Ein Herz für Kartoffeln - mit solchen Fotos lässt sich auf Facebook gut Werbung machen. Quelle: Finn

Frühkartoffeln via Facebook

Familie Obersojer vermarktet ihre landwirtschaftlichen Produkte über Facebook. Das hat Vorteile, allerdings gibt es auch einiges zu beachten. Die Geschwister Bettina und Florian berichten Euch.

Neben einer kleinen Straße, die zur Münchner Regattastrecke führt, zieht sich ein 6 m breiter Blühstreifen an einem Maisfeld entlang. Mitten drin stehen Bettina Obersojer und ihr Bruder Florian. Bettina fotografiert die großen, gelben Sonnenblumen. Fotos machen gehört für sie zum Geldverdienen wie säen und ernten.
„Wir brauchen neues Bildmaterial für die Facebook-Seite unseres Betriebs Obersojer“, sagt die Landwirtschaftsstudentin zwischen zwei Klicks. Mit Facebook Geld verdienen, auch für landwirtschaftliche Betriebe ist die soziale Plattform ein interessanter Vertriebsweg. Man wird bekannt, gewinnt Kunden hinzu und verbessert sein Image.

Soziale Netzwerke wie Facebook wollen regelmäßig mit Bildmaterial gefüttert werden. Quelle: Finn

Bettina und Florian: Soziale Netzwerke wie Facebook wollen regelmäßig mit Bildmaterial gefüttert werden. Quelle: Finn

Obersojers sind mit ihrer Firmenseite 2017 gestartet, pünktlich zur Frühkartoffelsaison. „Wir wollten Öffentlichkeitsarbeit betreiben und das Interesse der Stadtbewohner für regionale Produkte erhöhen“, sagt Bettina Obersojer. „Aber natürlich wollten wir in erster Linie unsere Produkte vermarkten. Wir liegen mit unserem Betrieb etwas abseits vom Ort und haben dadurch keinen Durchgangsverkehr, der auf unseren Hofladen aufmerksam werden würde.“ Facebook schien den Obersojers ein guter Weg, um bekannter zu werden und vor allem jüngere Kunden zu gewinnen.

Weniger ist mehr

Doch die Facebook-Präsenz will gut durchdacht sein. Man fängt klein an. Auch Familie Obersojer ist zunächst mit geringen Mitteln gestartet. Alles erfolgt in Eigenregie. So sind Bettina und Florian Obersojer als Administratoren der Seite eingetragen. „Es ist wichtig, dass wir zu zweit sind, da wir uns dann einfach gegenseitig vertreten können“, sagt Florian Obersojer.

Klein anzufangen und nach und nach den Aufwand zu steigern, hält auch SocialMedia-Redakteur Andreas Artmann von der Andreas Hermes Akademie für sinnvoll. „Zuerst sollte man sich eine Community-Seite zulegen. „Wenn dann Ihre Gemeinschaft groß genug ist, kann aus einer Communityseite eine Firmenseite gemacht werden“, sagt Andreas Artmann. „Sobald man eine Firmenseite hat, kann man seine Produkte dort vermarkten. Allerdings unterliegt man dann dem Wettbewerbsrecht wie jede andere Firma auch. Dann muss unter anderem das Impressum korrekt ausgefüllt werden, ansonsten droht eine Abmahnung.“

Die Direktvermarktung ist für Familie Obersojer ein wichtiges Standbein.

Bettina Obersojer veröffentlicht im Schnitt einmal im Monat einen Facebook-Post. Quelle: Finn

Keine Werbebotschaften

Rezepte, Bilder, die mitreißen oder schön sind, und kleine Geschichten hält Andreas Artmann für sehr wichtig. „Der Facebook-Auftritt sollte eine gute Mischung aus Persönlichem und Betrieblichem sein.“ Der Dozent empfiehlt auch, Fachausdrücke, den landwirtschaftlichen Alltag oder die Arbeitsweise zu erklären. „Wenn ein Eierskandal in der Nähe Ihres Betriebs war und der Betrieb davon nicht betroffen ist, kann zum Beispiel in einem kurzen Interview erläutert werden, warum das so ist.“ Reine Werbebotschaften hält er hingegen für schlecht. „Lieber das Arbeiten hinter den Kulissen zeigen, zum Beispiel wie gerade die Ernte eingefahren wird. Wichtig sind ehrliche Statements.“

Hoher Zeitaufwand

Doch gute Posts sind immer mit Zeitaufwand verbunden. Andreas Artmann ist der Meinung, dass mindestens 15 Minuten am Tag für den Facebook-Account eingeplant werden sollten. Wichtig ist vor allem, dass man mit den Followern kommuniziert. Das bedeutet zum Beispiel, dass man sich dafür bedanken sollte, wenn einen ein Kunde auf Facebook weiterempfiehlt. Denn es gibt nichts Wichtigeres als ein Empfehlungsmarketing.

