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Ingmar Jaschok berichtet auf seinem Blog Hofhuhn über seine Hühnerhaltung. Und das ziemlich erfolgreich: er ist einer von zwei Landwirten, die dieses Jahr für den Goldenen Blogger Award nominiert wurden. Im Hofheld-Interview erzählt er, warum er überhaupt bloggt und was er nie wieder tun würde.

Hofheld trifft Hofhuhn – das Interview zum Goldenen Blogger Award

Ingmar Jaschok berichtet auf seinem Blog Hofhuhn über seine Hühnerhaltung. Und das ziemlich erfolgreich: er ist einer von zwei Landwirten, die dieses Jahr für den Goldenen Blogger Award nominiert wurden. Im Hofheld-Interview erzählt er, warum er überhaupt bloggt und was er nie wieder tun würde.

Das ist Ingmar:

Ingmar ist 28 Jahre alt und gelernter Landwirt. Neben der Schule hat er schon immer geschrieben und auch beim Radio gearbeitet. Nach dem Abi war er dann 1,5 in Schweden, teilweise als FSJ an einer Schule, dann noch ein halbes Jahr auf einem Hof auf einer 125 ha großen Insel.In der Zeit hat er auch seinen ersten Blog betrieben. Zurück aus Schweden hat er seine Ausbildung gemacht und auch eine Zeit lang in Kiel Agrarwissenschaften studiert.

Der Hof seiner Familie liegt im Hunsrück, etwa zwischen Mainz und Trier. Er ist seit fast 30 Jahren Demeter-zertifiziert und arbeitet auf etwas über 100 ha mit 40 Milchkühen plus Nachzucht, deren Milch sie zu 32 verschiedenen Produkten verarbeiten. Dazu kümmert sich Ingmar um die Fleischvermarktung und um sein Hofhuhn-Projekt, was beides immer mehr in die Gänge kommt.

Platz für differenzierte Ansichten

Mit Hofhuhn steht er nun dieses Jahr auf der Shortlist des Goldenen Blogger Awards. Wie auch Julia Nissen alias Deichdeern ist er in der Kategorie „Bestes Heimatgblog des Jahres 2018“ nominiert. Nächsten Montag, am 28. Januar, entscheidet sich, ob einer der beiden den Sieg davontragen kann. Und weil wir die Spannung gar nicht aushalten können, haben wir schonmal mit beiden gesprochen. Ingmar verrät uns, dass er gerade seine Hühner gefüttert hat, als er erfuhr, dass er für den einzigen bereichsübergreifenden Social Media-Preis Deutschlands nominiert ist.

Warum hast Du einen Blog gestartet?

Er ist irgendwie so „passiert“. Ich hatte vor Jahren schon die Idee, eine eigene – in meinen Augen nachhaltige – Form der Hühnerhaltung zu entwickeln und hatte dafür schon lange die Domain „Hofhuhn.de“ gesichert. Als ich dann irgendwann das Gefühl hatte, dass meine Ansichten zu vielen Dingen in der Landwirtschaft zumindest mal irgendwo im Internet auftauchen sollten, habe ich mich hingesetzt, die Homepage gebastelt und angefangen, Blogtexte, Instagram- und Facebook-Posts zu schreiben. Im letzten Sommer kam dann der Podcast hinzu.

War Dir von Anfang an klar, worüber du schreiben magst?

Eigentlich schon. Bei vielen landwirtschaftlichen Themen habe ich mir schon wirklich lange auf die Zunge gebissen, weil mir Facebook-Diskussionen schon immer zu blöd waren. Ich wollte meine eigene Plattform, auf der eine gewisse „Netiquette“ besteht und auf der differenzierte Ansichten ihren Platz haben. Dazu kommen dann immer noch die „Hofhuhn-Projekt“-bezogenen Inhalte. Dass es diese, vielleicht auch etwas komplizierte, Mischung sein sollte, war mir aber von Anfang an einigermaßen klar.

Was war bisher deine größte Herausforderung als Blogger?

Die Waage zu halten und fair zu bleiben. Mein Ziel ist, dass sich jede*r meine Meinung durchlesen und drüber nachdenken kann, ohne sich angegriffen zu fühlen. Selbst, wenn es der eigenen Ansicht vielleicht nicht entspricht. Und vielleicht auch noch, mir selbst treu zu bleiben. In den sozialen Kanälen funktionieren oft die Beiträge am besten, die nicht anecken aber auch nicht viel Inhalt transportieren: dem nicht nachzugeben ist doch immer wieder eine kleine Herausforderung.

Welcher Deiner Blogbeiträge hat für Dich die größte Bedeutung und warum?

Diejenigen, bei denen ich das Feedback bekomme, dass es bei wem „klick“ gemacht hat. Das geht von Gedanken über das Töten von Tieren über einen Guide zum Milchkauf bis hin zu gesellschaftlichen Themen, wie Sexismus oder Homosexualität in der Landwirtschaft. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich viel in einen Text hineinstecke und damit etwas erreiche, bedeutet mir das viel.

