Eine autarke, schwimmende Farm.Was sich im ersten Moment nach Science-Fiction anhört, ist imHafen von Rotterdambereits Realität. Die Kollegen von agrarheute haben sich die Milchviehhaltung auf dem Wasser einmal angeschaut.

Ein Floß für Kühe

Eine autarke, schwimmende Farm.Was sich im ersten Moment nach Science-Fiction anhört, ist imHafen von Rotterdambereits Realität. Die Kollegen von agrarheute haben sich die Milchviehhaltung auf dem Wasser einmal angeschaut.

Originalbeitrag von Jana Dahlke, agrarheute.

Ruhig treibt das zweistöckige Gebäude auf seiner schwimmenden Plattform. Es erinnert ein wenig an ein überdimensionales, überdachtes Floß. Ab und an streckt eine Kuh den Kopf hoch und beäugt fast gelangweilt die zweibeinigen Besucher. Es dröhnen schwerer Bagger und im Hintergrund summt der Verkehrslärm der Großstadt.

Mitten im Hafen von Rotterdam wurde im Mai diesen Jahres der weltweit erste schwimmende Milchviehbetrieb eröffnet – die Floating Farm. Der Clou des Projekts ist, dass hier nicht nur Kühe fressen und Milch geben, sondern dass die Milch auch gleich weiterverarbeitet und ausgeliefert wird.

Die Idee kam Immobilienentwicklerin Minke van Wingerden bereits 2012 während einer Geschäftsreise nach New York. Zu diesem Zeitpunkt wütete Hurrikan Sandy an der Ostküste entlang und zog eine Schneise der Verwüstung hinter sich her. „Die Menschen gerieten in Panik und kauften die Supermärkte leer. Der Nachschub an frischen Lebensmitteln gestaltete sich schwierig und die Vorräte reichten gerade noch für zwei Tage“, sagt Minke van Wingernden. Dabei kam ihr die Idee, frische Lebensmittel dort zu produzieren, wo viele Menschen leben, und sie direkt zu versorgen. Natürlich nicht nur nach einer Naturkatastrophe, sondern auch im Alltag.

Eine autarke, schwimmende Farm.Was sich im ersten Moment nach Science-Fiction anhört, ist imHafen von Rotterdambereits Realität. Die Kollegen von agrarheute haben sich die Milchviehhaltung auf dem Wasser einmal angeschaut.

Auf der Floating Farm im Hafen von Rotterdamm ist weltweit einzigartig. Foto: von Rössing

Doch freie Flächen sind in einer Metropole wie Rotterdam Mangelware. „Bis auf Wasser, das ist hier reichlich vorhanden“, sagt Minke van Wingernden. Zusammen mit ihrem Mann entwickelte sie das Projekt für eine schwimmende Farm: Die Floating Farm. „Selbst steigende Meeresspiegel durch die Klimakrise sind kein Problem. Die Plattform sinkt und steigt mit den Gezeiten. Sogar einem Orkan kann sie standhalten“, sagt die Immobilienentwicklerin.

Willkommen an Bord

Und so kamen die Rindviecher aufs Wasser. Insgesamt 40 Kühe haben im obersten Stockwerk auf der insgesamt 1.200 m² großen Insel Platz. Zurzeit leben 32 Tiere der Rinderrasse Montbéliard auf der Farm. Die Ebene ist als Boxenlaufstall konzipiert. Nur zwei Mit­arbeiter sind für die Arbeiten am Stall notwendig.

Eine autarke, schwimmende Farm.Was sich im ersten Moment nach Science-Fiction anhört, ist imHafen von Rotterdambereits Realität. Die Kollegen von agrarheute haben sich die Milchviehhaltung auf dem Wasser einmal angeschaut.

