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Christinas Bachelorarbeit war fertig geschrieben und so stand sie vor der Entscheidung: Direkt in den Hof einsteigen oder erst noch in einen anderen Betrieb hineinschnuppern. Wie sie sich entschieden hat erfährst Du hier.

Soll ich vor der Hofübernahme auf einem anderen Betrieb arbeiten?

Christinas Bachelorarbeit war fertig geschrieben und so stand sie vor der Entscheidung: direkt in den Hof einsteigen oder erst noch in einen anderen Betrieb hineinschnuppern. Wie sie sich entschieden hat, erfährst Du hier.

Hofübernehmerin Christina aus Nordrhein-Westfalen.

Hofübernehmerin Christina aus Nordrhein-Westfalen.

Hallo ihr fleißigen Hofhelden,

nachdem die letzten drei Beiträge von dem allgegenwärtigen „Corona“-Thema geprägt waren und sich die Situation nun ganz langsam wieder entspannt, möchte ich versuchen, an dem Punkt anzuknüpfen, an dem ich vor gut 1,5 Monaten stehengeblieben bin. Dort habe ich euch nämlich ganz super exklusiv von meinem Fazit der Bachelorarbeit berichtet, nämlich, dass der Versuch, sich in den anderen hineinzuversetzen, von ganz großer Bedeutung für einen erfolgreichen Generationswechsel ist.

Jetzt stand ich also mit meinem eingetüteten Bachelortitel vor der Entscheidung: Was nun? Ich hatte zwei Optionen: Entweder, direkt in den Betrieb meiner Eltern einsteigen und damit der Entscheidung einer möglichen Übernahme aktiv entgegen gehen, oder aber, die Nase noch einmal in den Wind halten. Nochmal mindestens einen anderen Betrieb kennenlernen, erfahren wie andere Selbstständige führen und ihre operativen sowie strategischen Entscheidungen treffen.

Also im besten Fall lernen, wie das, was ich gerade theoretisch im Studium gelernt hatte, praktisch in anderen Betrieben umgesetzt wird. Denn die größten Sorgen, die ich bei einem Direkteinstieg in den GeHo gehabt hätte, waren, dass ich falsche Signale senden würde. Ich habe befürchtet, dass all unsere Mitarbeiter bei meinem Direkteinstieg davon ausgegangen wären, dass ich in meiner Entscheidung schon weiter wäre und die Zeichen eindeutig auf Übernahme stünden.

Christinas Bachelorarbeit war fertig geschrieben und so stand sie vor der Entscheidung: Direkt in den Hof einsteigen oder erst noch in einen anderen Betrieb hineinschnuppern. Wie sie sich entschieden hat erfährst Du hier.

Christina mit ihrer Schwester Kathrin. Foto: privat

Denn das war zu diesem Zeitpunkt, als ich letztes Jahr eben in diesem Überlegungen steckte, eben noch überhaupt nicht der Fall. Zudem hatte ich doch gerade erst dieser tollen Stadt Münster den Rücken gekehrt, hatte meine erste eigene, richtige Wohnung im Nachbardorf bezogen und musste mich erst einmal selbst finden – da wäre die volle Dröhnung Familie und Unternehmen in Form eines Vollzeiteinstieges wohl nicht sonderlich hilfreich gewesen. So begab ich mich also auf die Suche nach einem Betrieb, der möglichst ähnlich aufgestellt ist wie unserer – eben familiär, regional und authentisch.

All dies fand ich in einem familiengeführten Betrieb, der zwar ebenfalls am Niederrhein, aber gut eine Stunde Fahrtzeit von meiner neuen Wohnung entfernt war. Ja, man mag es kaum glauben, aber auch der Niederrhein ist weit! Ich hatte mir von dieser Zeit eben viel erhofft, sodass ich bereit war, den Preis der Stunde Fahrzeit zu zahlen. Ich wusste von Anfang an (und das habe ich auch meinem neuen Chef von Beginn an offen kommuniziert), dass diese Anstellung nur eine Zwischenetappe für mich sein würde.

