Kaum ein Thema wird auf den Höfen und in der Gesellschaft so heiß diskutiert, wie die Ausbringung von Gülle. Wie die Landtechnikindustrie darauf reagiert, zeigt ein Marktüberblick, den die Kollegen von agrarheute auf der Agritechnica erstellt haben.

High-Tech fürs Güllefass

Kaum ein Thema wird auf den Höfen und in der Gesellschaft so heiß diskutiert, wie die Ausbringung von Gülle. Wie die Landtechnikindustrie darauf reagiert, zeigt ein Marktüberblick, den die Kollegen von agrarheute auf der Agritechnica erstellt haben.

Originalbeitrag von Maximilian Ruhl für agarheute

Der 1. Februar ist Stichtag: Nun gilt die verschärfte Ausbringungspflicht der Düngeverordnung auf Ackerflächen. Zum Beispiel ist neben der Einarbeitungspflicht innerhalb von vier Stunden lediglich eine streifenförmige Ablage in stehenden Beständen erlaubt. Auch der Einsatz klassischer Breitverteiler zur Andüngung von Wintergetreide mit Gülle im Frühjahr ist nicht mehr zulässig. Da kommt was auf die Landwirte zu.

Um den politischen Vorgaben Rechnung zu tragen, haben die Hersteller aus dem Bereich Wirtschaftsdünger ihre Produktpalette angepasst

Andockarme

In den letzten Jahren haben sich Befüllhilfen aller Art immer weiter durchgesetzt, sei es fest installiert auf dem Hof oder mitführbar am Ausbringungsgespann. Andockarme können sowohl direkt am Fass als auch am Zugfahrzeug angebracht werden. Durch zusätzliche Beschleunigungspumpen sind Füllleistungen von rund 11m³/min möglich.

Kaum ein Thema wird auf den Höfen und in der Gesellschaft so heiß diskutiert, wie die Ausbringung von Gülle. Wie die Landtechnikindustrie darauf reagiert, zeigt ein Marktüberblick, den die Kollegen von agrarheute auf der Agritechnica erstellt haben.

Bis zu 4,50 m hoch und 2,75 m weit reicht der Saugarm FreeSight von Wienhoff. Foto: Werkbild

Am Schlepper montiert, sind Andockarme flexibel in der Reichweite und Höhe und sorgen für den nötigen Ballast bei gleichzeitig höherer Nutzlast, da das Fass entsprechend leichter ist. Gleichzeitig erfordern die Pumpen aber einen separaten Anbau und schränken die Sicht ein. Für mehr Überblick bei der Straßenfahrt sorgt beispielsweise der FreeSight von Wienhoff, durch seine kompakte Klappung. So ragt er nicht über die Motorhaube hinaus.

Messgeräte

Gülle ist nicht gleich Gülle. Um schon bei der Befüllung auf dem Hof zu wissen, wie sich die Ausbringung bedarfsgerecht optimieren lässt, bieten nahezu alle Hersteller Mess­geräte an. Sie können sowohl am Fass verbaut sein als auch in mobilen Stationen neben dem Güllelagerbehälter platziert werden. Letztere bieten den Vorteil, dass mehrere Betriebe sie gemeinsam nutzen können.

Die Messinstrumente erfassen die wichtigsten Nährstoffe sowie die Trockensubstanz mithilfe von NIRS-Technik (Nahinfrarotspektroskopie). Dabei werden von der Gülle reflektierte Lichtstrahlen erfasst und ausgewertet. In manchen Bundesländern sind diese Ergebnisse als grundlage zur Düngebedarfsermittlung zugelassen. Gleichzeitig mit der Ausbringung kann eine schlaggenaue Dokumentation vorgenommen werden.

Einen weiteren Ansatz hat der dänische Hersteller Samson kürzlich vorgestellt: Das System erkennt die atomare Konzentration der Inhaltsstoffe innerhalb des Substrats. Eine Eichung könne damit entfallen und die Messung noch genauer machen, so der Hersteller.

Verteilung

Die Nährstoffe bedarfsgerecht auf die Fläche zu bringen, erfordert hohe Leistung – die Logistik muss passen. Die Arbeitsbreiten reichen je nach Technik bis zu 36 m. Ein systembedingtes Problem von großen Verteilbreiten ist allerdings das sogenannte Anfahr-V. So wird die Zeitspanne zu Beginn der Ausbringung bezeichnet. So lange dauert es, bis aus allen Auslässen gleichmäßig der Wirtschaftsdünger fließt. Optisch zeichnet sich diese Phase als ein „V“ auf der Fläche ab: Hinter dem Fass wird die Gülle sofort beim Anfahren abgelegt, an den Verteilerenden erst nach einigen Metern.

