Etwa 15 000 Landwirte haben in Deutschlands Städten demonstriert. Auch Niko hat an der Kundgebung in Stuttgart teilgenommen. Er berichtet davon, was er an diesem Tag erlebt hat und wie er ihn persönlich empfunden hat.

Hände reichen, keine Fäuste ballen!

Etwa 15 000 Landwirte haben in Deutschlands Städten demonstriert. Auch Niko hat an der Kundgebung in Stuttgart teilgenommen. Er berichtet davon, was er an diesem Tag erlebt hat und wie er ihn persönlich empfunden hat.

Quereinsteiger Niko aus Baden-Württemberg.

Quereinsteiger Niko aus Baden-Württemberg.

Hallo Hofhelden,

Na, wer von euch war auch dabei? Unter dem Motto Land-schafft-verbindung haben am 22.10.2019 ca 15 000 Landwirte deutschlandweit demonstriert. Julia und ich haben uns getroffen, um an der Kundgebung in Stuttgart teilzunehmen. Gedanken und Gefühle, die uns an diesem Nachmittag erfüllten möchte ich heute gerne mit euch teilen. Dieser Beitrag soll niemanden persönlich angreifen, es wird lediglich die persönliche Einschätzung des Autors wiedergegeben.

Stolz

Alles in Allem war ich an diesem Tag sehr stolz ein Teil dieser Bewegung gewesen zu sein. Beinahe unfassbar, dafür umso beeindruckender ist die Tatsache, dass es gelungen ist eine solche Demonstration innerhalb von zwei Wochen zu organisieren. Keine Verletzten, kein Müll, keinerlei Ausschreitungen. Darauf kann man stolz sein, denn es wurden Flexibilität, Einsatzbereitschaft und Organisationsvermögen seitens der Landwirte bewiesen. Das Ergebnis waren bunte Plakate, geschmückte Schlepper sowie ein einheitliches Auftreten in der Öffentlichkeit mit gemeinsamen Forderungen.

Etwa 15 000 Landwirte haben in Deutschlands Städten demonstriert. Auch Niko hat an der Kundgebung in Stuttgart teilgenommen. Er berichtet davon, was er an diesem Tag erlebt hat und wie er ihn persönlich empfunden hat.

„Ohne Landwirtschaft ist alles doof“ Foto: Niko Ziegler

Wut in der Brust

In Stuttgart konnten wir das Geschehen auf der Bühne und drum herum aus der ersten Reihe erleben. Zu Beginn wurden zwei unerwartete Gesichter zur Rede gerufen. Herr Hauk, Minister für Ländlichen Raum, sowie Herr Baumann vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft. Beide konnten in ihren Reden nicht überzeugen und wanden sich mit geschickten Formulierungen um die heißen Gesprächsthemen herum.

Besonders enttäuscht war ich persönlich von Herrn Hauk, der in den letzten Zügen seiner Rede das Mercosurabkommen beinahe zu loben zu schien. Unter dem Motto, man müsse den gesamtgesellschaftlichen Wohlstand immer im Blick behalten wurde die ökologische Katastrophe, die dieses Abkommen darstellt, seinerseits abgetan. Pfiffe, wütende Ausschreie –„verkauft werden wir“- bis hin zum Stillschweigen waren die Reaktionen seitens der Landwirte, teils nachvollziehbar, teils auch etwas übertrieben.

Ernüchterung

Mit breiter Brust und erhobenem Haupt standen die Landwirte vor der Bühne und lauschten nun den Rednern aus den eigenen Reihen. Sie trugen, sicher nicht so wortgewandt wie mancher Politiker, dafür ehrlich, ihre Anliegen vor und heizten die Menge an. Den Reden zu folgen fiel mir persönlich schwer, viel zu wütend war ich über die Tatsache, dass die Vertreter der Politik nach ihren Reden das Gelände verlassen hatten. Keinen Schneid dazu, sich die Meinung der Landwirte anzuhören. Ebenfalls war mir aufgefallen, dass nahezu alle Vertreter der Presse, die zu Beginn noch zahlreich vorhanden waren, ebenfalls geflüchtet waren. Traurig. Leute, die ihre Arbeit nicht ordentlich machen also.