Mein Plan war, dort ca. ein Jahr zu arbeiten, Erfahrungen zu sammeln, die ich bei meiner Entscheidung berücksichtigen konnte. Mit diesem Wissen war für mich eben auch die lange Fahrstrecke zu ertragen Wobei, ich bin ehrlich, an manchen Tagen, habe ich es gehasst – auch wenn ich es lieeeebe, lange Autostrecken zu fahren. Aaaber gut, das ist ein anderes Thema. 😛

Der andere Betrieb hatte ebenfalls mehrere Standbeine: Gastronomie, einige Gästezimmer und viele Events (überwiegend Hochzeiten, was für eine junge Frau natürlich ein Traaaaum ist ). Was mich besonders an diesem Betrieb gereizt hat, war jedoch etwas anderes: Die Erweiterung durch die Eröffnung eines zusätzlichen Hotels am gleichen Standort mit 30 Zimmern und einem kleinen, aber feinen Wellnessbereich. Wann konnte man schon einmal miterleben, wie ein Hotel eröffnet wird und woran man bei einer solchen Eröffnung und natürlich im danach folgenden laufenden Betrieb achten muss? Somit standen spannende Monate vor mir.

Christinas Bachelorarbeit war fertig geschrieben und so stand sie vor der Entscheidung: Direkt in den Hof einsteigen oder erst noch in einen anderen Betrieb hineinschnuppern. Wie sie sich entschieden hat erfährst Du hier.

Christina konnte auf dem fremden Betrieb sehr viele Erfahrungen sammeln. Foto: privat

In dieser Zeit habe ich nicht nur einige besondere Menschen kennenlernen und mit ihnen einmalige Momente erleben dürfen, sondern in erster Linie auch super viele Erfahrungen machen können. Auf der einen Seite konnte ich – wie erhofft – Erfahrungen für meine Entscheidungsfindung sammeln, gleichzeitig aber vor allen Dingen solche, die mich persönlich weitergebracht und gestärkt haben. Denn nie hätte ich damit gerechnet, dass es bspw. für mich ein so großer, persönlicher Zwiespalt ist, meine Eltern in der Spargelzeit nicht wie während meiner Studienzeit unterstützen zu können. Denn schließlich war ich Festangestellte in einem anderen Betrieb, der Vorrang hatte – auch an einem Osterwochenende, wenn üblicherweise im GeHo die Bude brennt.

Meine größte Stütze war in dieser Situation meine Schwester Kathrin. Aufgrund ihres Studiums hatte es sich ergeben, dass sie meine Eltern während der Spargelzeit im GeHo unterstützen konnte. Sie nutzte das Frühjahr, um ihre Masterarbeit zu schreiben und verband dies damit, an den wunderschönen Niederrhein zurückzukommen und unseren Eltern tatkräftig zur Seite zu stehen!

Da ich nun aber zu Hause ausgezogen war und meine Schwester nicht wieder für die 3 Monate alleine bei unseren Eltern einziehen wollte, stand es außer Frage, dass wir in meiner Wohnung eine Schwestern-WG aufmachten! Kathrin war die beste WG-Mitbewohnerin, die man sich vorstellen konnte. Sie bereitete mir nicht nur nach einem langen Arbeitstag am Wochenende eine leckere Stulle zu, damit ich schnell noch etwas zwischen die Zähne bekam, bevor es für mich auf die nächste Landjugendfete ging, sondern unterstützte auch unsere Eltern in so vielen Dingen.

Christinas Bachelorarbeit war fertig geschrieben und so stand sie vor der Entscheidung: Direkt in den Hof einsteigen oder erst noch in einen anderen Betrieb hineinschnuppern. Wie sie sich entschieden hat erfährst Du hier.

Kathrin war Christina eine große Stütze während der Zeit auf dem anderen Betrieb. Foto: privat

Sie erarbeitete Speisekarten, fuhr mit Saisonkräften zum Arzt, ging einkaufen und stand selbst in Engpässen noch auf dem Markt – kurzum, sie war unser Allrounder und gab mir damit das Gefühl, dass meine Eltern durch sie ein gutes Rückgrat hatten! Kathrin – DANKE, dass du mir damit die Möglichkeit gegeben hast, mich voll und ganz auf die andere Stelle und damit auch auf die Entscheidungsfindung konzentrieren zu können. Nach der Spargelsaison 2019 ging zuerst die Zeit der Schwestern-WG zu Ende, ehe im Oktober nach knapp einem ¾ Jahr auch die Zeit in dem anderen Betrieb endete. Und dies etwa nicht, weil es mir dort nicht mehr gefallen hatte, sondern, weil es nun an der Zeit für mich war, meinen Weg weiterzugehen.

Wie sich dieser gestaltet und welche Rolle auch ein Unternehmensberater dabei gespielt hat, berichte ich im nächsten Blogbeitrag! Bis dahin wünsche ich Euch, dass die Situation sich weiter entspannt und wir ganz bald bei der nächsten Landjugendfete an der Theke stehen, ein Bier trinken und uns wieder wundern, wann wir eigentlich so alt und spießig geworden sind 😀

Eure Christina

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