Michael Holz liegt die Gesundheit seiner Ferkel besonders am Herzen. Dank seiner arbeitsteiligen Sauenhaltung und einem ausgeklügelten Gesundheitsmanagement können die Jungtiere gesund ins Leben starten.

Gesund starten

Michael Holz liegt die Gesundheit seiner Ferkel besonders am Herzen. Dank seiner arbeitsteiligen Sauenhaltung und einem ausgeklügelten Gesundheitsmanagement können die Jungtiere gesund ins Leben starten.

Originalbeitrag von Wiebke Herrmann, agrarheute.

Mit prüfenden Blicken gehen Michael Holz und sein Tierarzt Torsten Pabst durch den Abferkelstall. Ihre Aufmerksamkeit gilt den zwei Wochen alten Ferkeln. Sind die Tiere gut entwickelt und fit? Zeigen sie Anzeichen von Durchfall oder anderen Erkrankungen? Einzelne Tiere untersucht Torsten Pabst genauer. „Alles in Ordnung“, sagt der Tierarzt.

Michael Holz ist zufrieden. Um das zu erreichen, spielen auf dem Betrieb des 35-jährigen Landwirts in Lüdinghausen verschiedene Managementmaßnahmen zusammen. „Entscheidend dafür ist auch unsere arbeitsteilige Sauenhaltung. Damit ist es mir möglich, mich voll auf die tragenden und säugenden Sauen zu konzentrieren und der Ferkelgesundheit besondere Aufmerksamkeit zu schenken“, sagt er.

Arbeiten teilen

Vor rund 20 Jahren war sein Vater Gründungsmitglied der arbeitsteiligen Funktionskette der VVG Lüdinghausen-Selm eG (VVG). „Dieser Schritt war für meinen Vater damals möglich, da er mit der Mitgliedschaft in der Viehvermarktungsgenossenschaft enge Partnerbetriebe hatte“, erklärt Michael Holz. „Als ich den Betrieb 2013 von meinen Eltern übernahm, stand für mich sofort fest, dass ich diese Arbeitsweise beibehalten will. Als alleinige Person auf dem Hof sind die Betriebsabläufe besser für mich zu managen. Ich kann mich voll auf eine Arbeitsspitze – das Abferkeln – konzentrieren.“

Michael Holz liegt die Gesundheit seiner Ferkel besonders am Herzen. Dank seiner arbeitsteiligen Sauenhaltung und einem ausgeklügelten Gesundheitsmanagement können die Jungtiere gesund ins Leben starten.

Regelmäßig kontrolliert Tierarzt Torsten Pabst den Gesundheitszustand der Ferkel. Foto: Tönnies

Alle fünf Wochen steht diese Arbeitsspitze auf dem Hof von Michael Holz an. „Ich setze die Ferkel am Donnerstag ab“, sagt er, „und verkaufe sie an diesem Tag über die VVG Lüdinghausen-Selm an Aufzuchtbetriebe in der Viehvermarktungsgenossenschaft. Die Sauen verlassen dann ebenfalls den Hof. Ich verkaufe sie über die VVG an einen Besamungsbetrieb aus der Genossenschaft.“ Am Donnerstag der darauffolgenden Woche finden dann die Abferkelungen statt.

„Dieser Rhythmus wiederholt sich bei uns viermal hintereinander. Dann folgt ein Sprung von sechs Wochen, denn dann ist zwischen dem Absetzen und dem Abferkeln eine Zweitspanne von zwei Wochen“, erklärt Michael Holz. „Das macht die Arbeiten planbar und ermöglicht mir, auch einmal Urlaub mit meiner Familie zu machen.“

Volle Konzentration

Die tragenden Sauen kauft Michael Holz über die VVG von einem Besamungsbetrieb zurück. „Die Tiere werden dort belegt und ich kaufe sie in Gruppen von 70 Sauen zu“, erklärt er. „In diesen festen Gruppen bleiben die Sauen dann, bis sie nach dem Absetzen der Ferkel wieder an den Besamungsbetrieb verkauft werden.“ Alle Sauen sind auf dem Hof von Michael Holz in Altgebäuden untergebracht. Den tragenden Sauen stehen zwei Strohställe mit Selbstfangkastenständen zur Verfügung. „Hier kommen die frisch angekauften, niedertragenden Tiere an. In einem weiteren Strohstall sind die hochtragenden Sauen untergebracht“, sagt Michael Holz.

Michael Holz liegt die Gesundheit seiner Ferkel besonders am Herzen. Dank seiner arbeitsteiligen Sauenhaltung und einem ausgeklügelten Gesundheitsmanagement können die Jungtiere gesund ins Leben starten.

Die tragenden Sauen kauft Michael Holz von einem Besamungsbetrieb aus der VVG Lüdinghausen-Selm eG zurück. Foto: Tönnies

Dank der arbeitsteiligen Sauenhaltung kann sich Michael Holz verstärkt auf die Abferkelungen der dritten Sauengruppe auf dem Betrieb kümmern. „Das schafft mir arbeitswirtschaftliche Erleichterung“, erklärt er. „Außerdem kann ich so auch mit einer knappen Flächenausstattung einen ähnlich großen Sauenbestand halten wie Betriebe mit mehr Fläche, denn ein Teil meiner Herde ist immer ausgelagert.“

Trotzdem zählen die Tiere als eine Herde. „Diesen Status können wir in der Viehvermarktungsgenossenschaft dank strenger Impfprogramme halten“, sagt Michael Holz. „So muss ich die Sauen nicht bei jedem Ankauf in Quarantäne halten.“ Als Bestand werden die Sauen gegen Influenza und PRRS geimpft und reproduktionsorientiert gegen Parvovirose und Rotlauf immunisiert. „Außerdem nutzen die Besamungsbetriebe und ich den gleichen bestandsbetreuenden Tierarzt. Das erleichtert das Gesundheitsmanagement“, sagt er.

