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Corona hat 2020 den Alltag auf dem Genholter Hof ganz schön durcheinander gebracht. Da hat sich Christina ihr erstes Jahr als angehende Hofnachfolgerin sicherlich anders vorgestellt, möchte man meinen. Sie selbst sieht das allerdings anders.

Das erste Jahr auf dem Hof – und das während Corona

Corona hat 2020 den Alltag auf dem Genholter Hof ganz schön durcheinander gebracht. Da hat sich Christina ihr erstes Jahr als angehende Hofnachfolgerin sicherlich anders vorgestellt, möchte man meinen. Sie selbst sieht das allerdings anders.

Hofübernehmerin Christina aus Nordrhein-Westfalen.

Hofübernehmerin Christina aus Nordrhein-Westfalen.

Hallo ihr fleißigen Hofhelden,

im letzten Blogbeitrag habe ich davon berichtet, wie sich der zweite Lockdown auf den Alltag hier auf unserem Hof auswirkt und wie sich das für uns als Familie anfühlt. Obwohl wir mit Blick auf unser Hofcafé und dessen erzwungene Schließung natürlich nicht glücklich sind, versuchen wir dennoch das Beste aus der Gesamtsituation herauszuholen.

Den nun folgenden Blogbeitrag möchte ich einmal ganz persönlich nutzen (als ob die vorherigen Blogbeiträge weniger persönlich waren – haha :-P) und der Frage widmen, die mir in den letzten Monaten immer häufiger gestellt worden ist: „Mensch Christina, du hast dir doch dein erstes Jahr als angehende Nachfolgerin des GeHos auch anders vorgestellt, oder?“.

Nur als kleine Randnotiz: Die Entscheidung, den GeHo in die nächste Generation zu führen, habe ich persönlich ja bereits im September 2019 getroffen und bin seit Dezember letzten Jahres (und damit nun ein Jahr) fest in unserem Familienbetrieb angestellt. Der 01. Juli 2020, an welchem ich euch die Entscheidung offiziell verkündet habe, war demnach „nur“ reine Formsache 😉.

Aber zurück zur gestellten Frage:

Joa, interessanter Gedankengang. Damit ihr aber meine Antwort darauf wirklich nachvollziehen könnt, ist es mir wichtig, sich noch einmal den Zeitpunkt im Dezember letzten Jahres anzuschauen: Denn tatsächlich stelle ich mir gerade rückblickend die Frage „Habe ich mir denn am 01. Dezember 2019 überhaupt irgendetwas vorgestellt? Mir vorgestellt, wie mein Traumalltag im kommenden Jahr aussehen, welche Projekte ich anstupsen und welchen Einfluss ich auf den GeHo nehmen könnte?“.

Ganz ehrlich? (und bitte jetzt nicht schockiert sein) – Nein, habe ich nicht! Denn sind wir mal ehrlich – die alltägliche Arbeit, wie meinen Vater im Büro bei der Organisation der Belieferung des LEHs oder meine Mutter im Service im Hofcafé zu unterstützen, ja sogar die Social-Media-Kanäle regelmäßig zu füttern, hatte ich ja stets auch vorher schon gemacht. Zudem hatte ich mit der Festanstellung viel mehr die Möglichkeit, ja vielleicht sogar das Glück, dass diese Aufgaben mir nicht das Gefühl von „Arbeit“ vermitteln, da sie mir einfach (meisten zumindest) Freude bereiten. Heißt es ja nicht umsonst „Wer mit seiner Arbeit zufrieden ist, muss nicht arbeiten“ – und das entspricht wohl ganz gut, meinen „Nicht-Vorstellungen“. Ich habe halt einfach mal angefangen, alles andere würde schon seinen Weg finden.

Ein weiterer Grund dafür, dass ich keine allzu große Vorstellungen hatte, war natürlich auch der, dass ich „nur“ Festangestellte bin und somit auch vorerst nur in der zweiten Reihe eine Rolle spiele. Diese Rolle ist mit Sicherheit keine unwichtige, die meiner Eltern und damit eben meiner Chefs ist aber einfach noch viel wichtiger – sind die beiden eben noch die sogenannten „Letztentscheider“. Auch das heißt wiederum nicht, dass ich stets nach Vorschrift arbeite und um 16:30 Uhr meinen Stift fallen lasse. Nein – ganz im Gegenteilt: Ich habe meine Freiräume vom ersten Tag meiner Bekundung, ich könnte mir eine Nachfolge vorstellen, von meinen Eltern erhalten und zum Beispiel mit dem ins-Leben-rufen unserer Social-Media-Kanäle oder durch die Inspirationsreise auch genutzt.

