Stroh ist das klassische Einstreumaterial für Tiefboxen. Doch es geht auch anders. Hier sind die wichtigsten Informationen zu separierter Gülle, Miscanthus und Sägespänen als alternative Materialien.

Die Einstreu-Alternativen für Tiefboxen

Stroh ist das klassische Einstreumaterial für Tiefboxen. Doch es geht auch anders. Hier sind die wichtigsten Informationen zu separierter Gülle, Miscanthus und Sägespänen als alternative Materialien.

Originalbeitrag von Ylsabe-Friederike Rawe, agrarheute.

Entspannen ist wichtig für die Gesundheit. Das gilt nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kühe. Eine komfortable Liegebox und das richtige Einstreumaterial verbessern den Kuhkomfort erheblich. Und längere Liegezeiten sichern das Wiederkauen und eine höhere Milchproduktion. Außerdem entspannen sie Gelenke und Klauen.

In Hochboxen findet man meist Gummimatten oder andere Auflagen. Tiefboxensintereu besteht meist aus organischen Materialien. Der Klassiker ist Stroh. Doch dazu gibt es auch einige Alternativen.

Getrockneter Gärrest

Das Einstreuen mit Güllefeststoffen wurde in den letzten Jahren immer beliebter. Allerdings bringt dieses Verfahren auch Stolpersteine mit sich:

  • Getrockneter Gärrest hat gute verfahrenstechnische Eigenschaften.
  • Biosicherheit und Hygiene sind besonders wichtig. Entscheidend sind eine sehr gute Boxenhygiene, trockene Liegeflächen und eine optimale Belüftung im Stall.
  • Die Matrazendicke sollte 15 bis 20 cm hoch sein. Idealerweise streust Du täglich eine neue, dünne Schicht aus Separat nach.
  • Achte darauf, dass der Trockensubstanzgehalt des Substrats bei 30 bis 32 Prozent liegt. Ist die Einstreu zu feucht, bietet sie einen optimalen Nährboden für verschiedene Krankheitserreger.
  • Die Investitionskosten für den Gülleseparator sind hoch. Sie liegen zwischen 40.000 und 50.000 Euro und rentieren sich erst ab einer Herdengröße von 80 Tieren.
  • Der Einsatz von Gülle- oder Gärrestseparat als Einstreualternative ist in der EU nicht eindeutig geregelt.

Miscanthus

Anders als bei der Einstreu mit spearierten Feststoffen ist Miscanthus aus mikrobiologischer Sicht sehr gut als Material in der Liegebox geeignet. Dennoch gibt es auch hier ein paar Dinge, die Du beachten solltest.

  • Die Matrazendicke sollte aus einer 15 cm dicken Schicht des gehäckselten Materials bestehen.
  • Miscanthus hat eine hohe Wasserbindefähigkeit von 4,4 g Wasser pro Gramm Trockenmasse. Es bietet somit eine trockene, saubere und hygienische Liegefläche.
  • Laut einer Studie der Fachhochschule Soest bietet Miscanthus als Einstreu ein geringer Vermehrungspotenzial für Erreger.
  • Achte auf ein trockenes Lager, um die Qualität des Materials zu sichern.
  • Stichverletzungen durch das robuste Material konnten nich festgestellt werden.
  • Miscanthus bietet keine tragfähige Matraze. Daher musst Du konsequent nachstreuen und das Material einebnen.
  • Die Einstreu kostet 120 bis 130 Euro/t; rechne mit Einstreuverlusten von circa 3,5 bis 4 kg pro Kuh und Tag. Um die Verluste zu minimieren, kannst Du auch über eine Stroh-Mist-Matraze mit einer Deckschicht aus Miscanthus nachdenken. Dann reicht eine Nachstreu von 1,5 kg pro Kuh und Tag.
  • Das Material ist sehr staubig, daher musst Du oft Wasser zumischen.

Sägespäne

Sägespäne sind aus arbeitswirtschaftlicher Sicht eine sehr beliebte Alternative zur herkömmlichen Stroheinstreu. Landwirte, die Sägespäne beziehen, haben of langfristige Lieferverträge, was die Bezugschancen für Neukunden meist unmöglich macht. Aufgrund der Borkenkäferproblematik könnte es aber in nächster Zeit leichter werden, Weichholzspäne in der Liegebox einzusetzen.

  • Die Preise für Sägespäne schwanken je nach Sägewerk zwischen 60 und 70 Euro/t.
  • Es ist besonders wichtig, dass Du auf eine gute Qualität und trockenes Material achtest.
  • Der saure pH-Wert schafft einen optimalen Nährboden für einige Keime. Kalk allein reicht oft nicht aus, un den pH-Wert nachhaltig zu erhöhen und das Risiko von Euterkrankheiten zu senken.

Egal, für welches Einstreumaterial Du Dich entscheidest: Tiefboxen sind sehr arbeitsintensiv und die Boxenpflege ist eine der wichtigsten Punkte im täglichen Arbeitsablauf. Achte vor allem auf einen trockenen und sauberen untergrund, den Du in regelmäßigen Abständen nachstreust. Nur so kannst Du Deinen Kühen einen weichen und hygienischen Liegeplatz bieten. Eine trittsichere und verformbare Einstreu tragen ebenfalls zum Wohlfühlfaktor bei. Wichtig für die Hygiene ist außerdem die Wasseraufnahmekapazität der einzelnen Materialien.

Den ganzen Artikel sowie weitere Informationen rund um Tier, Technik, Pflanze und Betrieb gibt’s in der aktuellen Ausgabe von agrarheute. Klick doch mal rein und hol Dir jetzt Dein kostenloses Probeabo des neuen Digitalmagazins von agrarheute.

agrarheute-Cover-10-2020

Instagram-LogoFolge uns auch auf Instagram und werde Teil der Hofheld-Community!

Beitragsbild: Philipp von Rössing

Schreibe einen Kommentar