Humus: ohne ihn wären unsere Böden so unfruchtbar wie eine Wüste. Wir erklären Dir, was Humus eigentlich genau ist und wie Du herausfindest, wieviel Humus in Deinem Boden steckt.

Was ist eigentlich Humus?

Humus: ohne ihn wären unsere Böden so unfruchtbar wie eine Wüste. Wir erklären Dir, was Humus eigentlich genau ist und wie Du herausfindest, wieviel Humus in Deinem Boden steckt.

Originalbeitrag von Klaus Strotmann, agrarheute

Humus stabilisert den Boden, nimmt Wasser auf und macht mit seinen Mikroorganismen Nährstoffe pflanzenverfügbar. Außerdem ist er einer der wichtigsten Kohlstoffspeicher. Wenn chemischer Pflanzenschutz und Dünger immer weiter reduziert werden müssen, wird der Humus immer mehr zum kostenbaren Kapital. Denn mit schwindenden Optionen bei der Chemie gewinnt der Boden wieder stark an Bedeutung.

Wie entsteht eigentlich Humus?

Humus ist abgestorbene organische Bodensubstanz. Er entsteht bei der Zersetzung von Pflanzenresten und Bodenorganismen. Dabei ist der überwiegende Teil – 75 bis 95 Prozent – stabiler Dauerhumus. Stabilisierungsprozesse im Boden verhindern, dass Mikroorganismen die organische Substanz fortschreitend abbauen. Dabei spielen Tonminerale eine wichtige Rolle, denn an sie binden sich die Huminstoffe. Tonreicheböden können so rund doppelt so viel Humus speichern wie sehr sandige Böden.

Wie funktioniert der Kohlenstoffkreislauf?

Humus besteht zu rund 58 Prozent aus Kohlenstoff (C). Weil Pflanzen mithilfe der Fotosynthese selbst Kohlenstoff aus dem CO2 der Luft binden und daraus Zucker produzieren, brauchen sie den Humuskohlenstoff nicht. Der Kohlstoff bleibt also auch bei der Ernte im Humus. Im Gegenteil: die Pflanzen geben sogar bis zu 30 Prozent ihres produzierten Zuckers über die Wurzeln ab. Damit versorgen sie Pilze und Bakterien im Boden. Die bauen Humus ab, gewinnen daraus Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium und machen sie pflanzenverfügbar. Andere Bodenorganismen zersetzen Pflanzenreste und bilden daraus neuen Humus. Der Kohlenstoffkreislauf schließ sich.

Der überwiegende Teil des organischen Kohlenstoffs ist im stark durchwurzelten Oberboden gebunden, also in bis zu 30 cm Tiefe. Dort liegen im Schnitt zwei Drittel der Gesamtmenge. Doch auch der Unterboden ist hinsichtlich des Kohlenstoffs wichtig. Dort wird er sehr viel langsamer umgesetzt. Kohlenstoffeinträge über Tiefwurzler und grabende Bodenorganismen sind damit besonders wichtig, um klimawirksames CO2 langfristig zu speichern.

Wieviel Humus befindet sich in den Böden?

Der Humusgehalt in Masseprozent berechnet sich aus dem Gehalt an organischem Kohlenstoff (Corg), multipliziert mit dem Faktor 1,72. Die Humusgehälter liegen im Durchschnitt ….

  • … bei über der Hälfte der hiesigen Ackerböden zwischen 2 und 4 Prozent …
  • … bei Grünlandböden überwiegend zwischen 4 und 8 Prozent …
  • … bei Moor- und Torfböden bei über 30 Prozent.
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Quelle: BMEL/Bodenzustandserhebung

Wie baue ich Humus auf?

Direktsaat ist der konsequenteste Weg, um den Humusaufbau zu fördern. Doch auch viele kleine Stellschrauben haben in der Summe eine starke Wirkung auf das Bodenleben. Hier sind 10 Tipps:

  1. Fördere den dauerhaften Bewuchs! Das ist der Schlüssel für ein funktionierendes Bodennahrungsnetz und für den Humusaufbau.
  2. Baue Zwischenfrüchte an! Denn Zwischenfrüchte sind für die Mikroorganismen leicht abbaubares Material.
  3. Nutze die Effekte von Leguminosen! Sie fixieren über ihre Wurzelknöllchen in der Symbiose mit Rhizobien Luftstickstoff.
  4. Kombiniere Mehrer und Zehrer! Ein ausgeglichenes Verhältnis von Humuszehrern (z.B. Hackfrüchte) und Humusmehrern (z.B. Klee) kommt dem standorttypischen Humusgehalt zugute.
  5. Bearbeite Deine Böden schonend! Nicht wendende Bodenbearbeitung und Direktsaat können die Humusgehalten in der oberen Krume erhöhen.
  6. Unterstütze die Wurzeln! Wurzeln tragen 2,3-mal mehr zum organischen Kohlstoffgehalt im Boden bei als die gleiche Menge oberirdischer Biomasse.
  7. Belasse Erntereste auf dem Feld! Sie schützen als Mulchdecke und bilden einen nährstoff- und strukturaufbauenden Pool.
  8. Dünge organisch! Wirtschaftsdünger versorgen den Boden mit organischer Substanz und basisch wirksamen Stoffen und die Pflanzen mit notwendigen Nährstoffen.
  9. Stelle den pH-Wert richtig ein! Bodenmikroorganismen benötigen einen neutralen pH-Wert.
  10. Teste Bodenhilfsstoffe! Mikroorganismenpräparate enthalten Mykorrhizapilze, phosphormobilisierende Bakterien oder freilebende Stickstofffixierer. Sie sollen das Pflanzenwachstum anregen und die Bodenfruchtbarkeit verbessern.
Humus: ohne ihn wären unsere Böden so unfruchtbar wie eine Wüste. Wir erklären Dir, was Humus eigentlich genau ist und wie Du herausfindest, wieviel Humus in Deinem Boden steckt.

Die App CarboCheck hilft dabei zu erkennen, ob Humus auf- oder abgebaut wird. Foto: Philipp von Rössing

Mit der App CarboCheck kannst Du überprüfen, ob Deine Art der Bewirtschaftung eher Humus auf- oder abbaut. Dafür fotografierst Du einfach den Boden mit dem Smartphone und schickst das Bild an die Datenbank. Die Algorithmen der App berechnen aus der Bodenfarbe den aktuellen Humusgehalt. Der Ausgangswert der App fließt neben Daten zu Standort und Bewirtschaftung in die Software zur Humusberechnung ein. Eine Ampel zeigt Dir dann, ob sich unter der aktuellen Bewirtschaftung Humus auf- oder abbaut. Grün steht dabei für Humusaufbau, rot für Humusverlust. Gelb zeigt an, dass keine Änderung zu erwarten ist.

Beitragsbild: Timo Jaworr

Weitere wertvolle Informationen rund um den Humus findest Du im aktuellen Titelthema des agrarheute Magazins.

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