Was würdest Du nie wieder machen?

Leuten auf Instagram folgen, damit sie einem zurückfolgen. Oder auf Facebook meine Sachen auf fremden Seiten pushen. Das war zwar am Anfang nötig, weil ich null Kontakte hatte, ich bin aber echt froh, inzwischen von den Leuten gefunden und empfohlen zu werden, die sich für meine Sachen interessieren.

„Allein fürs Lesen der Shortlist hat sich für mich die Nominierung beim Goldenen Blogger Award schon gelohnt.“ Ingmar Jaschok

Welchen Blog liest Du selbst gern?

So viele Blogs lese ich tatsächlich gar nicht. Früher habe ich Wurstsack und Zumfressngern verfolgt. Vor allem Wurstsack hat mich an den Punkt geführt, meine persönliche landwirtschaftliche Perspektive darstellen zu wollen. Wichtig ist für mich heute Karla Paul, die mir auf Buchkolumne.de immer wieder wichtige Denkanstöße gibt. Sonst ist es Joel Salatin, der Lunatic Farmer. Im landwirtschaftlichen Bereich schaue ich immer mal wieder durch die verschiedenen Blogs, so richtig regelmäßig verfolge ich aber keinen. Auf YouTube schaue ich mir viele Homesteader-Garten- und Tierhaltungs-Videos an, also Selbstversorger, wie „Swedish Homestead“ zum Beispiel. Auf Instagram, neben den üblichen Verdächtigen in Deutschland, Mangalitzafarmernl, yonderwayfarmer, bokeslundgarden. Höfe, die auf Vielfalt setzen. Bisschen an meine Anfangszeit erinnert mich Lisa, die mit „Fit im Obstbaumschnitt“ auch eine ganz eigene Nische bedient. Last but not least lese ich auch die Beiträge von Wanderschäfer Sven de Vries alias Schafzwitschern gerne.

Wo soll es mit Deinem Blog hingehen?

Immer vorwärts. Ich möchte mich in jedem Bereich weiterentwickeln, den Podcast am liebsten jede Woche machen, mich als Fotograf und Texter weiter verbessern, weiter meine „Hofhuhn on Tour“-Reiseberichte machen. Meine Erwartungen an mich selbst wachsen stetig und denen versuche ich weiter gerecht zu werden.

Wo warst Du, als Du erfahren hast, dass Du für den Goldenen Blogger Award nominiert bist?

Ich war gerade dabei die Hühner zu füttern. Zwischen Morgenmelken und Frühstück wollte ich einmal noch schnell alles auffüllen, als mir ein Freund per Whatsapp einen Screenshot der Shortlist geschickt hat.

Wie fühlt es sich an, zusammen mit Alexander Gerst auf einer Liste zu stehen?

Klar, Alexander Gerst, Barbara Schöneberger, Dieter Bohlen… Die, auf die es mir aber eigentlich am meisten ankommt, sind die anderen nominierten Blogs, finde ich. Alexander Gerst setzt sich toll und wichtig ein, Ruthe ebenfalls, die anderen Blogger aber machen das größtenteils ohne Verdienst und nebenbei. Allein in meiner eigenen Kategorie: Deichdeern und Kohlenpod schreiben und sprechen über tolle Themen, aber in jeder einzelnen Kategorie gibt es tolle Blogs. Allein fürs Lesen der Shortlist hat sich für mich die Nominierung schon gelohnt.

Deine drei Tipps für dienjenigen, die auch einen Blog starten wollen?

  • Willst Du es wirklich? Soll es echt ein Blog sein, oder vielleicht lieber ein YouTube-Kanal, Podcast oder vielleicht auch „nur“ Facebook oder Instagram? Es muss einem wirklich liegen, weil zu Beginn wartet erstmal viel Arbeit und wenig Verständnis aus dem Umfeld.
  • Sei Dir klar, wer Du bist, was Du willst und wo Du hin willst. Ich wollte Nicht-Landwirten einen Einblick in die Öko-Landwirtschaft bieten. Das gab es so noch nicht, weswegen ich mir meine Leserschaft aus Food-, Öko-, Lifestyle- und sonstigen Bereichen erstmal zusammensuchen musste. Die Influencer-Schiene wollte ich von Anfang an dagegen nicht. Ich hatte vorher einen Studentenjob, in dem ich für andere Leute Texte geschrieben habe und war mir immer klar, was mir die absolute Unabhängigkeit im Inhaltlichen wert ist.
  • Nimm es ernst. Man muss nicht überall der Beste sein, aber man sollte wissen, wie eine Homepage funktioniert, wie Google funktioniert, wie soziale Netzwerke funktionieren, wie man Fotos macht und bearbeitet, wie man Texte recherchiert, aufbaut und schreibt. Alles kein Hexenwerk, aber nichts davon passiert von selbst und niemand hat Lust drauf, Sachen zu lesen oder anzuschauen, die er oder sie selbst besser hinbekommen hätte.

Im Namen der Hofheld-Community bedanken wir uns bei Dir für das Interview!

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