? Dazu fällt mir nur ein Spruch ein: Man steckt nicht in der Knolle!

Aber für die Sicherung der Qualität ist nicht der Landwirt selbst zuständig sondern ein spezielles Amt, die die Kartoffeln genauestens unter die Lupe nehmen. Bei den Pflanzkartoffeln handelt es sich nach der Begutachtung dann um anerkanntes (bzw. zertifiziertes) Saatgut, welches explizit auf Knollenkrankheiten, Viruskrankheiten und äußere Mängel wie z.B. Beschädigungen der Knolle geprüft wird.

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Christiane setzt nur anerkanntes Saatgut auf ihren Kartoffeläckern ein. Foto: Christiane Fuchs

Praktischerweise könnte man auch die hofeigenen Kartoffeln aus der letzten Ernte als Pflanzkartoffeln verwenden, aber bei diesen Kartoffeln handelt es sich nicht umanerkanntes Saatgut und diese Kartoffeln könnten möglicherweise auch Krankheiten haben, die sich dann negativ auf die kommende Kartoffelernte auswirken könnten. Und dies ist der ausschlaggebende Punkt, weshalb die Kartoffelanbauer das teure Kartoffelsaatgut von anerkannten Saatgutbetrieben beziehen. Außerdem ist gesundes Pflanzgut äußerst wichtig für den Bauern, da er mit den Knollen einen neuen Grundstein
legt und die neue Ernte der Kartoffeln von der Mutterknolle (Pflanzgut) abhängig ist. Der Preis dieser anerkannten Pflanzkartoffeln beläuft sich auf 70- 85€ /pro 100 kg (je nach Sorte).

Bei Christiane auf dem Hof finden die ersten Kartoffelknollen den Weg in die Erde. Warum sie dabei auf Pflanzkartoffeln setzt und wie sie mit dem Saatgut umgehen muss, verrät sie hier.

Annabelle ist eine der führenden Kartoffelsorten Süddeutschlands. Foto: Christiane Fuchs

Die Auspflanzung der vorgekeimten Frühkartoffeln beginnt sobald das Erdreich relativ trocken und nicht mehr gefroren ist. Bei uns in der Pfalz ist dies meist Ende Februar bzw. Anfang März der Fall. Den Anfang der Auspflanzung machen überwiegend die frühen Sorten Annabelle (festkochend) und Berber (vorwiegend festkochend), da bei diesen Sorten die Keimentwicklung am stärksten voranschreitet. Werden diese beiden Sorten zu spät in die Erde gepflanzt, so besteht das Risiko, dass die Keime zu lang gewachsen sind und im schlimmsten Fall auch die Knollen dann zusammenwachsen. Dieses Problem kann eintreten, wenn es beispielsweise im Frühjahr ergiebige Niederschläge gibt und ein nasser/ feuchter Boden die Auspflanzung der Frühkartoffeln hinauszögert.

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Auf Christianes Betrieb in der Pfalz landen im Februar/März die ersten Pflanzkartoffeln in der Erde. Foto: Christiane Fuchs

Die Pflanzung erfolgt mit einer Kartoffellegemaschine, die die gekeimten Knollen mithilfe von Bändern und Riemen in die Erde befördert. Der Pflanzabstand der Knollen ist dabei immer abhängig von der Kartoffelsorte und der Knollengröße.

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Gepflanzt werden die Kartoffeln mit einer Kartoffellegemaschine. Foto: Christiane Fuchs

So ihr Lieben, jetzt muss ich aber wieder ran an die Arbeit, damit die frühen Kartoffelsorten auch bald einmal ihren Weg in die Erde finden und Ihr in ca. 90 Tagen die ersten neuen Kartoffeln für 2021 auf Euren Tellern genießen könnt. Seid gespannt und freut Euch!

Bis bald,

Euer Füchslein

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