Und genau dieses Zusammenspiel macht wahrscheinlich den – bis hierher – gut verlaufenen Generationswechsel aus: Meine Eltern spielen vorerst noch die erste Geige und ich die Triangel – wir alle wissen aber, dass wir im Jahr 2023 die Instrumente und damit auch die Verantwortungsbereiche tauschen werden.

So habe ich mir für das Jahr 2020 eigentlich nicht allzu viel vorgestellt, weil ich eben schon gut für dieses aufgestellt war und keinerlei großer Hoffnungen haben musste, nun endlich am großen Rad drehen zu können. Natürlich hatte ich Aktionen wie einen Fotoworkshop mit einem ganz tollen, engagierten Fotografen oder einen interessanten Kurs über Wolle mit einer super motivierten Unternehmerin, beide hier aus der Burggemeinde Brüggen, geplant, die alle nicht stattfinden konnten. Und ja, auch sollte dieses Jahr den Schwerpunkt der Landwirtschaft haben. Denn mein Ziel war (und ist es auch immer noch) diesen nicht unwichtigen Teil der GeHos von innen heraus kennen- und erleben lernen zu können.

Corona hat 2020 den Alltag auf dem Genholter Hof ganz schön durcheinander gebracht. Da hat sich Christina ihr erstes Jahr als angehende Hofnachfolgerin sicherlich anders vorgestellt, möchte man meinen. Sie selbst sieht das allerdings anders.

In ihrem ersten Jahr auf dem Hof wollte Christina vor allem alle Betriebszweige ganz genau kennenlernen. Foto: Ingenrieth

Doch es kam alles anders und die Pandemie hat mir da natürlich – wie vielen, vielen anderen auch – einen fetten Strich durch die Rechnung gemacht. Aber sind wir doch mal ehrlich? Was kann meinen Eltern und mir denn Besseres passieren, als das wir in einer solchen Ausnahmesituation alle dem Familienbetrieb noch mit unsere 100%igen Arbeitskraft zur Verfügung zu stehen? Dabei können meine Eltern von ihren Erfahrungen aus 21 Jahren GeHo und noch längerer Zeit der Direktvermarktung schöpfen und ich kann mich u.a. auch durch meine Stärken wie Disziplin und Fokus neuen Projekten wie der Bestückung von Social Media, aber auch Projekten wie unserer Nikolaustütenaktion widmen.

Und nicht zu vergessen, haben wir ja auch noch meine Schwester Kathrin, die uns in Situationen, in denen wir doch in ein Gefühlstief geraten, als Ruhepol in all unseren Projekten unterstützt – DANKE dafür, Kathrin!!! In diesem Zusammenhang ist auch meinen Eltern ein großes Lob auszusprechen, die durch ihre Weitsicht, den Hof nicht nur in eine sondern gleich in 4 verschiedene Richtungen auszurichten, uns besonders in diesem Jahr wirtschaftliche und persönliche Sicherheit ermöglicht haben.

Und: Wer sagt mir denn, dass im Jahr 2023 – wenn die Hofübernahme ansteht – oder in der Zeit danach, mich mit dem GeHo keine andere Krise ereilen wird? Dann heißt sie vielleicht nicht Corona, hat aber möglicherweise ähnliche Auswirkungen. Dann kann ich im besten Fall noch auf meine Triangel spielenden Eltern, in jedem Fall aber auf die Erfahrungen aus dem Jahr 2020 zurückgreifen. Und ist das nichts wert? Doch – sehr viel sogar!

Um nun zum Abschluss auf die Frage „Mensch Christina, du hast dir doch dein erstes Jahr als angehende Nachfolgerin der GeHos auch anders vorgestellt, oder?“ zurückzukommen: Großartig vorgestellt habe ich es mir gar nicht, positiv überrascht hat es mich in jedem Fall. So habe ich nicht nur, durch die große Hofheld-Familie, ganz tolle Menschen wie Dagmar und Désirée kennenlernen und medientechnisch bekannter werden dürfen (wer hat schließlich schon einmal in der WELT gestanden oder Kontakt zur F.A.Z. gehabt? 😉), sondern, auch innerhalb unserer (GeHo-)Familie zusammenwachsen und anerkennen dürfen, dass jedes Mitglied von uns seine Stärken hat, die er gewinnbringend einbringen kann.

Vielleicht habt ihr selbst in diesem Jahr zwar auch kleine Vorstellungen aufgeben müssen, dafür aber andere positive Momente und Wendungen erleben dürfen, die euch nun Kraft geben für die kommenden Feiertage. Diese wünsche ich euch von ganzem Herzen!

Bleibt gesund, passt auf euch und eure Lieben auf und habt trotz allem schöne Feiertage,

Eure Christina

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