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Die Innovations-Agentur EIT-Food will Landwirte und innovative Gründer des Ernährungs-, Lebensmittel- und Agrarsektors zusammenbringen, um gemeinsam nachhaltige Lösungen für Welternährung und Co. zu erarbeiten.

EIT-Food: Das Innovations-Netzwerk für die Landwirtschaft

Die Innovations-Agentur EIT-Food will Landwirte und innovative Gründer des Ernährungs-, Lebensmittel- und Agrarsektors zusammenbringen, um gemeinsam nachhaltige Lösungen für Welternährung und Co. zu erarbeiten.

Seit einiger Zeit schießen Start-ups scheinbar wie Pilze aus dem Boden. Kein Wunder: Schlagworte wie Klimawandel, Nachhaltigkeit und Welternährung lassen viele schlaue Köpfe rattern und nach Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit suchen. Eine Agentur, die Innovationen und Ideen in diesem Bereich fördert, ist EIT Food. Was dahintersteckt und was Landwirte beziehungsweise die Landwirtschaft damit zu tun hat, das erklärt Dir Mira Schütze im Interview. Die Agrarökonomin hat Ernährungswissenschaften studiert und ist Entrepreneurship Facilitator bei EIT Food in Deutschland. Sie findet: “Landwirten muss mehr zugehört werden.”

Mira, was ist EIT Food?

EIT Food ist das größte Innovationsnetzwerk in Europa zum Thema Ernährung, Lebensmittel und Landwirtschaft. EIT Food wird von der EU gefördert und hat das Ziel, den Ernährungs-, Lebensmittel- und Agrarsektor transparenter und nachhaltiger zu gestalten. Unter anderem wollen wir den Zugang zu fairen Lebensmitteln ermöglichen und das Vertrauen der Verbraucher in den Markt stärken.

Wie wollt ihr das schaffen?

Unser Prinzip ist das Wissensdreieck. Alles, was wir tun, bewegt sich in diesem Dreieck, das aus den Bereichen Innovation, Bildung und Unternehmensgründung besteht. In diesem Rahmen fördern wir Innovationsprojekte, klären auf und fördern Entrepreneurship, also gestalterische und unternehmerische Prozesse. Dabei bringen wir Gründer, Förderer, Forschung und bereits etablierte Unternehmen zusammen, um neue Lösungen praxisnah zu gestalten und nachhaltig zu etablieren. Denn unser Credo lautet: Innovationen schaffen wir nur zusammen.

Die Innovations-Agentur EIT-Food will Landwirte und innovative Gründer des Ernährungs-, Lebensmittel- und Agrarsektors zusammenbringen, um gemeinsam nachhaltige Lösungen für Welternährung und Co. zu erarbeiten.

Wie ist EIT Food organisiert?

Unser Hauptsitz liegt in Brüssel. Darüber hinaus gibt es in ganz Europa sogenannte Regionalbüros. Bei uns in Freising bei München sind wir für die europäischen Programme in Deutschland, Österreich und den Niederlanden zuständig. Wir sind quasi das Tor zum europäischen EIT Food Netzwerk.

Wer gehört denn alles zu diesem Netzwerk?

Dazu gehören Unternehmen, Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Also zum Beispiel Siemens oder John Deere, die TU München und die Uni Hohenheim. Prinzipiell sind wir offen für alle, die Lust haben, dabei zu sein und an unseren sechs Fokusthemen mitzuarbeiten.

Sechs Fokusthemen?

Ja, unsere großen Themen sind …

  • … die nachhaltige Landwirtschaft,
  • … die nachhaltige Aquakultur,
  • … die Kreislaufwirtschaft,
  • … alternative Proteinquellen,
  • … die zielgerichtete Ernährung
  • … und die digitale Rückverfolgbarkeit.

Große Schwerpunkte in Freising sind die nachhaltige Landwirtschaft und die Kreislaufwirtschaft, mit dem Fokus auf Lebensmittelverlusten entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Welches sind eure Ansätze im Bereich der nachhaltigen Landwirtschaft und Kreislaufwirtschaft?

Diese beginnen mit der möglichen Resilienz des heutigen Agrarsystems. Wir bearbeiten gemeinsam mit unseren Partnern zum Beispiel Themen wie innovative Anbaumethoden, Ansprüche gegenüber der regenerativen Landwirtschaft bis hin zur Robotik auf dem Feld. Dabei sind wir nicht kritisierend unterwegs, sondern lösungsorientiert. Ich selbst arbeite im Bereich Business Creation , da geht’s viel um Start-ups und junge Unternehmen, die ihre Produkte an den Markt bringen wollen oder gerade in den Markt eingestiegen sind.

Was sind das für Produkte und Start-ups?

Im Bereich Business Entrepreneurship haben wir zum Beispiel eine Kooperation zwischen dem Unternehmen Givaudan , dem weltweit größten Hersteller von Aromen und Duftstoffen, und dem Start-up Kaffee Bueno, das Abfallprodukte der Kaffeeherstellung zu Kosmetikprodukten verarbeitet und so die Wertschöpfung des Kaffeeanbaus positiv beeinflusst. Und dann haben wir im Bereich Foodwaste zum Beispiel das Start-up Frudist im Netzwerk. Die arbeiten unter anderem mit Himbeeren, die nicht verkauft werden können und normalerweise schon bei der Ernte auf dem Feld zurückbleiben. Die werden dann gefriergetrocknet und weiterverarbeitet.

