It’s time for Africa! Teil 1

Unsere Hofheld-Gastbloggerin Katrin hat die Landwirtschaft in Südafrika unter die Lupe genommen. Hier berichtet sie Dir, was sie dabei gefunden hat.

Katrin Fischer am Kap der guten Hoffnung

Gastbloggerin Katrin Fischer berichtet aus Südafrika.

Hallo zusammen,

ich hab mich mal wieder in die Ferne gewagt. Natürlich wie immer spontan: Diesmal allerdings mit Verstärkung im Gepäck. Martina, Christine und ich wurden vom Agrarjournalistenverband (VDAJ) als „Newcomer“ zum Internationalen Branchentreffen nach Südafrika geschickt. Erste Station war für uns der Norden rund um Johannesburg und Pretoria. Von den Städten haben wir nichts mitbekommen, dafür aber von der Landwirtschaft, wie sie in der Provinz Gauteng betrieben wird.

Christine, Martina und Katrin in Südafrika

Christine, Martina und ich (von links) durften als Newcomer des Agrarjournalistenverbands Südafrika erkunden.

Der südafrikanische Herbst hat uns mit angenehmen Temperaturen um die 30 °C empfangen. Perfekter Start: Eingewöhnen am Pool der Lodge und ein Tagungstag mit interessanten Informationen zur Agrarbranche vor Ort. Von nun an standen spannende Exkursionen auf dem Programm.

Schwere Entscheidung

Leider mussten wir uns schon bei der Anmeldung entscheiden, welche Betriebe wir besichtigen wollen. Man kann eben nicht alles sehen. Hier bekommt ihr nun einen kleinen Überblick. Haltet aber mal die Augen auf und lest fleißig die Agrarpresse! Vielleicht entdeckt ihr dort noch den ein oder anderen Artikel über unsere Reise. Wobei: Die besten Bilder, und die sagen ja mehr als tausend Worte, findet ihr natürlich hier bei Hofheld.

Ein paar Fakten vorab: In Südafrika gibt es vier Arten von Landwirten:

  • Subsistance farmers (zur Selbstversorgung) mit weniger als 2 ha Land
  • small scale farmers mit 2-10 ha Land (Selbstversorgung und Verkauf auf lokalen Märkten)
  • immediate farmers (wachsende Betriebe)
  • und commercial farms.

Um in Südafrika von der Landwirtschaft leben zu können, benötigt man etwa 1.000 ha (Ausnahme Western Cape), allerdings liegen 65 % der Landwirte darunter. Von den 121 Mio. ha Landfläche Südafrikas sind nur 14 % oder 16 Mio. ha fruchtbar.

Von Kalahari, Nguni und Tilapia

Nichts mit ausschlafen, das frühe Huhn fängt den Wurm. Pünktlich um 7 Uhr morgens treffen sich die 170 Agrarjournalisten, um mit Breakfast-Box in den hoffentlich richtigen Bus zu steigen. Tag 1 führt mich zunächst zum Betrieb Elpasso von Brylyne.

Brylyne_ElPasso-Farms_01

Erster Stopp: Der Betrieb Elpasso von Brylyne.

Eineinhalb Stunden Busfahrt von Pretoria entfernt bewirtschaftet sie seit 2010 einen Betrieb mit etwa 450 ha – meist Buschland.

Betrieb Elpasso von Brylyne

Die 450 ha des Betriebs sind meist Buschland.

Der Betrieb wird von ihren Angestellten geführt, da sie sich stark für die Ausbildung vom Berufsnachwuchs einsetzt und Bildung im ländlichen Raum vorantreibt.

Betrieb Elpasso von Brylyne

Die Angestellten führen den Betrieb.

Man beachte, dass das Durchschnittsalter der Landwirte in Südafrika noch höher ist als in Deutschland: Kaffeebauern 70 Jahre, Teeanbauer 65 Jahre und Tierhalter 55 Jahre.

Betrieb Elpasso von Brylyne

Der Schein trügt: das Durchschnittsalter der Landwirte ist in Südafrika noch höher als in Deutschland

Brylynes Betrieb wird weitestgehend ökologisch bewirtschaftet. Passend zum Futterangebot, hat sie den Viehbestand auf dem Betrieb gewählt: Kalahari (rote Ziegen) …

Betrieb Elpasso von Brylyne

… Nguni (Rinder, weniger für Fleisch bekannt als für wertvolles Fell) …

Nguni Rind Elpasso Brylyne

… Boschveld Hühner …

Betrieb Elpasso von Brylyne

… Kaninchen …

Betrieb Elpasso von Brylyne

… Strauße, Enten, Schweine und seit neuestem auch Tilapia (Fisch). Für die „Bewirtschaftung“ des Buschlands wird Wild (Game) gehalten. So kommen noch Kudu, Impala und Wildschweine zur Sammlung dazu.

Am Hauptstandort kann Brylyne auf Grundwasser für die Beregnung zugreifen. Das ermöglicht ihr den Anbau von Gemüse auf Freiflächen und in Gewächshäusern.

