Die Onlineplattform „Kalieber“ bietet Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Herstellung an, die Kunden aus ganz Europa online bestellen können. Wir zeigen Euch die Chancen für Kunden und Landwirte.

Mit Kalieber Fleisch Online vermarkten

Die Onlineplattform „Kalieber“ bietet Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Herstellung an, die Kunden aus ganz Europa online bestellen können. Wir zeigen Euch die Chancen für Kunden und Landwirte.

Geschäftig geht es zu im Stützpunkt von Kalieber, in der Nähe von Oldenburg. Frischfleisch vom Schwein und vom Rind, dazu Salami und Leberwurst. Der Traum eines jeden Fleischfreundes. Chefin vom Ganzen ist Sarah Dhem. Sie steht hinter der Fleischtheke, packt die Waren in eine Kiste und macht den Deckel zu. Fertig ist das Paket.

Kalieber ist eine Onlineplattform, über die man Fleisch- und Wurstwaren bestellen und liefern lassen kann. Im April 2015 hat Sarah Dhem gemeinsam mit ihrem Ehemann Mirko das Portal ins Leben gerufen. „Die Idee stammte von meinem Mann. Er ist Koch und legt sehr viel Wert auf gute Fleischqualität“, erklärt die junge Frau. „Wir wollten hochwertige Produkte anbieten. Und da wir beide gern im Internet einkaufen, kam uns schließlich der Gedanke: Warum sollten wir nicht einfach mal versuchen, auch unser Fleisch und unsere Wurstwaren online an den Kunden zu bringen?“

Die Onlineplattform „Kalieber“ bietet Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Herstellung an, die Kunden aus ganz Europa online bestellen können. Wir zeigen Euch die Chancen für Kunden und Landwirte.

Die Chefin ist Sarah Dhem. Sie packt gerade eine Bestellung ein, die dann schnell in die Post geht. Quelle: Moritz Münch

Aufwendige Haltung braucht gute Vermarktung

Das Fleisch in der Versandkiste stammt unter anderem aus dem Betrieb von Gabriele Mörixmann. Die liefert ihre Schweine an Kalieber und profitiert davon, dass deren Kunden gerne mehr für Premiumhaltungsbedingungen und Spitzenqualität zahlen. „Anders wäre ein Konzept wie unser Aktivstall auch nicht umsetzbar“, sagt die Landwirtin.

Das Geschäft kennt nur Gewinner. An erster Stelle stehen dabei die Tiere. Eine Bürste an der Wand, ein Tannenbaum zum Kauen und Schubbern, Stroh auf dem Boden und dazwischen lauter quiekende Ferkel beim Toben. So sieht der neue Ferkelstall im Betrieb Mörixmann in der Nähe von Osnabrück aus. Er gliedert sich in das Haltungskonzept ein und bietet den Tieren Abwechslung, viel Platz und jede Menge Beschäftigung. Mit dieser Philosophie hat sich die Schweinehalterin vor knapp drei Jahren bei Kalieber beworben.

„Ich habe ein Interview mit Sarah Dhem gesehen und fand das Konzept so überzeugend, dass ich ihr am nächsten Tag eine E-Mail geschrieben habe. Ich wollte meine Schweine gerne bei ihr vermarkten. Dafür habe ich sogar ein Video von meinem Aktivstall angehängt.“

Nur eine Woche später kam Sarah Dhem vorbei. Das Konzept des Schweinemastbetriebs gefiel ihr und so waren sich die beiden schnell einig, dass sie künftig zusammenarbeiten wollten.

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Gabriele Mörixmann im Aktivstall für ihre Schwein – auch sie liefert ihre Schweine an Kalieber. Quelle: Moritz Münch

Alte Rassen und aktive Schweine

Gabriele Mörixmann ist natürlich nicht die einzige Fleischlieferantin. Insgesamt arbeitet Kalieber mit neun Landwirten zusammen und vermarktet über die Onlineplattform unter anderem Fleisch von seltenen und alten Nutztierrassen – wie dem Bunten Bentheimer Schwein, Galloway- und Angusrindern oder auch Moorschnucken. Und eben auch Produkte aus dem Fleisch von Aktivstallschweinen.

Bei der Auswahl der Betriebe legt die Fleischermeisterin Dhem großen Wert auf Transparenz, Haltungsform – und gegenseitige Sympathie. Ein Heimspiel für Gabriele Mörixmann: „Wir haben uns von Anfang an gut verstanden, vielleicht, weil Frauen im Fleischsektor eher selten vertreten sind.“

Aus dem Norden in den Süden

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit weiß auch Michael Einbecker zu schätzen. Er ist Kunde aus Süddeutschland und bestellt regelmäßig Fleisch aus dem Norden der Republik. „In erster Linie sind mir Qualität und Transparenz wichtig. Ich weiß genau, wo mein Fleisch herkommt, wie das Tier aufgewachsen ist, womit es gefüttert wurde und wie die Haltungsbedingungen sind.“

Auch wenn die Produkte ihren Preis haben, ist der Markt da. Die Kunden von Kalieber sind überwiegend private Haushalte, vereinzelt auch Geschäftskunden, die Gastronomen beliefern oder Feinkostgeschäfte betreiben. „Wider Erwarten sind unsere Käufer meist keine Städter, sondern eher Leute auf dem Land, bei denen es keinen Fleischer mehr vor der Haustür gibt und die eine Alternative gesucht haben. Häufig bestellen sie gemeinsam mit ihren Nachbarn“, erzählt Sarah Dhem.