Nach welchen Projekten, Ideen oder Start-ups sucht ihr?

Ganz generell suchen wir Gründer, Unternehmen und Unis, die gemeinsam an Lösungen in unseren Themenbereichen arbeiten wollen. Dennoch legen wir Wert darauf, dass wir Themen, die unsere Partner besonders interessieren, auch mit Gründern besetzen. Die Interessen gehen dabei in die unterschiedlichsten Richtungen. John Deere schaut zum Beispiel auf Ag-Tech Lösungen während Döhler auf FoodTech-Lösungen schaut.

Wie können sich Landwirte da einbringen?

Da gibt es verschiedene Anknüpfungspunkte. Europaweit gesehen gibt es zum Beispiel das Projekt Testfarms, wo sich Start-ups mit Landwirten vernetzen und Ideen und Innovationen in der Praxis ausprobieren und weiterentwickeln können. In Deutschland liegt der Fokus momentan auf dem Austausch mit Start-ups. Es gibt einen monatlichen Stammtisch, bei dem sich 20 Gründer und Gründerinnen miteinander unterhalten. Landwirte sind herzlich dazu eingeladen, sich einzuklinken, zuzuhören, zu netzwerken und Touch-Points zu finden. Viele unserer Gründer haben gute Ideen, ihnen fehlt aber der Zugang zur Landwirtschaft. Dabei können gerade in diesem Bereich viele Schrauben gedreht werden, um uns alle zukunftsträchtig aufzustellen. Daher suchen wir den Input von Landwirten, um sich gegenseitig zu befruchten. Und dann haben wir auch EIT Fan, unser EIT Food Accelerator Programm für Start-ups, bei dem der Schwerpunkt auf nachhaltiger Landwirtschaft liegt. Das ist bestimmt auch interessant für Landwirte.
Die Innovations-Agentur EIT-Food will Landwirte und innovative Gründer des Ernährungs-, Lebensmittel- und Agrarsektors zusammenbringen, um gemeinsam nachhaltige Lösungen für Welternährung und Co. zu erarbeiten.

Mira Schütze arbeitet bei EIT Food in Freising. Foto: Steffen Kastner

Was ist das für ein Programm?

Das EIT FAN richtet sich an Start-ups, die bereits ein Produkt auf dem Markt haben. In Netzwerkveranstaltungen bringen wir sie mit Unternehmen zusammen, die sie fördern. Im Rahmen eines 4-monatigen Programms bekommen die Start-ups Mentoring und Coaching, um sich schneller auf dem Markt zu etablieren. Im Prinzip geht es also darum, Pilotprojekte zusammen mit Unternehmen umzusetzen.

Und wie genau sind daran nun Landwirte beteiligt?

Landwirte sind dazu eingeladen, an Netzwerkveranstaltungen des Accelerator-Programms teilzunehmen und sich einzubringen. Es ist uns einfach wichtig, auch Landwirte im Netzwerk zu haben. Sie gehören zu den innovativsten Berufsgruppen überhaupt und Junglandwirte sind ja oft auch selbst Gründer. Ich glaube schon, dass es da verschiedene Gemeinsamkeiten gibt.

Also seid ihr im Bereich Landwirtschaft noch nicht soooo groß unterwegs, oder?

Ja, das ist richtig. Die Anknüpfungspunkte mit Landwirten stecken noch in den Babyschuhen und noch gibt es keine konkreten Bereiche und Programme, um Landwirte gezielt zu fördern. Aber der Wille unsererseits ist groß und wir suchen die Nähe zu Landwirtinnen und Landwirten. Wir haben auch schon mehrere Start-ups, die im Bereich der Landwirtschaft innovative Lösungen und Produkte anbieten. FarmInsect produziert zum Beispiel Insektenlarven mit viel Protein als Futtermittel für Hühner, Schweine und Fische automatisiert direkt auf dem Hof. Dies zeigt den Bedarf für eine gute Zusammenarbeit im Bereich Landwirtschaft. Wir wollen Landwirten zuhören, um Innovationen und Lösungen nicht an der Landwirtschaft vorbei zu entwickeln. Und wer weiß, vielleicht entstehen dann im Austausch auch Ideen, wie Landwirte und EIT Food näher zusammenrücken können.

Jetzt Teil des Netzwerks werden!

Wenn Du Lust bekommen hast, dich mit Gründern und Start-ups des EIT Food Netzwerks auszutauschen, dann kannst Du Dich gleich hier kostenlos für den Gründer:innen-Stammtisch anmelden. Oder willst Du Dich bei den Netzwerkveranstaltungen des Accelerator-Programms einbringen? Dann schreibe Mira eine E-Mail (mira.schuetze@eitfood.eu) und erhalte weitere Informationen dazu.

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