Momentan leben 32 Milchkühe der Rasse Montbéliard auf der Floating Farm. Foto: von Rössing

Die Liegeflächen sind mit Kompost gefüllt. Gemolken und entmistet wird automatisch mittels Roboter. Das Futter gelangt aus dem unteren Stockwerk über Förderbänder direkt zu den Tieren. „Im Großen und Ganzen funktioniert der Stall autark. Auch der Strom wird größtenteils über Sonnenkollektoren und Windräder erzeugt“, sagt Minke van Wingernden.

Eine autarke, schwimmende Farm.Was sich im ersten Moment nach Science-Fiction anhört, ist imHafen von Rotterdambereits Realität. Die Kollegen von agrarheute haben sich die Milchviehhaltung auf dem Wasser einmal angeschaut.

Der Strom wird unter anderem von eigenen Sonnenkollektoren erzeugt. Foto: von Rössing

Der Mist der Tiere wird in Urin und Kot separiert und weiter genutzt. Der Festbestandteil wird teilweise zum Einstreuen verwendet. Der Urin hingegen landet aufbereitet als Dünger im niederländischen Fußballstadion.

Eine autarke, schwimmende Farm.Was sich im ersten Moment nach Science-Fiction anhört, ist imHafen von Rotterdambereits Realität. Die Kollegen von agrarheute haben sich die Milchviehhaltung auf dem Wasser einmal angeschaut.

Der Stall ist als Boxenlaufstall konzipiert. Foto: von Rössing

Ein Stockwerk tiefer fließt die Milch der 32 Kühe in einen Tank. Trinkmilch und auch Joghurt werden daraus hergestellt. Die Milch und die weiterverarbeiteten Produkte finden sich in benachbarten Supermärkten oder können vor Ort erworben werden – die Farm ist nämlich für Besucher zugänglich.

Eine autarke, schwimmende Farm.Was sich im ersten Moment nach Science-Fiction anhört, ist imHafen von Rotterdambereits Realität. Die Kollegen von agrarheute haben sich die Milchviehhaltung auf dem Wasser einmal angeschaut.

Die Milch kann man direkt vor Ort kaufen. Foto: von Rössing

„Das war ein weiteres Anliegen für den Bau der Farm. Wir wollten den Menschen in der Stadt die Landwirtschaft wieder näherbringen und ihnen zeigen, woher ihr Essen kommt. Gerade viele Kinder haben keinen Bezug mehr dazu. Aus diesem Grund wurde der Bau auch offen gestaltet. Die Leute können von außen die Kühe sehen“, sagt Minke van Wingernden.

Künftig auch Hähnchen und Gemüse

Der Bau des schwimmenden Kuhstalls soll nicht das letzte landwirtschaftliche Projekt im Hafen von Rotterdam gewesen sein. Auch einen Hähnchenstall mit Platz für circa 7.000 Tiere planen Minke van Wingernden und ihr Mann. Die Hähnchen sollen ihren Platz neben dem Milchviehbetrieb bekommen. Auch ein schwimmendes Gewächshaus ist angedacht.

Eine autarke, schwimmende Farm.Was sich im ersten Moment nach Science-Fiction anhört, ist imHafen von Rotterdambereits Realität. Die Kollegen von agrarheute haben sich die Milchviehhaltung auf dem Wasser einmal angeschaut.

Minke van Wingernden plant bereits die nächsten Projekte. Foto: von Rössing

„Die Pläne dafür liegen schon auf dem Tisch“, sagt Minke van Wingernden, „aber von der Zeichnung bis zum fertigen Bauwerk wird noch einige Zeit vergehen. Zumindest wären wir damit dem Ziel, frische Lebensmittel direkt in der Stadt zu produzieren, sehr nahe.“ Bis es so weit ist, dürfen die Kühe noch allein im Hafen von Rotterdam vor Anker liegen. Ob es ein zukunftsfähiges Konzept ist, wird sich zeigen.

Den gesamten Beitrag sowie weitere spannende Artikel zu Energie, Technik, Pflanzenbau, Tierhaltung, Politik und Management liest du in der Augustausgabe von agrarheute.

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