Michael Einbecker ist genauso ein Kunde. „Ich mache mit Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen und Familienangehörigen alle sechs bis acht Wochen eine Sammelbestellung. Dafür habe ich eine WhatsApp-Gruppe gegründet, die sich Meat Order nennt. Meist sind wir um die 20 Leute pro Bestellung und bestellen 50 bis 80 kg Fleisch und Wurst.“

Die Onlineplattform „Kalieber“ bietet Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Herstellung an, die Kunden aus ganz Europa online bestellen können. Wir zeigen Euch die Chancen für Kunden und Landwirte.

Fleisch für die Onlinevermarktung. Quelle: Moritz Münch

Faire Bedingungen für alle

Gabriele Mörixmann liefert ihre gesamten 3.000 Schweine im Jahr an die Fleischerei Schulte. Das ist der Familienbetrieb von Sarah Dhem, geborene Schulte, den sie heute gemeinsam mit Vater Werner Schulte und Ehemann Mirko Dhem führt. Von diesen 3.000 Tieren gehen wöchentlich fünf bis zehn an Kalieber. Die restlichen rund 50 Stück werden über Schulte vermarktet.

Geschlachtet wird 50 km entfernt in Lohne, bei der Schlachterei Brand Qualitätsfleisch. Die Tiere gehen dann ganz an die Fleischerei Schulte und werden dort zerlegt und verarbeitet – und zwar komplett und nachhaltig, wie Sarah Dhem betont.

Die Abnahmemengen und -preise stehen zwischen Vermarkter und Schweinehaltern natürlich eigentlich fest, aber: „Wenn ein Landwirt mal mehr Schweine liefern muss, kommen wir ihm natürlich entgegen. Und wenn der Landwirt mit dem Auszahlungspreis nicht mehr klarkommt, weil beispielsweise die Futterkosten gestiegen sind, gibt es faire Nachverhandlungen. Wir wollen eine ehrliche Partnerschaft mit unseren Landwirten pflegen“, erklärt Sarah Dhem. Und Gabriele Mörixmann bestätigt das: „Wir haben für unseren Aktivstall nun mal höhere Kosten. Über Kalieber bekommen wir die entlohnt.“

Die Onlineplattform „Kalieber“ bietet Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Herstellung an, die Kunden aus ganz Europa online bestellen können. Wir zeigen Euch die Chancen für Kunden und Landwirte.

#wirkennendielandwirte – das ist für Sarah von Kalieber sehr wichtig, so dass sie es auch auf die Verpackung schreibt. Quelle: Moritz Münch

Lieferziel: unter 48 stunden

Kalieber verschickt mittlerweile in der Woche 50 bis 100 Pakete in Verpackungsgrößen von 6,5, 16 und 44 l. Der Versand kostet pro Paket 9 Euro, ab 150 Euro Einkaufswert ist die Lieferung frei.

„Unsere Verpackungen sind inzwischen nicht mehr aus Styropor, sondern auf Zellulosebasis mit Folienbeschichtung. Wir haben rund 30 Verpackungsarten getestet, aber nur eine davon hat den Angeforderungen genügt –  nämlich zu gewährleiten, dass die Ware bis zum Kunden durchgängig allerhöchstens 7 °C hat. Als Kühlmittel verwenden wir Eisbeutel und zusätzlich verpacktes Trockeneis“, erzählt Sarah Dhem.

Die Fleisch- und Wurstlieferungen sind in aller Regel innerhalb von zwei Tagen beim Endverbraucher. Auch wenn es um richtig weite Strecken geht. „Wir haben sogar schon nach Monaco und Spanien geliefert.“ Zugestellt wird über DHL oder UPS, meist per persönlicher Zustellung oder auch mal an einen Nachbarn. Das funktioniert normalerweise reibungslos. Zur Sicherheit muss die Kühlkette dennoch drei Tage halten.

Pannen kann es natürlich trotzdem mal geben. Kunde Michael Einbecker erinnert sich: „In 90 Prozent der Fälle kommt das Paket am nächsten Tag. Nur einmal – ausgerechnet zur Taufe meiner Tochter –  ist beim Lieferanten etwas schiefgelaufen und mein Fleisch wäre nicht rechtzeitig gekommen. Da hat sich der Außendienstmitarbeiter von Kalieber aber sofort darum gekümmert und für adäquaten Ersatz gesorgt.“

Die Fleischkiste, die Sarah Dhem vorhin noch verpackt hat, ist inzwischen auf der Reise. Irgendwo in Deutschland oder Europa wartet nun ein Kunde auf sein Paket – gefüllt mit lauter Leckereien von Schwein, Rind oder Schaf.

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