Die Ignoranz und Arroganz mit der man den Landwirten an diesem Tag in Stuttgart begegnete ist für mich kaum zu fassen. So erwartet man doch wenigstens von der sonst so gierigen Presse bis zum Ende verfolgt zu werden und auch den beiden Ministern wäre zuzutrauen sich die Redner seitens der Landwirte anzuhören und für Gespräche offen zu sein. Schließlich bilden deren Ministerien die Schnittstelle zwischen praktischer Landwirtschaft, sowie gesellschaftlichen und ökologischen Problemen, die es gemeinsam zu lösen gilt. Es scheint nicht klar geworden zu sein, dass wir Landwirte an diesem Tag nicht vor Ort waren um Fäuste zu ballen und zu jammern, sondern um Hände zu reichen. Wir wollen gemeinsam zukunftsfähige Lösungen erarbeiten.

Etwa 15 000 Landwirte haben in Deutschlands Städten demonstriert. Auch Niko hat an der Kundgebung in Stuttgart teilgenommen. Er berichtet davon, was er an diesem Tag erlebt hat und wie er ihn persönlich empfunden hat.

Landwirtschaft rockt, Landwirtschaft verbindet! Julia und ich auf der wunderbar geschmückten Bühne. Foto: privat

 

Der Ausweg, nur gemeinsam

Die Verbundenheit dieser Bewegung muss genutzt werden. Es ist nun in unserer Verantwortung an Lösungen für die so oft diskutierten Brennpunkte zu arbeiten. Lösungen, die Erfahrung über Generationen, Wissenschaft sowie den Umweltgedanken kombinieren. Lösungen, die für Verbraucher sowie für Produzent tragbar und umsetzbar sind. Ideen und Konzepte, die in Generationen denken.

Diese Verantwortung obliegt nun Landwirten, jung oder alt. Es muss ausprobiert und quer gedacht werden. Pioniere und gute Vorbilder gibt es global verteilt ausreichend für jede Wirtschaftsweise. Dazu zählen Verbraucheraufklärung und Kompromissbereitschaft zu unseren Aufgaben.

Wissenschaftler an den Universitäten sind in der Pflicht neue Verfahren, technische biologische oder gentechnische Lösungen zu entwickeln sowie die Praktiker durch Bildungsangebote zu unterstützen.

Gleichzeitig muss die Politik dafür sorgen, dass an den richtigen Schrauben gedreht wird. Gelder für Forschung, mehr Bildung, sowie den Einbezug der landwirtschaftlichen Vertreter in Diskussionsrunden. Keine Entscheidungen basierend auf Koalitionsabsprachen oder Ideologiegedanken, sondern orientiert an der Meinung der Wissenschaft.

Auch der Verbraucher ist in der Pflicht sich zu bilden, zu informieren und so seinen Teil dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe zu erfüllen. Denn letztendlich entscheidet auch die indirekt betroffene breite Masse mit Stimmzettel, sowie Einkaufswagen wohin die Zukunft geht.

Wir wollen auch in Zukunft eine nachhaltige und möglichst ökologische Nahrungsmittelproduktion haben, also sind wir alle in der Pflicht unsere Hausaufgaben zu machen. Zukunft geht uns alle etwas an. Selten wurde in der Geschichte über komplexere Sachverhalte diskutiert. So stehen die Problemfelder der nächsten Jahre mehr denn je in Verbindung zueinander und schreien danach in Einheit angegangen zu werden.

Es wird wohl zu schaffen sein, danke fürs Lesen ich bin gespannt auf eure Meinungen und Ideen.

Euer Nikolitsch

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