Ferkelkastration: Alternativen im Vergleich

Den Sauenhaltern rennt die Zeit davon: spätestens in einem halben Jahr brauchen sie eine praxistaugliche Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration. Es gibt Lösungsansätze.

Am 31. Dezember 2018 läuft die Frist ab: Ferkel dürfen dann nicht mehr betäubungslos kastriert werden – für die Tierschützer ein längst überfälliger Schritt. Die Schweinehalter stehen hingegen vor einer ihrer größten Herausforderungen. Viele fürchten ein beispielloses Höfesterben, wenn nicht bald eine praxistaugliche, wirtschaftlich verträgliche Lösung gefunden wird – auch oder gerade für die kleineren sauenhaltenden Familienbetriebe. Doch die Agrarministerkonferenz Ende April war ernüchternd: Das Thema wurde von der Tagesordnung gestrichen. Einziges Ergebnis (Stand Redaktionsschluss) ist, dass
noch vor der Sommerpause eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe gebildet werden soll.

Die Regierung schläft etwas bei dem Thema Ferkelkastration und sorgt bei den Schweinhaltern für tiefe Sorgenfalten. Quelle: Martina Hungerkamp, agrarheute

Die Regierung schläft etwas bei dem Thema Ferkelkastration und sorgt bei den Schweinhaltern für tiefe Sorgenfalten. Quelle: Martina Hungerkamp, agrarheute

Immerhin, so der Wunsch von Dr. Till Backhaus, Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, sollen dieser Arbeitsgruppe auch Experten aus Skandinavien angehören. Denn dort wird die in Deutschland als vierte Alternative diskutierte lokale Betäubung durch den Landwirt teilweise bereits praktiziert. Ziel ist laut Backhaus, dass die Sauenhalter vor Ende dieses Jahres Planungssicherheit haben. Wer die Arbeitsabläufe schweinehaltender Betriebe kennt, dem wird klar, dass dieser Zeitpunkt zu spät ist.

Bis jetzt gibt es drei alternative Verfahren, die ab dem 1. Januar 2019 zulässig sind:  Jungebermast,  Jungebermast mit vorübergehender
Hodenfunktionshemmung mittels Impfung gegen Ebergeruch (Improvac),  Ferkelkastration unter Vollnarkose mit begleitender Schmerzmittelverabreichung (Isofluran).

 Jungebermast

Vorteile:

  •  Tiere bleiben unversehrt
  •  weniger Aufwand für Ferkelerzeuger
  •  kein Mehraufwand für Mäster
  •  bessere Leistungt

Nachteile:

  •  kein ausreichender Absatzmarkt, weil geringe Akzeptanz beim Handel
  •  Gefahr des Auftretens von Ebergeruch
  •  Gefahr des Auftretens von Aufreiten und Penisbeißen -> Stress für Tiere

Befürworter:  

  • Landwirte, Tierschutz

Gegner:

  • Schlachtbranche, Vermarkter, Handel

Impfung gegen Ebergeruch (Improvac)

Vorteile:

  •  Tiere bleiben unversehrt
  •  relativ geringer Stress
  •  kann vom Landwirt selbst durchgeführt werden
  •  sehr geringes Risiko für Ebergeruch
  •  nicht sehr teuer
  •  sofort einsetzbar

Nachteile:

  •  mindestens zwei Impfungen der männliche Schweine beim Mäster
  •  Impfkosten
  •  Gefahr des Penisbeißens
  •  kaum Akzeptanz auf abnehmender Seite
  •  schwer einschätzbare Akzeptanz beim Verbraucher -> „Hormonbehandlung“

Befürworter:

  • Sauenhalter, Tierschutz

Gegner:

  • Mäster, Schlachtbranche, Vermarkter, Handel, Verbraucher (?)

Kastration unter Vollnarkose mit begleitender Schmerzmittelgabe (Isofluran)

Vorteile:

  •  von der Öffentlichkeit akzeptiert
  •  kein Ebergeruch
  •  keine Absatzprobleme

Nachteile:

  •  zeit- und kostenaufwendig
  •  Tierarzt jedes Mal erforderlich
  •  für kleine Betriebe nicht leistbar
  •  Narkose ist Risiko für Ferkel und stresst sie enorm
  •  Arbeitssicherheit
  •  chirurgischer Eingriff

Befürworter:

  • Tierschutz, Verbraucher

Gegner:

  • Landwirte

Kastration unter lokaler Betäubung mit begleitender Schmerzmittelgabe (Procain, eventuell Lidocain)

Vorteile:

  •  könnte vom Landwirt selbst durchgeführt werden
  •  Zeit- und Kostenaufwand vertretbar
  •  kein Ebergeruch
  •  keine Absatzprobleme

Nachteile:

  •  chirurgischer Eingriff
  •  derzeit in Deutschland nicht zulässig
  •  stresst Ferkel

Befürworter:

  • Landwirte, Schlachtbranche, Teil der Tierärzte

Gegner:

  • Tierschutz, Teil der Tierärzte

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