In den vergangenen Jahren haben die Hersteller ihre Schlauchverlegung immer weiter optimiert und die Schlauchlängen dahingehend vereinheitlicht. Zahlreiche neue Baureihen sind dadurch entstanden. Kürzere und damit schneller Pumpwege erreicht die niederländische Firma Bomech, indem sie statt der üblichen zwei nun wahlweise vier Verteilerköpfe der Tochtermarke Alrena auf dem Gestänge verbaut. So halbieren sich die bisherigen Distanzen. Durch das Abschalten einzelner Köpfe können außerdem bis zu vier Teilbreiten realisiert werden.

Kaum ein Thema wird auf den Höfen und in der Gesellschaft so heiß diskutiert, wie die Ausbringung von Gülle. Wie die Landtechnikindustrie darauf reagiert, zeigt ein Marktüberblick, den die Kollegen von agrarheute auf der Agritechnica erstellt haben.

Speziell für Selbstfahrer bietet Bomech den Compact-Verteiler an. Foto: Werkbild

Wer noch mehr Genauigkeit bei Überlappungen wünscht, findet bei Vogelsang eine Lösung. Von der Kabine aus lassen sich Luftbälge in den Gülleleitungen öffnen und schließen. Eingebaut werden die Bälge beispielsweise direkt hinter dem neuen wartungsoptimierten ExaCut ECQ. Eine Nachrüstung in andere Verteiler ist möglich. Fliegl nimmt mit seinen Schneckenverteilern eine Sonderstellung ein. Diese Verteiltechnik sorgt für die Dosierung und den Transport der Gülle über einen weiten Teil der Arbeitsbreite. Bisher entschied in erster Linie das Tempo, weil die Abgänge einen festen Durchmesser hatten. Der Trick ist nun, durch Anbringen einer beweglichen Halbschale samt Schlauchabgängen an der Verteilerunterseite bei einer konstanten ­Geschwindigkeit verschiedene Mengen auszubringen. Die Halbschale verändert dabei die Größe des Lochs.

Transportfässer

Ein weiterer Lösungsansatz zur Erhöhung der Schlagkraft ist, das Verfahren in Transport und Ausbringung zu trennen. So ist das Angebot an reinen Transportfässern stark gewachsen und auf die Gülleketten genau abgestimmt: leichte Fahrzeuge mit hoher Nutzlast auf der Straße und Ausbringungsgespanne auf dem Feld, die für den Ackereinsatz optimiert sind.

Selbstfahrer konnten ihren Marktanteil stetig ausbauen und zahlreiche neue Wettbewerber wie Plöger, Vredo und Garant treten mittlerweile gegen die etablierten Systemschlepper von Holmer und Claas an. Durch ihre relativ kompakte Bauweise sind Selbstfahrer sehr wendig und die großen angetriebenen Räder sorgen für hohe Traktion, wenn das Substrat direkt und tief in den Boden eingearbeitet werden soll.

Hier steht in Zukunft jedoch ein Konkurrenzkampf an: Fässer mit hydraulischen Achsantrieben drängen auf den Markt. Die Technik kommt – meist relativ günstig – aus dem Lkw-Bereich und bietet auch auf dem Acker eine hohe Zugleistung. Gleichzeitig reduzieren sich Schlupf und Spurtiefen merklich.

Verschlauchung

Eine Nische mit wachsender Nachfrage stellt die Verschlauchung von Gülle dar, sowohl in kleinen als auch großen Strukturen. Die Technik schafft bis zu 200 m³/h, da ohne Unterbrechung ausgebracht werden kann. Ein weiterer Vorzug ist das im Verhältnis geringe Gewicht, da lediglich ein Schlepper samt Verteiltechnik auf dem Feld unterwegs ist. Aber der enormen Leistung geht eine gut zu planende Einrichtung der Pumpstation voraus. Auf Grünland weniger problematisch, kann der über den Schlag gezogene Schlauch für Einsatzgrenzen auf dem Acker beispielsweise in hohen Beständen im späten Frühjahr sorgen.

Kaum ein Thema wird auf den Höfen und in der Gesellschaft so heiß diskutiert, wie die Ausbringung von Gülle. Wie die Landtechnikindustrie darauf reagiert, zeigt ein Marktüberblick, den die Kollegen von agrarheute auf der Agritechnica erstellt haben.

Der Arm im Heck der Verschlauchungshaspel von Agrometer legt den Schlauch in festen Bahnen ab. Foto: Werkbild

Um auch zu einem späteren Zeitpunkt oder zum Beispiel in Mais verschlauchen zu können, legt die Technik von Agrometer die Zuleitung in festen Bahnen ab. Über einen Auslegearm wird der Schlauch von einer großen Trommel im Bestand stetig auf und abgespult. Die Leistung bleibt auf sehr hohen Niveau, aber der Gewichtsvorteil gegenüber einem klassischen Fass schwindet.

Den gesamten Beitrag sowie weitere spannenden Beiträge aus den Bereichen Pflanze, Technik, Politik, Managament, Markt und Land und Leben findest Du in der aktuellen Ausgabe der agrarheute.

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