Milchbauer Felix erzählt von der Melkroutine bei seinen 250 Kühen. Außerdem begründet er seine Entscheidung für ein Melkkarussell, statt eines Roboters.

Melkkarussell: Jetzt geht’s rund!

Milchbauer Felix erzählt von der Melkroutine bei seinen 250 Kühen. Außerdem begründet er seine Entscheidung für ein Melkkarussell, statt eines Roboters.

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Milchviehhalter Felix aus Baden-Württemberg.

Hallo liebe Hofhelden,

heute möchte ich euch einen kleinen Einblick in unsere Melkroutine geben. Denn täglich geht es bei uns ab morgens um 6:30 Uhr und abends ab 17 Uhr rund.

Welche Melktechnik verwenden wir?

Seit circa fünf Jahren melken wir unsere 250 Kühe in einem Innenmelker-Karussell, mit 36 Plätzen. Ausgestattet ist unser Karussell mit einer automatischen Abnahme des Melkgeschirrs, einer Milchmengenmessung und einer Messung des Milchleitwertes. Pro Melkzeit benötigen wir dabei circa 1,5 Stunden, inklusive der anschließenden Reinigung des Karussells, wenn wir zu zweit melken.

Milchbauer Felix erzählt von der Melkroutine bei seinen 250 Kühen. Außerdem begründet er seine Entscheidung für ein Melkkarussell, statt eines Roboters.

So sieht Felix’s Melk-Karussell von außen aus. Foto: Privat

Das sah davor noch etwas anders aus: Bevor wir das Karussell in betrieb hatten, waren wir täglich circa 8 Stunden mit dem Melken von 200 Kühen in unserem 20 Jahre alten doppel-fünfer Fischgrätenmelkstand beschäftigt.

Warum ein Melkkarussell und keinen Roboter?

Unser Ziel war es in kurzer Zeit so viele Kühe wie möglich zu melken. Da es sich bei uns um einen reinen Familienbetrieb handelt, wollten wir hier Arbeitszeit einsparen. Dadurch haben wir mehr Zeit für andere Arbeiten auf dem Hof und wieder mehr Lebensqualität im Alltag. Diese Punkte waren für uns ausschlaggebend, warum wir uns für ein Karussell und nicht für einen Roboter entschieden haben:

  • Wir sind flexibler in der Aufstockung unseres Viehbestandes, da wir jederzeit mehr oder weniger Kühe in unserem Karussell melken können.
  • Im Gegensatz zu einem Roboter, der 24 Stunden, 7 Tage die Woche, ständig mit melken beschäftigt ist, wo auch Störungen auftreten können, sind wir nach circa 3 bis 4 Stunden am Tag mit dem Melken fertig.
  • Wir haben eine feste Routine: Nach den vorgegebenen täglichen Melkzeiten, können wir uns wieder auf andere Arbeiten konzentrieren und müssen nicht ständig für mögliche Störungen abrufbereit sein.
  • Die festen Melkzeiten können wir auch an unser eingespieltes Personal abgeben.
Milchbauer Felix erzählt von der Melkroutine bei seinen 250 Kühen. Außerdem begründet er seine Entscheidung für ein Melkkarussell, statt eines Roboters.

Ein Vorteil des Innenmelker-Karussells ist, dass man in zur Not auch vollständig alleine bedienen kann. Foto: Privat

Diese Gründe müssen natürlich immer im Hinblick auf die jeweilige Herdengröße betrachtet werden. Bei Herdengrößen, die nur auf 1-2 Roboter angewiesen sind, wäre die Flexibilität des Roboters dem Karussell vorzuziehen. Da wir für unsere 250 Kühe jedoch vier oder fünf Roboterstationen bräuchten und dadurch auch entsprechend viele Störungen anfallen könnten, war das Karussell für uns die attraktivere Lösung. Für ein Innenmelker-Karussell haben wir uns entschieden, da es damit auch möglich ist alleine zu melken und den Überblick dabei zu behalten. Gerade in Stoßzeiten, wie während der Ernte, ist das sehr von Vorteil.

Jetzt geht’s ans Melken

So, jetzt aber genug über unserer Entscheidungsgründe. Irgendwann müssen wir ja mal mit dem Melken anfangen. Dafür treiben wir zuerst all unsere Kühe in einem großen Warteraum zusammen, der sich vor dem Karussell befindet. Danach schieben wir den Spaltenboden in unserem Laufstall mit einem kleinen Hoflader ab. Das machen wir morgens und abends.

Dann spritzen wir das Karussell mit Regenwasser ab – das wir in einer Zisterne sammeln – und machen es ordentlich nass. Das erleichtert uns das Putzen. Nach und nach betritt dann jede Kuh selbstständig die Plattform. Wir säubern dann das Euter mit einem Lappen, den wir nur einmal pro Kuh verwenden. Nach jedem Melken reinigen wir die Lappen in einer Waschmaschine.

Anschließend melken wir jede Zitze von Hand an, damit stimulieren und kontrollieren wir das Euter. Diese Aufgaben erledigt immer die erste Person, die sich direkt am Kuh-Eingang des Karussells befindet. Die zweite Person kümmert sich nach der Anrüstzeit, die circa eine Minute beträgt (6 bis 7 Kühe Abstand zur ersten Person), um das Ansetzten des Melkgeschirrs.

Milchbauer Felix erzählt von der Melkroutine bei seinen 250 Kühen. Außerdem begründet er seine Entscheidung für ein Melkkarussell, statt eines Roboters.

So sieht der Innenmelker aus, wenn man in der Mitte des Karussells steht. Foto: Privat

Nachdem die Kuh dann eine Runde gedreht hat, ist im Normalfall auch das Euter leergemolken, verlässt die Kuh die Plattform wieder in Richtung Futtertisch. Die Abnahme der Zitzen-Becher erfolgt dabei automatisch, nachdem das Euter leer ist.

Wir dippen unsere Kühe nicht, da wir keine Zellenprobleme haben. Jedoch haben wir ein Klauenbad im Rücktrieb des Karussells installiert, um deren Klauengesundheit zu verbessern. Wenn dann alle Kühe gemolken sind und wir das Karussell geputzt haben, gibt’s erstmal eine kleine Pause für die Kühe. Aber natürlich nur bis zum nächsten Melkdurchgang. Denn der kommt bestimmt bald. 😊

Machts gut!

Euer Felix

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