Die Hofübergabe ist oft einer der kompliziertesten Lebensabschnitte von Hofübernehmer und Altenteiler. Doch warum eigentlich? Und wie kann ich Konflikten vorbeugen? Anne Dirksen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen plaudert aus dem Nähkästchen.

Dos und Dont’s bei der Hofübergabe

Die Hofübergabe ist oft einer der kompliziertesten Lebensabschnitte auf einem Familienbetrieb. Doch warum eigentlich? Und wie kann ich Konflikten vorbeugen? Anne Dirksen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen plaudert aus dem Nähkästchen.

Ein Interview von Maya Rychlik, agrarheute

Warum kommt es bei der Hofübergabe überhaupt zu Konflikten?

Auf vielen Höfen herrscht meist die sogenannte Sprachökonomie. Sind die Familienmitglieder unter sich, reden sie über Technisches. Selten geht es um Dinge, die das ganze Unternehmen und die Familie betreffen. Für viele ist die Hofnachfolge keine angenehmes Thema, über das man sich mal eben so unterhält. Die Folge ist, dass die Familienmitglieder jahrelang nicht über ihre Wünsche reden. So entsteht eine stillschweigende Erwartungshaltung. Dabei sind die Wünsche oft völlig gegensätzlich.

Was heißt das konkret?

Oft erwarten die Eltern von ihren Kindern, den Betrieb genauso weiterzuführen, wie sie es selbst schon lange tun. Es ist ja auch schwierig, sich von etwas zu trennen, in das man viel Arbeit, Zeit und Geld gesteckt hat. Nach dem Motto: Das Konzept funktioniert, also wird es das auch für die Kinder tun. Eltern trauen ihren Kindern oft zu wenig zu. Die Nachfolger haben aber häufig Ideen, die sie gern umsetzen würden.

Was ist die Herausforderung an neuen Betriebszweigen?

Oftmals erfüllen sich gerade Mütter zum Beispiel mit einem hofeigenen Café einen lange gehegten Traum. Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, wie notwendig es ist, diese große Investition nicht nur mit dem Partner, sondern auch mit der nachfolgenden Generation abzustimmen. Die Familie muss die Investition im Gesamtzusammenhang des Betriebs betrachten, genau wie die Aufnahme jedes anderen Betriebszweigs. Hobbys oder gar Selbstverwirklichung werden oft nicht kommuniziert, gerade wenn der Hofnachfolger einen anderen Betriebsschwerpunkt hat. Hier muss man sich mit den Beteiligten zusammensetzen, Wünsche und Erwartungen aufnehmen und diskutieren, um gemeinsam einen neuen Weg zu finden.
Das beugt Konflikte bei der Hofnachfolge vor
  • Wünsche und Ideen frühzeitig äußern
  • Rechtzeitig über alle Belange informieren
  • Checkliste machen
  • Vereinbarungen vertraglich (schriftlich) festhalten
  • Verträge erst unterschreiben, wenn verstanden
  • „über den eigenen Tellerrand schauen“ und ver­suchen, die Situation des anderen zu verstehen

Wie bereitet man sich am besten auf solch ein klärendes Gespräch vor?

Jeder sollte seinen Standpunkt aufschreiben oder eine Wunschliste dessen machen, was er gern ansprechen würde. Das erfordert zwar Mut, ist aber wichtig, um am Ende zu einer Einigung zu kommen und zufrieden aus der ganzen Sache herauszugehen. Oft zeigt der Berater Möglichkeiten auf, von denen beide Parteien vorher nichts ahnten.

Welche Kosten kommen bei einer Beratung auf die Landwirte zu?

Die Kosten für eine Beratungsstunde bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen betragen 74 Euro. Manche Konflikte lassen sich bereits in zwei Terminen lösen; manchmal sind aber fünf Termine nötig. Ich empfehle immer eine Live-Beratung. Natürlich kann man sich auch online oder per Telefon informieren. Das geht aber nur bis zu einem gewissen Punkt, da jede Familie anders tickt.

Konnten Sie einmal keinen Kompromiss erzielen?

Jeder Fall ist anders. In meiner gesamten beruflichen Laufbahn kamen mir nicht zwei identische unter. Manchmal beharren beide Seiten felsenfest auf dem, was sie anfangs verlangten. Ist kein Kompromiss möglich, lasse ich mich aber nicht entmutigen. Das ist ja schließlich auch ein Ergebnis. Mir ist schon der ein oder andere unlösbare Fall untergekommen. Einmal sollte die Hofübergabe am 50. Geburtstag des Hofnachfolgers stattfinden – ein Alter, in dem man in der Lage sein sollte, einen Betrieb zu führen. Die Eltern haben sich aber komplett quergestellt. Der Fall endete damit, dass der Nachfolger sich vom elterlichen Betrieb abgewandt und einen anderen Hof gepachtet hat.
Das solltest Du bei der Hofübergabe unbedingt vermeiden
  • „in Stein gemeißelte Wünsche“ haben und keine Kompromissbereitschaft zeigen
  • Mündliche Vereinbarungen treffen
  • Sofort emotional reagieren. Bleibe sachlich, auch wenn Du Dich benachteiligt siehst.
  • Desinformation des anderen als Rache sehen: Da ist Streit vorprogrammiert

Sie sind mehr als 30 Jahre in der landwirtschaftlichen Beratung. Wie entwickelt sich aus Ihrer Sicht die aktuelle Generation der Hofnachfolger?

Die Beratung wird tendenziell immer öfter in Anspruch genommen. Das ist erfreulich! Gerade junge Leute müssen sich rechtzeitig kümmern. Meine Generation hat die „Sprachökonomie“ viel stärker erlebt. Es wird mehr geredet in Familien und vor allem sind junge Leute selbstbewusster. Viele wollen die Betriebe verändern und teilen dies auch mit. Solch eine Entwicklung kann ich nur begrüßen.

Was wollen Sie Hofnachfolgern auf den Weg mitgeben?

Nicht Schweigen, sondern Reden ist Gold! Information ist Pflicht und unterschreiben sollte man erst, wenn man wirklich alles verstanden hat.

Das ganze Interview sowie weitere spannende Artikel zu Technik, Pflanzenbau, Tierhaltung, Politik und Management liest du in der Augustausgabe von agrarheute.

Cover-agrarheute-August-2019

WhatsApp-LogoMelde Dich jetzt für den WhatsApp-Newsletter an und bekomme die aktuellen Beiträge von Hofheld bequem aufs Handy!

Beitragsbild: imago

Schreibe einen Kommentar