Emissionsarmer Stall

Emissionsarmer Stall: Frischer Wind

In Milchviehställen steckt großes Potenzial, um Ammoniakemissionen zu mindern. Landwirt Daniel Stier sagt, welche Maßnahmen er umgesetzt hat.

Originalbeitrag von Michael Götz für agrarheute.

Laufställe können sehr tierfreundlich sein, doch auf den befestigten Laufflächen entstehen umwelt- und gesundheitsschädliche Ammoniakemissionen. Im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft EIP entwickelt die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) zusammen mit der Praxis innovative Maßnahmen mit dem Ziel, Ställe sowohl tier- als auch umweltfreundlich zu gestalten.

Daniel Stier

Daniel Stier hat den Laufstall mit seiner Herde im März 2019 bezogen. Quelle: Michael Götz

Fast wie auf der Weide

Landwirt Daniel Stier in Untermünkheim ist Teil des EIP-Projekts und hat Anfang März 2019 seinen neuen Laufstall bezogen. Es handelt sich um einen zweihäusigen Stall, dessen Gebäude sich dank ihrer niedrigen Firsthöhe von 4.55 m gut in die Landschaft einpassen. Die zentrale Futterdurchfahrt teilt den Stall in zwei Hälfen mit je einer Liegehalle mit Tiefboxen, einem Laufhof und einem Melkroboter auf jeder Seite. Die Wände der Liegehallen lassen sich mithilfe durchsichtiger, aufziehbarer Vorhänge öffnen. „Die Kuh ist am liebsten an der frischen Luft“, begründet dies der Landwirt. Es soll den Kühen, die sich an 365 Tagen im Jahr im Stall aufhalten, ähnlich gut gehen wie Kühen, die auf die Weide dürfen.

Laufhof

Auf der 6,40 m breiten Fläche zwischen Liegeboxen und Futtertisch können sie ausweichen. Quelle: Michael Götz

Zwischen Fress- und Liegeplatz integrierte Laufhöfe regen Kühe an, sich auch im nicht überdachten Bereich zu bewegen. Auf der 6,40 m breiten Fläche zwischen Liegeboxen und Futtertisch können sie einander gut ausweichen; pro Kuh stehen 5,6 m2 Laufhoffläche zur Verfügung. Auch in Bezug auf Emissionen ist der integrierte Laufhof von Vorteil, weil die gesamte schmutzige und damit emittierende Lauffläche kleiner ist, als wenn der Laufhof separat hinter der Liegehalle angeordnet wäre.

Fressstand

Die Bügel dienen dazu, dass die Tiere nicht quer am Fressgitter stehen können. Das mindert die Emissionen zusätzlich. Quelle: Götz

Trennbügel nach jedem zweiten Fress- platz verhindern, dass die Kühe parallel zum Futtertisch stehen. Das vermindert ebenfalls emittierende Fläche, und zwar um 14 Prozent hat Martin Thierberger berechnet. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für angewandte Agrarforschung der Hochschule in Nürtingen und begleitet das EIP-Projekt wissenschaftlich. Damit der Schieber die Gülle entlang des Fressplatzes wegschieben kann, ist der Fressplatz um 20 cm erhöht. Der Harn fließt über das dreiprozentige Quergefälle in die Harnsammelrinne ab, die sich in der Führungsschiene des Schiebers befindet. Eine bodennahe Befeuchtungsanlage soll verhindern, dass der Kot am Boden haftet und sich eine Schmierschicht bildet. Dazu wird Wasser aus Löchern in einer Leitung entlang der Liegeboxen- und Fressplatzkanten gespritzt.

Harn zügig abführen

Eine Kuhdusche über dem Fressplatz soll den Kühen im Sommer Kühlung verschaffen. Außerdem sind über dem Laufhof sensorgesteuerte Markisen angebracht, sodass die Kühe im Sommer nicht in der prallen Sonne stehen müssen. Die Beschattung soll aber auch zur Reduktion der Ammoniak-Emissionen beitragen. Die Laufstallböden sind mit Gummimatten ausgelegt. Sie geben beim Auftritt der Tiere nach und geben ihnen auch dann einen guten Halt, wenn wegen Brunst oder Eingliederung einer neuen Kuh Unruhe in der Herde herrscht.