Bettina Obersojer schätzt, dass ihr durchschnittlicher Arbeitsaufwand bei einer Stunde pro Woche liegt. „Normalerweise posten wir einmal im Monat etwas auf unserer Facebook-Seite und ich schaue so jeden zweiten Tag auf unsere Seite. Falls wir jedoch Nachrichten bekommen, was ungefähr einmal in der Woche der Fall ist, versuche ich immer, so schnell wie möglich zu antworten.“

Ein Blick hinter die Kulissen eines Kartoffelbetriebs - das kommt gut aufg Facebook an. Quelle: Finn

Ein Blick hinter die Kulissen eines Kartoffelbetriebs – das kommt gut aufg Facebook an. Quelle: Finn

Artmann hält es nicht für entscheidend, wie oft man etwas postet, sondern dass es einen gewissen Rhythmus gibt. „Zum Beispiel einmal pro Woche oder einmal im Monat. Der Fokus sollte aber vor allem darauf liegen, dass Sie Neuigkeiten zeitnah posten.“

Dem Betrieb Obersojer folgen auf Facebook derzeit rund 200 Leute. „Allerdings liegt unsere Reichweite bei rund 1.500 Personen pro Post. Das schaffen wir, indem wir bei Facebook unsere Beiträge bewerben. Das kostet uns zwar etwas, aber es zahlt sich aus“, meint die 22-jährige Bettina Obersojer. „Wir können unsere Zielgruppe definieren. Das bedeutet, dass wir zum Beispiel das Alter mit 24 bis 65 Jahren angeben und die Region einstellen können.“ Für Obersojers ist ein Radius von 50 km um ihren Betrieb interessant. Dafür, sagt Social-Media-Experte Andreas Artmann, muss das Unternehmen immer richtig verortet sein. „Nicht, dass zwar der landwirtschaftliche Betrieb korrekt hinterlegt ist, aber der Hofladen an einer anderen Stelle liegt.“

Die Geschwister nutzen Facebook als Vermarktungskanal. Quelle : Finn

Die Geschwister nutzen Facebook als Vermarktungskanal. Quelle : Finn

Jüngere Kundschaft gewinnen

Die Mühe lohnt sich, wenn es gelingt, neue Kunden zu erreichen. „Wir konnten dadurch vor allem jüngere Kundschaft gewinnen“, sagt Bettina Obersojer, und nicht nur die: „Auch viele ältere Menschen nutzen Facebook. Der Altersdurchschnitt unserer Kunden liegt bei 40 Jahren.“

Neben den positiven Aspekten sieht Bettina Obersojer aber auch Nachteile im Facebook-Auftritt. „Es ist mit Arbeitsaufwand verbunden. Das Antworten auf Anfragen, das Fotografieren für die Seite, das alles kostet Zeit.“ Gerade die Sorgfalt bei der Bildauswahl hält Artmann für besonders wichtig. „Bilder, die gepostet werden, sollten unbedingt eine gute Qualität haben und authentisch sein. Davon leben soziale Netzwerke.“ Zu beachten ist aber, dass nur Bilder gepostet werden, die man selbst gemacht oder die Rechte daran erworben hat. Sonst kann das strafrechtliche Konsequenzen haben.

Die Direktvermarktung ist für Familie Obersojer ein wichtiges Standbein. Quelle: Finn

Die Direktvermarktung ist für Familie Obersojer ein wichtiges Standbein. Quelle: Finn

Tipps für Einsteiger

Fragt man Bettina Obersojer, ob Sie die Direktvermarktung via Facebook auch anderen landwirtschaftlichen Betrieben empfehlen würde, bejaht sie das. Ihr Tipp für Einsteiger: „Das Wichtigste ist erst mal, sich überhaupt zu trauen. Entscheidend ist die Reichweite und nicht die Anzahl der Likes. Und Kreativität ist gefragt. Die Beiträge müssen interessant und abwechslungsreich sein. Man sollte versuchen, alle Altersgruppen mitzunehmen. Wir holen daher unsere Anregungen und Ideen oft von der ganzen Familie.“

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