New Holland Roll Belt 180

Im Praxistest: New Holland Roll Belt 180

Mit der Gerät-steuert-Traktor-Funktion gibt das Anbaugerät die Kommandos. Das entlastet den Fahrer und kostet gerade mal 2 Cent pro Ballen. Wie die Rundballenpresse von New Holland das macht, haben wir getestet.

Das Gespann mit Traktor und Presse gleicht einer Ehe. Während ein Partner die Richtung angibt, folgt der andere nach und macht die Arbeit. Jeder, der jetzt Schnappatmung bekommt, darf sich entspannt zurücklehnen: So läuft das heute in den meisten Fällen nicht mehr, weder in der Partnerschaft noch in der Landtechnik.

Im Sommer pressten unsere agrarheute Technik-Redakteure mit einer New Holland Roll Belt 180 und einem stufenlosen T6 AutoCommand Strohballen in Sachsen. Wer dem blau-gelben Paar auf dem Acker zuschaute, konnte nichts Außergewöhnliches erkennen. Erst in der Kabine während des Pressens wird klar, dass es einen unsichtbaren Mitfahrer geben muss.

Ohne dass der Fahrer zuckt, stoppt der Traktor. Die Presse startet den Bindevorgang und schießt das Netz ein. Fertig abgebunden öffnet automatisch die Heckklappe, der Ballen rollte die Rampe herunter und die Kammer schließt wieder. Der Fahrer muss dazu nichts machen. Er kann sich zurücklehnen.

Vier Endlosriemen und fünf Walzen formen Ballen bis 1,80  m Größe. Quelle: Göggerle

TIM fährt mit

Verantwortlich für die Fahrerentlastung ist TIM, der unsichtbare Mitfahrer. Die Abkürzung steht für Tractor-Implement-Management oder auch Gerät-steuert-Traktor. TIM ist ein Baustein in der ISOBUS-Kommunikation zwischen Traktor und Anbaugerät und organisierte in unserem Fall die Funktionen Anhalten sowie Öffnen und Schließen der Heckklappe. Von alleine weiterfahren darf der Traktor nicht, auch wenn er es technisch könnte. Die Vorschriften zur Sicherheit lassen das nicht zu.

Die Eckdaten unserer Presse sind nicht außergewöhnlich. In einer variablen Ballenkammer formen Rollen und vier Endlosriemen Strohpakete mit 1,50 bis 1,80 m Durchmesser. Der Zusatz CropCutter („Futterschneidwerk“) verrät, dass 15 Messern in den Rotor einschwenken und das Erntegut auf 7 cm theoretische Länge schneiden könnten. Mehr Messer oder eine Gruppenschaltung stehen nicht in der Optionsliste der gelben Pressen, die im polnischen Plock gebaut werden.
Bei uns fütterte die gesteuerte Pick-up mit 2,00 m Breite das Rotorschneidwerk; auf Wunsch gibt es sie 2,30 m breit. Die Änderungen im neuesten Pressenmodell für die Saison 2019 sind zusätzliche Pinselöler für die Ketten, ein größerer Hydraulikzylinder an der Pick-up mit mehr Hubweg und Seitenklappen, die jetzt nur noch mit einem Werkzeug geöffnet werden können.

Bei der Bereifung steht als maximale Größe 500/50 R20 in der Optionsliste. Für den Einsatz in Silage, feuchten Wiesen oder dem letzten Schnitt ist das wichtig.

Ist das Symbol in der linken Ecke des Terminals grün, hat TIM das Kommando. Quelle: Göggerle

Wie entlastet TIM den Fahrer?

Draufsitzen, Knopf drücken und die Presse machen lassen – so einfach geht es nicht. Ohne die Herrschaft des Fahrers macht TIM gar nichts. Schritt für Schritt geht es so:

  1. An der Kabinensäule den ISO-Auto-Schalter und damit die Funktion TIM aktivieren.
  2. Zapfwelle einschalten und die Motordrehzahl speichern: Bei uns erreicht der Motor mit 1.900 U/min die gewünschten 500 Zapfwellenumdrehungen für den Antrieb der Presse.
  3. Entweder Fahrhebel nach vorn schieben oder den Hebel der Wendeschaltung einlegen: TIM lässt sich erst aktivieren, wenn der Traktor 0,5 km/h schnell fährt.
  4. Am Multifunktionshebel die Taste auf der Rückseite drücken: Leuchten im Display alle Viertel eines Kreises grün, ist TIM aktiv.

Das Terminal muss vorher wissen, in welchem Hydrauliksteuerventil die Anschlüsse für die Heckklappe stecken. Elektromechanische Steuerventile sind ein Muss für TIM.