Gefälle

Der Harn fließt durch ein dreiprozentiges Gefälle in eine Harnsammelrinne in der Führungsschiene des Schiebers. Quelle: Michael Götz

Damit möglichst wenig Ammoniak von den Laufflächen verdunstet, reinigt der Schieber alle zwei Stunden die Lauf­flächen. Da der Fressplatz gegenüber der Schieberfläche erhöht ist, stört er die Kühe beim Fressen nicht. Die Laufgänge haben entweder ein Quergefälle von 3 Prozent zur Harnrinne hin oder sind plan, aber mit Rillen versehen. Die Flächen zwischen den Rillen weisen ein leicht dachförmiges Gefälle auf, um die Gülle in die Rillen abzuleiten.

Rillenboden

Die Laufgänge haben entweder ein Quergefälle oder sind plan, aber mit Rillen versehen. Die Flächen zwischen den Rillen leitet die Gülle ab. Quelle: Michael Götz

Der rasche Abfluss des Harns von den Laufflächen bringt nicht nur der Umwelt einen Vorteil, sondern auch den Kühen. Kühe, die im Trockenen stehen, leiden weniger an Klauenerkrankungen als Kühe, die in der Gülle stehen müssen.

Der Boden des Wartebereichs vor den Melkrobotern ist mit Spaltenelementen ausgeführt und beheizbar, damit die Kühe den Kot auch im Winter durchtreten. Martin Thierberger weist darauf hin, dass durch den schnellen Harnabfluss die Gülle vor dem Schieber dickflüssiger wird und es deshalb im Querkanal zu Verstopfungen kommen kann. Deshalb sollte man dort Spülleitungen einbauen.

Bewerten und weiterentwickeln

Landwirt Daniel Stier hat sich das Wissen in Workshops im Rahmen des Projekts „Bauen in der Rinderhaltung“ erworben. Dazu hat er sich bei der Planung regelmäßig mit anderen Landwirten getroffen, die am Projekt teilnehmen. Gemeinsam mit Vertretern von Stallbaufirmen und der Fachhochschule Nürtingen besprachen sie ihre Projekte und suchten nach innovativen Lösungen. „Die harnableitenden Gummiböden und die beheizten Spaltenböden hatten wir ursprünglich nicht geplant“, sagt der Milchviehhalter.

Martin Thierberger hat das EIP-Projekt wissenschaftlich begleitet und einzelne Stallbaumaßnahmen kalkuliert. Quelle: Michael Götz

Durch die Teilnahme am Projekt der EIP löste er zusätzlich zu den bestehenden Agrarförderprogrammen (AFP) Beiträge von 20 Prozent der Investitionskosten aus. Der Maximalbeitrag beträgt dabei 180.000 Euro. „Die Mehrkosten der innovativen baulichen Maßnahmen überstiegen allerdings in den meisten Bauprojekten den Förderbeitrag deutlich“, lässt Thierberger wissen. Voraussetzung für die Förderung ist, dass entweder die Anforderungen für AFP Basis oder AFP Premium erfüllt werden.

Zeigen, was man hat

Die Förderbeiträge dienen auch zur Abgeltung des Aufwands für die Öffentlichkeitsarbeit des Landwirts. Dieser verpflichtet sich nämlich, Berufskollegen Führungen durch den Stall anzubieten und der Öffentlichkeit Einblicke in den Stall zu geben. „Auf diese Weise sollen diese innovativen Lösungen noch stärkeren Eingang in die Praxis finden“, erklärt Thierberger.

Düsen in einer perforierten Wasserleitung, die sich in den Liegeboxen- und Fressplatzkanten befindet, verhindern, dass Kot am Boden haftet. Quelle: Michael Götz

Darüber hinaus hat sich Daniel Stier vertraglich verpflichtet, den Forschern der Hochschule Nürtingen-Geislingen eine wissenschaftliche Begleitung auf seinem Hof zu ermöglichen. So sollen die neuen Erkenntnisse aus der Praxis permanent in die Beratung einfließen.

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