Wie geht es bei Christina weiter, wo sie nun offizielle Hofnachfolgerin des Genholter Hofs ist? Ein Feuerwerk an Tatendrang will sich jedenfalls nicht so recht einstellen. Sie erklärt, warum.

Hofübernahme – und jetzt?

Wie geht es bei Christina weiter, wo sie nun offizielle Hofnachfolgerin des Genholter Hofs ist? Ein Feuerwerk an Tatendrang will sich jedenfalls nicht so recht einstellen. Sie erklärt, warum.

Hofübernehmerin Christina aus Nordrhein-Westfalen.

Hofübernehmerin Christina aus Nordrhein-Westfalen.

Hallo Ihr fleißigen Hofhelden,

nun sind schon einige Wochen vergangen, nachdem ich DIE Entscheidung – wahrscheinlich eine der größten meines Lebens – mit Euch geteilt habe. Wie schnell vergeht die Zeit? Stand ich doch gefühlt erst gestern in meinem Seminar in Münster und hatte die Augen für die Zeitreise ins Jahr 2027 geschlossen. Niemals hätte ich damals gedacht, dass ich nun hier stehe: Als Nachfolgerin des Genholter Hofes, die nicht nur bei Hofheld über ihren Weg berichtet, sondern auch u.a. im WDR live zu sehen war und Anfragen der F.A.Z. erhält.

Aber wie geht es nun weiter?

Eine durchaus berechtigte Frage, die ich Euch eigentlich sehr, sehr, sehr gerne detaillierter beantworten würde. Euch interessiert vielleicht, welche Aufgaben mir nun übertragen werden, wie die Zusammenarbeit mit meinen Eltern bzw. Chefs funktioniert und welche meiner persönlichen Vorstellungen zum GeHo 2.0 wann und wie umgesetzt werden. Aber irgendwie kann ich auf all das gerade nicht so recht eingehen. Nicht, weil ich keine Antworten habe, sondern eher nicht so richtig „Pack An“-an die neue Situation finde. Ich habe sogar tatsächlich auch erst einmal daran gedacht, keinen Blogbeitrag zu schreiben. Was hätte ich Großartiges zu berichten? Also musste Rat her. Und wer könnte ihn mir in diesen Themen besser geben als meine beiden Ansprechpartnerinnen von Hofheld Dagmar und Désirée? Gesagt – getan: Kurz habe ich meine derzeitige Gefühlssituation beschrieben und auf hilfreichen Input gehofft, die nicht lange auf sich warten ließ: „Beschreibe bitte genau DAS! Denn du wirst nicht die Erste und nicht die Letzte gewesen sein, die nach so einer aufregenden und anstrengenden Zeit in eine Art Loch fällt.“

Oookay, dann kommt nun die ungeschönte Wahrheit, wie es mir nach all dieser Zeit ergangen ist… (es hört sich dramatischer an, als es ist :-P). So befinde ich mich nämlich gefühlt gerade in einer Art Trance. Ist schließlich nicht nur DER fast 3-jährige Entscheidungsweg mit der finalen Entscheidung gerade zu Ende gegangen, sondern hat auch die vergangene Spargelzeit, mit den vielen außergewöhnlich anstrengenden Wochen, Spuren hinterlassen. Haben wir doch zuletzt Tag für Tag im Hofladen, Restaurant und in der Landwirtschaft alles gegeben, gehofft, dass die Corona-Situation sich nicht noch einmal so zuspitzt, wie in den Anfangsmonaten März bis Mai und dass unsere Saisonkräfte auf einem einfacheren Weg in Ihre Heimat zurückkommen, als sie zu uns gekommen sind. All diese Spuren führen nun dazu, dass wir (ja tatsächlich ergeht es meinen Eltern ähnlich wie mir) hier gerade unsere alltägliche Arbeit eher ein bisschen „abspulen“ und nicht so richtig das Gefühl haben, etwas zu „schaffen“.

Sollten wir uns doch eigentlich darüber freuen, ab jetzt mehr Zeit und Ruhe zu haben. Zeit zum Durchatmen, für ein Bier mit Freunden (natürlich unter Corona Bedingungen 😉), ja auch einmal in Ruhe ein Essen zu genießen und es nicht nur wegen des Zeitmangels hinunterzuschlingen und als Hungerstiller anzusehen. Insbesondere für mich auch Zeit, in der ich mich wieder intensiv mit der Zukunft des GeHos aka GeHo 2.0 beschäftigen könnte. Wo ich doch weiß, dass das Skizzieren der Zukunft in mir doch meist ein Kribbeln und gaaanz viel Vorfreude auf das, was da kommt, hervorruft. Denn das ist definitiv in den letzten Monaten eher auf der Strecke geblieben … Doch das Gefühl der Erleichterung nun vorerst DIE stressigste Zeit des Jahres überstanden zu haben, mag sich nicht so richtig einstellen. Vielleicht kennt Ihr das auch? Die Ausnahmesituation Ernte, während der Ihr täglich mehr Stunden gearbeitet als geschlafen habt, ist vorüber und nun sollt Ihr einfach wieder zum „normalen“ Alltag übergehen. Nicht so leicht, oder?

Also was tun?

Vielleicht in erster Linie erst einmal: Akzeptieren, sich nicht unter Druck setzen und Bewusstsein schaffen! Denn nur so können wir als Familie und Familienbetrieb aus dieser Zeit nachhaltig etwas mitnehmen, die uns eben nicht nur durch Corona, sondern auch als Familie besonders gefordert hat. So versuchen wir also derzeit, den Mehrwert der vergangenen Wochen zu erkennen. Dies versuchen wir, indem wir erstens: Akzeptieren, dass dieses Gefühl des „ins Loch fallen“ da und vor allen Dingen auch normal ist. Und zweitens: Uns Zeit geben, dieses zu verarbeiten und langsam in den Alltag zurückkommen. Meine Eltern tun dies, indem sie wieder mehr Rad fahren, während ich Blogbeiträge schreibe. Denn auch dies ist tatsächlich eine kleine Art des Verarbeitens: sich intensiv mit der Situation zu beschäftigen und zu reflektieren, was denn eigentlich der Kern des Unwohlfühlens ist. Und drittens: Sich auf schöne Dinge konzentrieren, die vielleicht in naher Zukunft anstehen. So freuen sich meine Eltern nun auf ihren Jahresurlaub und ich mich auf den Kurzurlaub in meine Lieblingsstadt Münster mit meinem Freund und auf den Trip zu meiner Schwester nach Berlin. Bei diesem möchte ich mir im coworkingplace coconat-retreat in Brandenburg bewusst Zeit nehmen, um den Start des Generationswechsels anzugehen.

Also Ihr seht, es geht immer weiter. Und Ihr erhaltet sicher bald Antworten auf die Fragen: Und nun? Was hat sie mit dem GeHo 2.0 vor? 😉

Eure Christina

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