Grundwassertonnen auf dem Betrieb Elpasso von Brylyne

Am Hauptstandort kann Brylyne auf Grundwasser für die Beregnung zugreifen.

Die Ernte (Papika, Bohnen, Spinat, Zwiebel, Mangold,…) verkauft sie an Läden in der Region Gauteng.

Betrieb Elpasso von Brylyne

Die Ernte des Betriebs wird in der Region Gauteng verkauf.

Saure Früchtchen

Woher kommt eigentlich die Limette für den ersten Caipi oder Hugo, den es demnächst zu genießen gibt? Richtig, Gauteng ist ein bekanntes Anbaugebiet für Zitrusfrüchte.

Grüne Orange am Zweig

Die Region Gauteng ist bekannt für ihre Zitrusfrüchte

Orangen, Mandarinen, Zitronen und Limetten, die wir im Frühjahr bei uns im Supermarkt finden, kommen aus Südafrika. Auf 1.400 ha bauen die Schoemans Zitrusfrüchte an, den zweiten Betrieb mit 10.000 ha Ackerbau (Mais, Sojabohnen, weiße Bohnen) haben wir leider nicht gesehen.

Familie Schoeman

Familie Schoeman baut unter anderem Zitrusfrüchte an.

Zurück zu den Orangen: 60.000 t Navel und Valencia werden im Schnitt geerntet. Auch hier geht ohne Beregnung gar nichts.

Gänse auf Orangenplantage

60.000 t Orangen werden auf dem Betrieb im Schnitt geerntet.

Mit etwas Glück wird die Bewässerung erst nach der Blüte im November eingeschaltet und läuft dann meist durch bis zur Ernte.

Orangenplantage

Damit sich diese Orangen gut entwickeln, ist ein Beregnung nötig.

800 Erntehelfer werden zum Pflücken der Früchte eingesetzt. Eine Mechanisierung lohnt sich hier nicht, da die Kosten viel höher wären, als die Löhne der Mitarbeiter. Der Mindestlohn liegt bei 23 ZAR (entspricht ungefähr 1,65 €) pro Stunde. Aufgebessert wird der Gehalt durch einen „Leistungszuschlag“.

Orangenplantage

Sind die Orangen dieser Bäume reif, rücken 800 Erntehelfer an.

In der Sortierung und Abpackung kommen nach und nach Roboter und das elektronische Auge zum Einsatz, um die Anforderungen des Markts erfüllen zu können.

Stapeln von Kisten voller Orangen

Beim Sortieren und Abpacken kommen nach und nach Roboter zum Einsatz.

Häufig findet man neben den „industriellen“ Betrieben eine Siedlung für Angestellte. Kleine Dörfer mit Kindergarten, Schule, medizinischer Versorgung und Supermarkt sind neben oder auf dem Betriebsgelände entstanden. Dort leben die Mitarbeiter, Familien oder alleinerziehende Frauen, die nicht selten auch mit dem HI-Virus infiziert sind.

Mit der Ausbildung der Kinder soll sichergestellt werden, dass der Berufsnachwuchs auf dem Land bleibt und eventuell selbst in die Landwirtschaft einsteigt. Bis jetzt ist es so, dass oft die Stadt als „rettendes Ufer“ mit besseren Jobs gesehen wird. Doch der Schein trügt. Immer mehr junge Menschen stranden in den Townships am Stadtrand und müssen dort in „Blechhütten“ mit 6.000 – 8.000 ZAR (~500 €) im Monat zurechtkommen.

Übrigens: Grüne Orangen schmecken genauso gut wie gelbe oder orange Orangen und heute werden 400 % weniger Wasser benötigt um 1 kg Orangen zu produzieren als noch vor 50 Jahren!

Aufgeschnittene Orange

Grüne Orangen schmecken genauso gut wie gelbe oder orange.

Ganz schön wild

Nächste Station an Tag 2: Thithombo Game Breeders und Monate Game Lodge. Auch Buschland will gepflegt werden. Über Jahrhunderte haben sich hier die Urtiere heimisch gefühlt und das Futter zum Überleben gefunden. Warum sollte das also nicht so weiter betrieben werden?

Safaribus voller Touristen

Am zweiten Tag besuchte unsere Gruppe zwei Game Farms.

20 Mio. ha werden heute von 12.000 Game Farms bewirtschaftet. In den Gehegen findet man meist Springböcke, Büffel, Zebras, Giraffen, Antilopen, Löwen, Hippos und zahlreiche Vogelarten.

 

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Ausschlaggebend für den Tierbesatz ist der Aufwuchs. Ist es trocken und wenig Futter steht bereit, so werden Tiere herausgenommen und verkauft – zur Zucht, zur Jagd oder zum Schlachten. Game Farms leben in der Regel von vier Einnahmequellen: Zucht, Jagd, Tourismus, Vermarktung der Erzeugnisse (Fleisch, Fell, Hörner,…).

 

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Jetzt schnell zum Flughafen nach Johannesburg und ab in den Flieger nach Kapstadt. Von dort gibt es dann einen weiteren Blog. Wie unterschiedlich Landwirtschaft in einem Land doch sein kann! Seid gespannt…

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