Lediglich eine Kette übernimmt den Hauptantrieb von Walzen, Riemen und Rotor. Qulle: Göggerle

Der Mensch bleibt unverzichtbar

Auch wenn TIM den Fahrer entlastet, ganz ohne ihn geht es nicht. Er muss weiterhin die Pick-up in Schlangenlinien über die Schwaden steuern, um so die Presskammer gleichmäßig zu füttern. Es ist außerdem keine gute Idee, die Presskammer mit dem fertigen Rundballen am Hang zu öffnen.

TIM ist es egal! Gut, dass der Fahrer die nächste Funktion auf „Pause“ schalten kann. Dann verzichtet die Automation auf das Öffnen und man kann den Ballen sicher quer zum Hang ablegen. Übrigens: Auch ­weiterhin bekommt der Fahrer ein Piepsignal zu hören, wenn der Ballen 75 Prozent und 100 Prozent seines eingestellten Durchmessers erreicht hat – gut!

Wer die Fäden gerne in der Hand behält, grenzt die Aufgaben von TIM im Terminal ein. Dann hält der Fahrer selbst an, aber die Ballenkammer schließt und öffnet sich automatisch. Oder der Traktor stoppt selbst und startet das Binden, lässt aber die Klappe geschlossen. Neugierig machte uns an der Presse ein kleines Bauteil auf der serienmäßigen Ballenrampe. Den Sensor haben nur TIM-Maschinen verbaut. Mit seiner Hilfe weiß der Jobrechner, wann der Ballen die Kammer verlassen hat. Die Rampe ist so lang, dass zurückrollende Ballen nicht mit der Klappe kollidieren können.

Die TIM-Komponenten rüstet übrigens der Händler nach. Ab Werk gibt es sie nicht, wohl aber die Vorbereitung und Aussparung für den Sensor an der Rampe.

Ob die Presskammer gleichmäßig befüllt ist, messen seitliche Laschen. Quelle: Göggerle

So rechnet sich TIM

Wir haben uns gefragt: Welcher Lohn steht TIM zu? Das Freischalten der Funktion an Traktor und Presse kostet einmalig 417 Euro, der Rampensensor nochmals 159 Euro. Fortlaufende Kosten entstehen keine.

Bei einem üblichen Nutzungspotenzial einer Rundballenpresse von 35.000 Ballen (oder zehn Jahren) verursacht TIM Kosten in Höhe von 2 Cent pro ­Ballen (35.000 : 576=0,02). Anders ausgedrückt: Der Pressenfahrer müsste jedes Jahr aufgrund der Entlastung durch TIM rund 5 Stunden länger durchhalten.

Auch wenn TIM den Fahrer entlastet, ganz ohne ihn geht es nicht. Er muss die Pick-up in Schlangenlinien über die Schwaden steuern, um so die Presskammer gleichmäßig zu füttern. Quelle: Göggerle

Fazit

IntelliBale mit TIM entlastet, wenn Presse und Fahrer Tausende Ballen im Jahr und lange Schichten in den Arbeitsspitzen fahren. Allein das automatische Öffnen und Schließen der Heckklappe (und das garantiert sichere Verriegeln) machen es leichter. Den Vorteil erkauft man sich mit gerade mal 2 Cent pro Ballen. Vorausgesetzt, es steht bereits ein New Holland T6 oder T7 (oder die Konzernbrüder Case IH Puma und Maxxum) mit Stufenlosgetriebe auf dem Hof.

Hier gibt es noch Potenzial: Quaderballenpressen mit TIM-Funktionen bieten mehr Nutzen. Die Automatik regelt dann auch die Geschwindigkeit abhängig von der Schwadstärke. Diese Funktion kann für Rundballenpressen aber bisher kein Hersteller anbieten.

Damit TIM auch mit unterschiedlichen Fabrikaten läuft, muss zügig die AEF-Prüfung kommen und garantieren, dass beide Geräte zusammenarbeiten. Denn auch zwischen Traktor und Presse gilt dasselbe wie in einer guten Partnerschaft: Stimmt die Kommunikation, klappt alles einfacher.

LOB UND TADEL

LOB: Entlastung des Fahrers durch selbstständiges Stoppen

LOB: überschaubarer Mehrpreis

LOB:keine Folgekosten

TADEL: keine automatische Geschwindigkeitsregelung

TADEL: bisher nur mit Traktoren der eigenen Marke verwendbart

Weitere spannende Informationen findest Du auf agrarheute.com und in der Maiausgabe von agrarheute.

Cover-agrarheute-Mai-2019

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