Gesunder Darm

Besonderen Wert legt Michael Holz auf die Gesundheit seiner Ferkel. „Von größeren Krankheitseinbrüchen sind wir in der Vergangenheit zum Glück verschont geblieben. Trotzdem fiel mir auf, dass die Ferkel in der zweiten Lebenswoche immer mal wieder an leichtem Durchfall litten und sich bis zum Absetzen nicht optimal entwickelten“, erinnert sich Michael Holz.

Michael Holz liegt die Gesundheit seiner Ferkel besonders am Herzen. Dank seiner arbeitsteiligen Sauenhaltung und einem ausgeklügelten Gesundheitsmanagement können die Jungtiere gesund ins Leben starten.

Für die Ferkel nutzt Michael Holz ein Kombinationspräparat, das die Ferkel mit Eisen versorgt und gleichzeitig gegen eine Infektion mit Kokzidien schützt. Foto: Tönnies

Diese Beobachtungen besprach der Landwirt mit seinem Tierarzt Torsten Pabst. „Da es sonst keine Anzeichen auf andere Erkrankungen gab und das Management bereits sehr gut auf die Gesundheit der Jungtiere abgestimmt war, entschieden wir uns dazu, Kotproben der Ferkel zu entnehmen“, erklärt der Tierarzt. Im Labor konnten dann Kokzidien als Ursache für die leichten Durchfälle ausgemacht werden. „Das Tückische an diesen Darmparasiten ist, dass sich die Ferkel bereits in den ersten Lebenstagen infizieren, aber erst in den folgenden Lebenswochen Krankheitssymptome zeigen“, sagt Torsten Pabst. „Die Jungtiere lassen sich dann zwar noch gut behandeln, jedoch sind sie in ihrer Entwicklung verzögert, was sie oft bis zum Absetzen nicht mehr einholen.“

Daher riet er Michael Holz zu vorbeugenden Maßnahmen gegen Kokzidien. „In der Regel geschieht dies durch eine orale Eingabe des Wirkstoffs Toltrazuril“, sagt der Tierarzt. „Wir entschieden uns aber, ein Kombinationspräparat der Firma Bayer zu testen.“ Es vereint Toltrazuril mit einem Eisenpräparat, sodass die Ferkel am dritten Lebenstag nicht nur mit Eisen versorgt, sondern auch vor einer Infektion mit Kokzidien geschützt werden.

Entwicklung fördern

„Das überzeugte mich sofort und ich probierte das Mittel bei einem Durchgang aus, indem ich mein altes Eisenpräparat durch das Kombinationspräparat ersetzte“, sagt Michael Holz. „In den folgenden Lebenswochen zeigten die Ferkel keinerlei Anzeichen von Durchfall oder einer verzögerten Entwicklung. Zudem sparte ich mir bei der Behandlung der Tiere einen Arbeitsgang, denn das Kombinationspräparat wird statt der Eisengabe injiziert.“

Michael Holz liegt die Gesundheit seiner Ferkel besonders am Herzen. Dank seiner arbeitsteiligen Sauenhaltung und einem ausgeklügelten Gesundheitsmanagement können die Jungtiere gesund ins Leben starten.

Die vorbeugende Parasitenbehandlung entlastet das Immunsystem der Ferkel und sie entwickeln sich optimal bis zum Absetzen. Foto: Tönnies

Die vorbeugende Parasitenbehandlung fügt sich gut in das Management der Ferkelaufzucht auf dem Betrieb von Michael Holz ein. Um die Entwicklung seiner Ferkel noch besser zu fördern, entschied er sich zudem vor einigen Jahren für den Einbau einer automatischen Saugferkelfütterung der Firma Weda. „Ich bin darauf angewiesen, dass die Tiere nach der vierwöchigen Säugezeit so weit entwickelt sind, dass ich sie gewinnbringend an die VVG verkaufen kann“, sagt Michael Holz. Aufgrund der arbeitsteiligen Sauenhaltung habe er keine Möglichkeit, Ferkel mit einer verzögerten Entwicklung später zu verkaufen.

„Mit der automatischen Fütterung kann ich meine Ferkel zusätzlich zur Sauenmilch optimal versorgen“, sagt Michael Holz. Zudem müsse sich ihr Immunsystem dank der vorbeugenden Parasitenbehandlung nicht mehr mit einer Kokzidiose auseinandersetzen.

„Letztendlich greift so alles ineinander: Die arbeitsteilige Sauenhaltung gibt mir die Freiheit, mich voll auf die Abferkelungen und die Saugferkelaufzucht zu konzentrieren. In Verbindung mit der Saugferkelfütterung und dem Tiergesundheitsmanagement kann ich nach vier Wochen fitte und vitale Ferkel an meinen Abnehmer verkaufen“, sagt Michael Holz und schaut zufrieden auf die entspannt saugenden Ferkel.

Den gesamten Beitrag sowie weitere spannenden Beiträge aus den Bereichen Pflanze, Technik, Politik, Managament, Markt und Land und Leben findest Du in der aktuellen Ausgabe der agrarheute.

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